„Patientin nahm den Beschluss weinend entgegen“. Ausweisung und Heimschaffung psychisch kranker Deutscher aus den Kantonen Basel-Stadt und Zürich (1914–1945) (Arbeitstitel)

Cognome dell'autore
Sophie
Küsterling
Tipo di ricerca
Dottorato
Stato
laufend/en cours
Cognome del docente
Prof.
Patrick
Kury
Co-direttore
Prof. Christina Späti
Istituzione
Historisches Seminar
Luogo
Luzern
Anno
2025/2026
Abstract

Das Dissertationsprojekt behandelt Fälle von deutschen Staatsangehörigen, die in den Kantonen Basel-Stadt oder Zürich wohnten, aber wegen einer psychischen Krankheit zwischen 1914 und 1945 aus der Schweiz ausgewiesen und nach Deutschland heimgeschafft wurden.

Ziel der Arbeit ist es, den rechtlichen Handlungsrahmen der Heimschaffungen und Ausweisungen abzustecken und den Diskurs über psychisch kranke Ausländer:innen nachzuzeichnen. Zudem wird anhand von Fallbeispielen der Handlungsspielraum der Behörden, psychiatrischen Institutionen sowie der Betroffenen und ihren Angehörigen aufgezeigt sowie die Wirkungsmacht des besprochenen Diskurses verdeutlicht. Um die Grösse und Grenzen des Handlungsspielraums zu verdeutlichen, werden auch Fälle behandelt, bei denen die Heimschaffung/ Ausweisung nie in Betracht gezogen wurde oder verhindert werden konnte. Der Untersuchungszeitraum erlaubt, das behördliche Handeln während zwei Weltkriegen und der von Krisen gebeutelten und nationalistisch-protektionistischen Strömungen geprägten Zwischenkriegszeit zu vergleichen. Zudem kann eruiert werden, ob die Bundesbehörden angesichts ihres Wissens  über die NS-«Euthanasie» (Ermordung psychisch kranker sowie kognitiv oder körperlich beeinträchtigter Menschen von 1940 bis 1945) den Kantonen die Ausweisung psychisch kranker Deutscher untersagten oder nicht.

Da die Heimschaffung und Ausweisung psychisch kranker Ausländer:innen aus der Schweiz bislang kaum erforscht wurde, nimmt sich die Arbeit einer Forschungslücke an.  Zudem leistet sie einen wissenschaftlichen Beitrag zur Aufarbeitung des Verhaltens der Schweiz während des Nationalsozialismus und stellt eine Verbindung zwischen der Schweiz und NS-Opfern her.