Das Zeitalter der Aufklärung war von Fortschritts- und Rationalitätsverheißungen geprägt, die sich als höchst ambivalent herausgestellt haben. Zu den aufklärerischen Ideen, die als emanzipatorische Kritik antraten, aber ihrerseits gegen empirische Irritation immun waren, gehört die Vorstellung, die „Staatsmaschine“ könne als ein vollständig rationales, perfektes System konstruiert werden. Darin offenbart sich ein Verständnis von Rationalität, das an technischem Herstellen und mechanischer Kausalität orientiert ist. Der Vortrag skizziert dieses Denken an einem historischen Beispiel aus dem 18. Jahrhundert und zieht Parallelen zu dem gegenwärtigen Glauben der Techno-Optimisten an die Perfektionierbarkeit des Entscheidens durch so genannte Künstliche Intelligenz.
Prof. Barbara Stollberg-Rilinger lehrte von 1997 bis 2021 Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Münster, wo sie Sprecherin des SFB "Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme" und des Exzellenzclusters "Religion und Politik" war. Von 2018 bis 2026 leitete sie das Wissenschaftskolleg zu Berlin; seit 2026 gehört sie dem Kolleg als Permanent Fellow an. Ihr Hauptforschungsfeld ist die Kulturgeschichte des Politischen, der Rituale und Entscheidungsverfahren in Europa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Letzte Buchveröffentlichungen sind „Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit“ und "Tyrannen. Eine Geschichte von Caligula bis Putin". Derzeit arbeitet sie an einer Biographie des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. von Preußen.
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