Frauen gemeinsam sind stark!“ Engagement in der FBB Bern 1969-1980

Cognome dell'autore
Edith
Siegenthaler
Tipo di ricerca
Tesi di laurea
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Brigitte
Studer
Istituzione
Historisches Institut
Luogo
Bern
Anno
2007/2008
Abstract

1975 fand in Bern Gäbelbach ein Antikongress statt. Den Antikongress hatte die Frauenbefreiungsbewegung (FBB) in Zusammenarbeit mit anderen Gruppen der Neuen Frauenbewegung organisiert. Er war als Gegenveranstaltung zum Frauenkongress, der zum Internationalen Jahr der Frau stattfand und von einer Arbeitsgemeinschaft der Alten Frauenbewegung getragen wurde, konzipiert. Es ging darum, aufzuzeigen, dass der Frauenkongress die Probleme der Frauen nicht angemessen behandle und eine Veranstaltung von Privilegierten für Privilegierte sei. Kritisiert wurde insbesondere, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch nicht zu den Kongressthemen gehörte und der Kongress unter dem Motto „Partnerschaft“ stand. Dagegen fand der Antikongress unter dem Motto „Frauen gemeinsam sind stark“ statt und behandelte das Thema Schwangerschaftsabbruch an prominenter Stelle.

 

Mit dem Antikongress fand in Bern erstmals eine grössere Veranstaltung der Neuen Frauenbewegung statt. In der Lizentiatsarbeit wird diejenige Gruppe untersucht, welche diese nationale Veranstaltung bei sich beherbergte, die Frauenbefreiungsbewegung (FBB) Bern. Dabei wird sie in den Kontext der 68er Bewegung und der Neuen Frauenbewegung gestellt.

 

Um die Gruppierung genauer zu untersuchen, wurde die FBB Bern in einem ersten Teil von drei Seiten her beleuchtet: Erstens wurde eine chronologische Darstellung gemacht, zweitens eine thematische, welche näher auf die Themen und Ziele der FBB Bern einging und drittens wurde anhand theoretischer Überlegungen von Dieter Rucht und Joachim Raschke dargelegt, dass es sich bei der FBB Bern um eine neue soziale Bewegung handelt.

 

In einem zweiten Teil wurde das Engagement in der FBB Bern untersucht, und zwar auf zwei Ebenen. Einerseits interessierte die Form des Engagements, d.h. in welcher Form sich die Frauen in der FBB Bern engagierten und andererseits die Motivation für das Engagement. Bei der Darstellung der Formen des Engagements musste selektiv vorgegangen werden. Während der gut zehn Jahre zwischen 1969 und 1980 gab es in der FBB Bern sehr viele Untergruppen, welche unterschiedliche (Nah-)Ziele anstrebten und dies auch mit unterschiedlichen Mitteln taten. Um den verschiedenen Formen gerecht zu werden, wurden die Gruppen nach eben diesen Formen ihres Engagements aufgeteilt und darauf wurde von vier verschiedenen Formen je eine Gruppe ausgewählt, welche e xemplarisch in der Arbeit dargestellt wurde: Für die Selbsthilfegruppen, welche sich durch den Erfahrungsaustausch Wissen aneigneten, wurde die Informations- und Kontaktstelle für Frauen (INFRA) untersucht. Die politischen Gruppen, welche mit den Mitteln der institutionalisierten Politik ihre Ziele verfolgten, wurden anhand der Mutterschaftsschutzgruppe dargestellt,welche sich für die Mutterschaftsschutzinitiative einsetzte, die 1980 eingereicht wurde und eine Mutterschaftsversicherung forderte. Anhand der Theoriegruppe, aus der später die Radikalfeministinnen Bern-Fribourg-Biel hervorgingen, wurden Gruppen untersucht, die sich eine theoretische Grundlage für ihre feministischen Positionen erarbeiten wollten. Die Singgruppe wurde schliesslich stellvertretend für Gruppen zur Freizeitgestaltung betrachtet.

 

Neben dem Engagement in den einzelnen Gruppen, befasst sich die Lizentiatsarbeit auch mit gruppenübergreifenden und schweizweiten Aktivitäten. Was das Engagement auf schweizerischer Ebene betrifft, sind insbesondere die Organisation des Antikongresses und der Demonstrationen zum 8. März, dem Internationalen Tag der Frau, zu erwähnen, an welcher die FBB Bern beteiligt war. Als letzten Untersuchungsgegenstand wurde die Motivation für das Engagement betrachtet. Dabei stützte sich die Arbeit insbesondere auf mündliche Quellen, wozu sechs ehemalige Aktivistinnen der FBB Bern interviewt wurden. Als primäre Motivation konnte das Interesse für das Thema festgestellt werden. Des weiteren mussten sowohl auf der Seite der Aktivistinnen als auch auf der Seite der Bewegung gewisse Voraussetzungen gegeben sein, damit jemand aktiv wurde. Zu nennen wären beispielsweise persönliche Erfahrungen von Diskriminierungen oder ein bestimmtes soziales Milieu, welches dem Engagement grundsätzlich positiv gegenüber stand, aber auch die Möglichkeit sich ausschliesslich unter Frauen zu treffen und dabei keinen Zwängen einer hierarchisch geführten Gruppe zu unterliegen. Schliesslich können als letzte Art von Motivation die Belohnungen oder die positiven Nebeneffekte, welche das Engagement für die Engagierten hatte, genannt werden, wie das Erwerben von Wissen oder das Gefühl „Geschichte zu machen“.

Accesso al lavoro

Biblioteca

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