Diese Masterarbeit untersucht die Rolle von Emotionen als zentrale politische Mobilisierungsressource im jurassischen Separatismus zwischen 1947 und 1964. Während die bestehende Historiografie den Jurakonflikt primär aus institutionellen, rechtlichen, ethnischen und sozioökonomischen Perspektiven analysiert hat, fehlt eine systematische emotionsgeschichtliche Betrachtung. Indem sie das Rassemblement Jurassien (RJ) als bewussten Emotionsakteur in den Mittelpunkt stellt, leistet diese Arbeit einen Beitrag zur Schliessung dieser Lücke. Durch die qualitative Analyse zentraler RJ-Quellen wie der Wochenzeitung Jura Libre, öffentlichen Reden und interner Protokolle wird aufgezeigt, auf welche Weise die Bewegung kollektive Emotionen gezielt konstruierte und für ihre politischen Ziele nutzte.
Im Rahmen der Analyse hat sich verdeutlicht, dass das RJ gezielt eine emotionale Infrastruktur sowie eine kollektive emotionale Orientierung aufgebaut hat. In der ersten Phase (1947–1950) wurden sowohl gegenüber sich selbst positive wie auch negative Emotionen gegenüber Bern genutzt, um eine distinkte Gemeinschaft zu konstituieren und diese scharf von Bern abzugrenzen. Nach der traumatischen Niederlage anlässlich der kantonalen Volksabstimmung von 1959 veränderte sich die separatistische Emotionspolitik merklich und operierte stärker als zuvor mit negativen Emotionen. Für die folgenden Jahre belegt die Arbeit, dass diese gezielte Evokation von aversiven Emotionen und die Dehumanisierung des politischen Gegners den Nährboden für die Radikalisierung des Konflikts schufen. Sie erklärt, wie die diskursive Gewalt der separatistischen Führung den Übergang zur physischen Gewalt durch die Untergrundorganisation Front de Libération Jurassien (FLJ) zwischen 1962 und 1964 ermöglichte und legitimierte. Die Schlussfolgerung lautet, dass Emotionen nicht bloss Begleiterscheinungen, sondern aktive Treiber waren, die den Jurakonflikt über Generationen hinweg festfuhren und die gewaltsame Eskalation als vermeintlich einzige Lösung erscheinen liessen.