Zwischen transnationaler Repression und Exilpolitik. Der Umgang der schweizerischen Sicherheitsbehörden mit dem jugoslawisch-kroatischen Konflikt (1960er bis frühe 1980er Jahre)

Cognome dell'autore
Mirjam
Fierz
Tipo di ricerca
Tesi di master
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Damir
Skenderovic
Istituzione
Departement für Zeitgeschichte
Luogo
Fribourg
Anno
2024/2025
Abstract

In den 1960er bis 1980er Jahre war die Schweiz – genauso wie andere Länder Europas, Australien und die USA – Schauplatz eines transnationalen Konflikts zwischen exilkroatischen Nationalist:innen und dem jugoslawischen Staat. Die international stark vernetzte exilkroatische Bewegung verfolgte das Ziel, die Teilrepublik Kroatien vom sozialistischen Jugoslawien zu einer unabhängigen Nation zu machen. Sie organisierten sich in kirchlichen und sportlichen Vereinen aber auch in radikalisierten, faschistischen und gewaltbereiten Gruppierungen. Dem separatistischen Ansinnen trat der jugoslawische Geheimdienst (UDBA) auch mit Gewalt gegen kroatischen Nationalismus im In- und Ausland vor. Die Schweizer Behörden bewegten sich in diesem Konflikt zwischen zwei konkurrierenden Sicherheitsansprüchen: dem Schutz vor exilkroatischer Gewalt einerseits und dem Umgang mit jugoslawischer Repression andererseits.

Anlass zur vorliegenden Untersuchung gab der Mord des Exilkroaten Stanko Nižić, der am 23. August 1983 im Hotel Kindli in Zürich mutmasslich von der UDBA mit einem gezielten Kopfschuss getötet wurde. Die vorliegende Arbeit untersucht auf der Basis von Quellen aus dem Bundesarchiv und einer Dispositivanalyse nach Michel Foucault, wie das EJPD und das EPD «Sicherheit» herzustellen versuchten. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass die schweizerischen Sicherheitsbehörden im jugoslawisch-kroatischen Konflikt keine neutrale Position einnahmen. So prägte der antikommunistische Diskurs des Kalten Kriegs insbesondere die Sicht des EJPDs auf die transnationale Repression von jugoslawischen Stellen, während es die Bedrohung von rechter exilkroatischer Organisation relativierte. Für die Bundespolizei als Informationsdienst und präventiv-polizeiliche Stelle diente Überwachung, Verwarnung und die Anhäufung von Wissen der Herstellung von Kontrolle über die Situation. Ihr Vorgehen basierte selten auf einer konkreten Wissensgrundlage und erscheint eher zufällig als systematisch. Das EPD auf der anderen Seite solidarisierte sich vornehmlich mit der jugoslawischen Seite, da sie in einer grassierenden exilkroatischen Bewegung – ob gewaltbereit oder friedlich – eine Gefährdung der diplomatischen Beziehungen sah.

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