Unmittelbar nach dem Beginn des Kalten Krieges reagierten die amerikanischen Gewerkschaften American Federation of Labor (AFL) und Congress of Industrial Organizations (CIO) mit einer Containment-Politik auf den Versuch der Sowjetunion, die kommunistische Einflusssphäre auf dem europäischen Kontinent auszudehnen. Das Ziel der amerikanischen Dachverbände war es, durch den Transfer ihrer antikommunistischen und konsenskapitalistischen Werte hin zu den europäischen Gewerkschaftsbewegungen den Arbeiter gegenüber dem kommunistischen Einfluss zu immunisieren.
Diverse Studien untersuchten die Aktivitäten der AFL und des CIO auf dem europäischen Kontinent. Für den Fall der Schweiz existierte bis anhin keine wissenschaftliche Studie. Die Masterarbeit nimmt sich dieser Forschungslücke an und belegt durch eine fundierte Quellenanalyse, dass auch die Verbandsspitze des Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiterverbandes (SMUV) in Kontakt mit den US-Gewerkschaften stand. Auf die antikommunistische und wirtschaftsbejahende Einstellung des SMUV auf nationaler Ebene hatten diese Kontakte nur einen sehr bescheidenen Einfluss, da die Entscheidungsträger des SMUV bereits vor 1947 die Werte, welche die AFL und der CIO zu transferieren suchten, über weite Strecken verinnerlicht hatten. Trotzdem konnte der SMUV aufgrund der bilateralen und multilateralen Kontakte mit den US-Gewerkschaften in das westlich-amerikanische Netzwerk integriert werden. Dadurch wurde der antikommunistische und wirtschaftliche Aktionsradius des SMUV über die Grenzen der Eidgenossenschaft hinaus ausgedehnt.
Die Masterarbeit liefert erste Einblicke in den Austausch zwischen einer schweizerischen Gewerkschaft und den amerikanischen Dachverbänden und stellt entsprechende Einflüsse der antikommunistischen Situation in der Schweiz zwischen 1947 und 1959 gegenüber. Somit könnte diese Studie als Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen dienen, welche sich mit dem antikommunistischen Kampf der AFL und dem CIO in der Eidgenossenschaft auseinandersetzen.