Woher stammt unsere moderne Demokratie? Sie liegt am Schnittpunkt zweier sehr unterschiedlicher Entwicklungen: der in das hohe Mittelalter zurückreichenden Tradition politischer Teilhabe, die zwar im Kern pluralistisch, aber korporativ und äußerst elitär war; und dem sich im Laufe des Mittelalters und der Frühen Neuzeit herausbildenden Konzept individueller Gleichheit. Beide Entwicklungslinien konvergierten erstmals in der amerikanischen und der französischen Revolution und brachten so die ersten Formen moderner, repräsentativer Demokratie hervor. Ihre Konvergenz war allerdings nicht nur unerwartet und ungeplant: sie ist vielmehr bis heute fragil geblieben und keineswegs irriversibel.
Dr. Lars Behrisch lehrt politische Geschichte an der Universität Utrecht. Sein Interesse richtet sich auf die vergleichende europäische Geschichte der Frühen Neuzeit in ihren gesellschaftlichen und politischen, religiösen und diskursiven Dimensionen. In „Die Berechnung der Glückseligkeit. Statistik und Politik in Deutschland und Frankreich im späten Ancien Régime“ (Ostfildern 2016) spürte er den Anfängen quantitativer Weltwahrnehmung nach. Seine neueste Veröffentlichung, „Democracy’s Double Helix: Participation, Equality and Revolution in Early Modern Europe” (Cambridge 2025), erklärt die Entstehung der modernen Demokratie auf neuartige Weise.
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