Der Münzhortfund von Bubendorf

Cognome dell'autore
Leonard
Kiener
Tipo di ricerca
Tesi di master
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Stefan
Rebenich
Istituzione
Historisches Institut
Luogo
Bern
Anno
2023/2024
Abstract

Als der ehrenamtliche Späher der Kantonsarchäologie Baselland Daniel Lüdin im Jahr 2021 einen Waldrand nahe Bubendorf (BL) durchkämmte, stiess er auf einen Topf voller Münzen. Wie sich später herausstellte war das Gefäss mit 1’290 spätrömischen Bronzemünzen aus konstantinischer Zeit gefüllt, die allesamt aus den Jahren 317 – 335 u. Z. stammen. Das Kleingeld wurde in nur wenigen Jahren zusammengetragen und bald danach verborgen, da bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Münzen äusserst gut erhalten sind. Der Verbergungsgrund konnte von der Forschung bisher nicht mit konkreten historischen Ereignissen in Verbindung gebracht werden.

 

Ab den 260er Jahren u. Z. wurde die zivile Stadt Augusta Raurica sukzessive verlassen, und auch die Aktivität der verschiedenen in der Region verstreuten villae rusticae ging zurück, erlosch jedoch nicht gänzlich. Unter Diocletian (284 – 305 u. Z.) entstand zur Sicherung des Rheinübergangs ein Kastell, in dem auch die Zivilbevölkerung siedelte. Die Regierungszeit von Konstantin dem Grossen (306 – 337 u. Z.) gilt für das Gebiet der heutigen Schweiz traditionell als ruhig und war von einer gewissen Stabilität geprägt. Die Usurpation von Magnentius gegen Constans führte jedoch dazu, dass es ab 350 u. Z. auf dem Gebiet der heutigen Schweiz zu Einfällen der Alamannen kam. Der Hort von Bubendorf kann folglich keinem bekannten „Katastrophenhorizont“ zugeordnet werden. Horte mit einem zeitlichen Endpunkt um das Jahr 335 u. Z. sind zudem äusserst selten, weshalb der Fund von Schweizer Medien als „Jackpot“ gefeiert wurde und auch international Aufmerksamkeit erhielt.

 

Es stellt sich deshalb die Frage, weshalb die Münzen verborgen wurden und wie der Fund aus Bubendorf im Vergleich zu anderen Münzhorten mit einer ähnlichen Zeitstellung zusammengesetzt ist. Die Auswertung von Horten bietet neben der Analyse von Streufunden die Möglichkeit, die ökonomischen Funktionen wie auch den Umlauf von Münzen zeitlich und räumlich zu rekonstruieren. Münzen waren nicht überall und gleichzeitig verfügbar.

 

Die numismatische Evidenz wird in der vorliegenden Masterarbeit, die die erste umfassende Auswertung des Hortes von Bubendorf bietet, um literarische Quellen ergänzt, wodurch der Hort in seinen sozio-ökonomischen Kontext eingegliedert wird. Zusätzlich wird für die quantitative Auswertung auf Hilfsmittel aus den Digital Humanities zurückgegriffen, die nicht nur eine vereinfachte quantitative und vergleichende Analyse ermöglichen, sondern auch der didaktischen Vermittlung der Ergebnisse dienen.

 

Aus numismatischer Perspektive war die erste Hälfte des 4. Jh. u. Z. weder ruhig noch stabil und von zahlreichen Münzreformen geprägt. Das Gewicht der Bronzemünzen hat sich zwischen318 und 335 u. Z. halbiert und auch der Silbergehalt wurde drastisch reduziert. Diese Entwicklung hatte einen grundsätzlichen Vertrauensverlust in die Bronzenominale zur Folge. Goldmünzen übten in dieser Periode einen immer grösseren Einfluss auf die wirtschaftlichen Vorgänge aus, wobei sich auch gesellschaftliche Umwälzungen fassen lassen, da eine neue Führungsschicht entstand, die ihre Vorrangstellung aus der auf Gold basierenden Geldwirtschaft zog. Die Bronzenominale verfielen dadurch immer stärker, waren aber in hohen Mengen vonnöten. In der Folge kam es zur massenhaften Produktion von lokal hergestellten Imitationen (Fälschungen), um den Geldbedarf zu decken, da die Münzversorgung in vielen Regionen nicht mehr gewährleistet war.

 

Der Hort von Bubendorf beinhaltet ausschliesslich Bronzemünzen, die allesamt dem Nominal AE3 angehören. Die Kaufkraft der im Hort verborgenen Münzen war also trotz der grossen Menge an Kleingeld insgesamt gering. Es konnte jedoch nur eine einzige Imitation nachgewiesen werden. Der Vergleich mit den Fundmünzen aus Augst/Kaiseraugst und Vindonissa hat zudem aufgezeigt, dass sich die Zusammensetzung der Münzstätten zuweilen stark unterscheidet und die Münzen somit nicht dem regionalen Umlauf entnommen worden sind. Weiter sind im Hort von Bubendorf die Münztypen der Jahre 320 bis 330 u. Z. im Vergleich zum regionalen Umlauf überrepräsentiert.

 

Beim Hort von Bubendorf handelt es sich deshalb wahrscheinlich um Münzthesaurierungen. Ältere und weniger entwertete Münzen mit einem höheren Silbergehalt wurden aufgrund ihres Materialwertes dem Umlauf entzogen und thesauriert. Die Münzen des Hortes unterliegen somit einer starken Selektion, worauf auch die geringe Menge von minderwertigen Imitationen hindeutet. Die wenigen Vergleichshorte mit einer ähnlichen Zeitstellung (v.a. Nodebais, Wenvoe und Neuß) stützen diese Interpretation. Die Zusammensetzung des Hortes von Bubendorf zeigt somit auf, wie sich wirtschafts- und finanzpolitische Entwicklungen mit sozio-ökonomischen Prozessen im 4 Jh. u. Z. auf lokaler Ebene miteinander verflochten.

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