Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik. Die amtliche deutsche Militärgeschichtsschreibung über den Ersten Weltkrieg, 1914-1956

Cognome dell'autore
Markus
Pöhlmann
Tipo di ricerca
Dottorato
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Stig
Förster
Istituzione
Historisches Institut
Luogo
Bern
Anno
1999/2000
Abstract

Die amtliche deutsche Geschichte des Ersten Weltkrieges, wie sie seit 1919 das zu diesem Zweck gegründete Reichsarchiv in Potsdam erstellte, bestimmt bis heute weitgehend das Bild der militärischen Operationen in diesem Krieg. Obwohl sich das Reichsarchiv offiziell streng unpolitisch gab, wurden seine Mitarbeiter - allesamt tief im kaiserlichen Offizierkorps verwurzelt - schnell zu Protagonisten der politischen Rechten in den grossen Weimarer Auseinandersetzungen um den Krieg.


Für den Kampf um die Deutungshoheit über Kriegsgeschehen und Kriegserlebnis entwickelte das Reichsarchiv ein bislang kaum beachtetes, breitenwirksames publizistisches Instrumentarium. Dieses reichte von den amtlichen Leitpublikationen über volkstümliche Reihenwerke und Regimentsgeschichten bis zu Fotobänden und Filmen. Doch die Fachleute im Reichsarchiv fochten nicht nur im Kulturkampf der Erinnerungen, sie begannen – im Gegensatz zu den Bestimmungen des Versailler Vertrages - bald auch mit der Ausarbeitung von militärfachlichen Forschungsarbeiten für die Reichswehr.

 

Die von Professor Stig Förster betreute Dissertation analysiert die Formen und Funktionen der amtlichen Weltkriegshistoriographie am Reichsarchiv und dessen Nachfolgeorganisationen in vier politischen Systemen: von den ersten ‹berlegungen im Weltkrieg bis zum Abschluss des Hauptwerkes, den erst 1956 das westdeutsche Bundesarchiv vollzog. Sie stellt zunächst die Entwicklung der preussisch-deutschen Militärgeschichtsschreibung bis 1914 vor, um dann zur Konzeptionalisierungsphase des Krieges überzuleiten. Die unmittelbare Notwendigkeit zur Gründung des Reichsarchivs ergab sich 1919 aus dem Versailler Vertrag, der den deutschen Generalstab – und damit die mit amtlicher Militärgeschichtsschreibung befassten Abteilungen desselben - verbot. Die Abteilungen konvertierten rasch in eine zivile Institution, behielten aber ihre personelle Zusammensetzung und - wie sich bald zeigen sollte - ihre weltanschauliche Orientierung weitgehend bei. Im Mittelpunkt der Arbeit der folgenden Jahre stand die Konzeption und Veröfentlichung des Reihenwerkes «Der Weltkrieg 1914-18» (14 Bände, zwei Ergänzungsbände).

 

Arbeit schildert zunächst Methode und Funktion dieser Publikation, um dann den Blick auf die weiteren Veröffentlichungen zu werfen. Eine Reihe von Detailuntersuchungen befasst sich mit den wissenschaftlichen, militärischen und politischen Interessen und der Diskursmacht der Behörde in den Weltkriegskontroversen. Auf der binnenmilitärischen Ebene stellt die Arbeit einmal die Nachkriegsdiskussion um die Operationen der deutschen 6. und 7. Armee in Lothringen im August 1914 vor, die vom Aargauer Militärpublizisten Eugen Bircher pointiert als «dynastische Luxusschlacht» charakterisiert wurden. Die zweite Fallstudie behandelt den deutsch-österreichischen Durchbruch bei Flitsch und Tolmein im Oktober 1917 (Caporetto). Auf der Ebene der Weimarer Innenpolitik wird die Rolle des Reichsarchivs in den Debatten um die Ursachen der deutschen Niederlage vorgestellt. Diese oszillierte in der ersten Hälfte der 1920er Jahre vor allem um das Schlagwort eines vermeintlichen «Dolchstosses» der Heimat in den Rücken des unbesiegten Heeres. Bei der Untersuchung der aussenpolitischen Auseinandersetzungen hat die Forschung bislang stark auf die vom Auswärtigen Amt monopolisierte Kriegsschuldforschung fokussiert. Als Ergänzung dazu sucht die Arbeit anhand des Themenkomplexes völkerrechtswidrige Kriegführung die teils zuarbeitende, teils eigenständige geschichtspolitische Rolle des Reichsarchivs heraus zu stellen.

 

Die Untersuchung berücksichtigt dabei im besonderen Masse die bislang kaum ausgewertete zeitgenˆssische Zeitschriftenpublizistik und baut auf neue Quellen aus den Beständen des Zentralarchivs der DDR und dem ehemaligen Sonderarchiv in Moskau auf. Die Arbeit ist inzwischen unter dem oben genannten Titel im Verlag Ferdinand Schöningh (Paderborn 2002) erschienen und wurde mit dem 2. Platz des «Werner-Hahlweg-Preises für Militärgeschichte und Wehrwissenschaft» ausgezeichnet.

Accesso al lavoro

Biblioteca

I lavori accademici sono depositati nella biblioteca dell'università competente. Cerca l'opera nel catalogo collettivo delle biblioteche svizzere