Geistliche Mobilität im Bistum Basel. Der niedere Klerus in den Dekanaten Sisgau und Frickgau von 1460 bis 1490

Cognome dell'autore
Raphael
Walker
Tipo di ricerca
Tesi di master
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Christian
Hesse
Istituzione
Historisches Institut
Luogo
Bern
Anno
2023/2024
Abstract

Die mittelalterliche Geistlichkeit bestritt ihren Lebensunterhalt aus der ihnen zugewiesenen Pfründe als ein mit dem Kirchenamt verbundenes Recht, die daraus fliessenden Einkünfte als ständiges Einkommen zu beziehen. Der Weg zur Pfründe wurde meist zwischen den beiden grossen Polen der päpstlichen Provision sowie der ordentlichen Kollatur durch eine weltliche oder geistliche Institutionbeschritten.VerschiedeneStudienhaben gezeigt, dass nur ein kleiner Teil des niederen Klerus den Weg über die römische Kurie einschlug. Die Mehrheit dieser als Soldpriester angestellten Geistlichen, welche aufgrund ihrer prekären Arbeitssituation von der bisherigen Forschung als klerikales Proletariat bezeichnet wurden, bediente sich der Möglichkeiten der lokalen Pfründenvergabe, um auf ein Benefizium zu gelangen.

 

Die Forschung zum spätmittelalterlichen Niederkirchenwesen im Bistum Basel ist fragmentarisch, da Studien zu den sozialen Verhältnissen und Karrieren der lokalen Geistlichkeit weitgehend fehlen. Dieser Umstand ist insofern erstaunlich, als ab der Mitte des 15. Jahrhunderts ausführliche Registerserien des bischöflichen Offizialats existieren, die heute im Archive de l'ancien Evêché de Bâle (AAEB) in Pruntrut gelagert werden. Als quantitativ belastbare serielle Quellen stellen sie eine wahre Fundgrube dar, um durch den methodischen Zugriff einer umfassenden Prosopographie die sozialhistorische Dimension der Geistlichkeit im Bistum Basel zu erforschen. Ziel der Arbeit ist es – gestützt durch die Registra commissionum (AAEB, A 85/40) in welcher alle kommissarischen Kleriker aufgelistet sind, deren Anstellung auf ein Jahr begrenzt war – die berufliche Laufbahn und das Mobilitätsverhalten des niederen Klerus in der Diözese Basel zu untersuchen. Mit der exemplarischen Eingrenzung auf die Dekanate Sisgau und Frickgau im Zeitraum von 1460 bis 1490 liegt dafür ein klar definiertes Einzugsgebiet vor. Dank der Quellendichte durch die im Jahr 1460 gegründeten benachbarten Universitäten Basel und Freiburg im Breisgau in Form von Matrikellisten können zusätzliche Informationen zur geographischen Herkunft, der Bildungssituation und somit für eine allgemeine Personenrecherche der lokalen Geistlichkeit gewonnen werden.

 

Im Hauptteil der Arbeit wurden ausgehend von einem institutionellen Ansatz die Pfründenwerte sowie die Anstellungsmuster und -frequenzen der verschiedenen Pfarreien in den beiden Dekanaten analysiert. Ergänzend dazu wurden durch einen personengeschichtlichen Zugriff die einzelnen klerikalen Exponenten nach dem Rechtscharakter ihrer Pfründen in verschiedene Personengruppen gegliedert, ihre Karrieren nachgezeichnet und verglichen. Die Aufarbeitung der Register hat ergeben, dass ein struktureller Absentismus, der eine längere Absenz des Amtsinhabers voraussetzt, in einzelnen Pfarreien deutlich nachvollzogen werden kann. Vakante Benefizien absenter Titularpriester wurden in diesen Fällen meist unmittelbar durch Hilfsgeistliche wie stellvertretende Vikare oder Plebane aufgefangen. Diese kommissarischen Kleriker waren vertraglich gebundene Zeitarbeiter, welche die Kontinuität der Seelsorge garantierten.

 

Von insgesamt 508 ermittelten Geistlichen stellten die so tätigen 334 kommissarischen Vikare die grösste Personengruppe dar. Die zweitgrösste Kategorie der Altarspfründen zeichnete sich durch eine gewisse Stabilität ihrer Benefiziaten aus. Die erhöhte Mobilität auf den Altarbenefizien scheint sich mit 140 befristeten Anstellungen jedoch nur begrenzt auf die Gesamtzahl der Geistlichen ausgewirkt zu haben. Im Gegensatz dazu nahm die Anstellungsrate bei den Plebanen mit 43 versehenen Benefizien stark ab und erreichte mit nur 18 verzeichneten Frühmesspfründen den Status einer Randgruppe. Als zentrale Befunde der Arbeit konnte herausgearbeitet werden, dass bei der Vakanz eines Benefiziums ein gut eingespielter Automatismus existierte und meist unmittelbar ein kommissarischer Ersatz eingestellt wurde. Die räumliche Mobilität dieser kommissarischen Kleriker war jedoch eher begrenzt, da sich der Grossteil der Geistlichen meist nicht mehr als 20 Kilometer von ihrem Herkunfts- oder Wirkungsort entfernte. Dabei scheinen persönliche Netzwerke entscheidend gewesen zu sein, um auf ein Vikariat oder eine begehrte Dauerpfründe zu gelangen und dadurch ein längerfristig gesichertes Einkommen zu erhalten. Wenngleich einige Geistliche von diesen sozialen Aufstiegschancen profitieren konnten, musste sich der Grossteil der befristeten Kleriker alljährlich um Neuanstellungen oder Pfründenwechsel bemühen. Trotz dieser teilweise stark divergierenden Anstellungsmuster konnten in der Arbeit verschiedene konkrete Mobilitätsfaktoren herausgearbeitet werden, die das von der älteren Forschung monierte Konzept des Klerikerproletariats in einem neuen Licht darstellen.

Accesso al lavoro

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