Komfortable Abenteuer. Safarireisen nach Ostafrika und ihre Repräsentationen in der Schweiz, 1956-1975

Cognome dell'autore
Lea Alicia
Galizia
Tipo di ricerca
Tesi di master
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Silvia
Berger Ziauddin
Istituzione
Historisches Institut
Luogo
Bern
Anno
2022/2023
Abstract

Die Masterarbeit Komfortable Abenteuer beschäftigt sich mit Safari-Reisen von Schweizer:innen nach Ostafrika zwischen 1956 und 1975: Eine Zeit, in der sich einerseits in Westeuropa der (Fern-)Tourismus von einer Luxustätigkeit zu einer Möglichkeit für eine breite Gesellschaftsschicht wandelte, andererseits in vielen Ländern Afrikas, insbesondere auch in den Fokusländern Kenia und Tansania, sich Dekolonisierungsprozesse verstärkten und anschliessend zur Unabhängigkeit führten. Das Erkenntnisinteresse liegt bei der Repräsentation dieser Reisen in der Schweiz in Werbematerial und in Medienerzeugnissen. Wie stellen die Verfasser:innen das ihnen Fremde – lokale Bevölkerung, Tiere, Landschaft – dar? Dann: Welche Positionen nehmen sie dabei gegenüber den Betrachteten aber auch gegenüber ihrer Leser:innenschaft ein?

 

Quellengrundlage für die Analyse sind Prospekte und Ausgaben der Zeitschrift Reise-Mosaik der Firma Kuoni – die erste Anbieterin von Ostafrikareisen in der Schweiz ab 1951 – sowie drei in populären Druckerzeugnissen publizierte Reiseberichte: „Afrika. Eine Nord-Süd-Traversierung‟ von Otto Lehmann und Emil Schulthess, Du, 1957; „Tagebuchblätter aus Ostafrika‟ des damaligen Direktors des Basler Zoos, Ernst M. Lang, Die Ernte. Schweizerisches Jahrbuch, 1960; sowie „Zolli-Wärter auf Safari in Ostafrika‟ von Paul Steinemann, Zolli-Bulletin, 1966. Der Arbeit liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Schweiz auch ohne den direkten Besitz von Kolonien stark kolonial verstrickt war (und ist). Sie versteht sich als Teil einer postkolonialen historischen Forschung, der Fokus liegt im Bereich der von Edward Said geprägten und von vielen – für Afrika grundlegend etwa von Valentin Y. Mudimbe – weitergeführten Repräsentationskritik. Weitere theoretische und analytische Bezugspunkte sind die Arbeiten zu Reiseberichten von Johannes Fabian und Mary Louise Pratt, die Forschungen zu „Othering‟ und Spektakel ausgehend von Stuart Hall und mit spezifischem Blick auf die Schweiz insbesondere auch Patricia Purtschert, zu kolonial geprägten Positionierungen und Blickregimen Timothy Mitchells Welt als Ausstellung. Im verknüpften Betrachten von Kolonialismus und Tourismus wichtig sind weiter John Urrys Tourist Gaze, Robert Schäfers Tourismus und Authentizität sowie Jutta Bertrams Forschung über Wahrnehmungsmuster im Ferntourismus.

 

Die beiden Gruppen – Werbung und Reiseberichte – werden einzeln analysiert, aber nicht getrennt voneinander verstanden, sondern als Teil eines populären Wissensarchivs über (Ost-)Afrika begriffen,dassieebensoanzapfenwieselbstspeisen. In allen behandelten Quellen ist eine starke Objektifizierung und Stereotypisierung der lokalen Bevölkerung festzustellen. Wiederkehrende Figuren sind Personen, auf deren Arbeit die Reisenden für einen reibungslosen Ablauf angewiesen sind – Chauffeure, Strassenarbeiter, Hotelangestellte – und die stets herablassend beschrieben werden. Verstärkt wird diese Haltung durch das konstante Anfügen des Attributs „schwarz‟; exemplarisch für diese Begegnungen steht die Figur des „schwarzen Chauffeurs‟. Eine weitere wichtige „Begegnung‟ ist jene mit Vertreter:innen der Massai – diese werden eher als eine mit der Landschaft verschmolzene Sehenswürdigkeit wahrgenommen denn als eigenständige Akteur:innen.

 

Das Land wird entsprechend als „wild‟ und „ursprünglich‟ beschrieben, als Gegenstück zur als westlich verstandenen Zivilisation. Damit ordnen sich die Autor:innen in eine Tradition westlichen Erzählens über (Ost-)Afrika ein, in dem der Kontinent als rückständiger – aber dennoch – Sehnsuchtsort festgemacht wird. Wie stark die hier untersuchten Quellen mit dieser Tradition in Verbindung stehen, zeigt sich auch an der Distanz, die die Autor:innen gegenüber bereisten Landschaft einnehmen: Sie stellen sich auf abgehobene Beobachtungsposten und ordnen das Gesehene scheinbar mühelos in ein ihnen bekanntes Bezugssystem ein. Gleichzeitig begreifen es als eine Form von Ausstellung – damit weisen die Texte eine frappierende Ähnlichkeit mit Reise- und Expeditionsberichten aus dem 19. Jahrhundert auf. Bei der Werbung spielt in diesem Zusammenhang die Fotografie eine wichtige Rolle: Das Versprechen an die Kund:innen, von der Reise spezifisches Bildmaterial nach Hause nehmen zu können, setzt Ostafrika als unveränderlichen Ort des planbaren Abenteuers. Inhärent ist diesem Abenteuer die Vorstellung, dort sein zu können, ohne teilzuhaben oder wahrgenommen zu werden. Die Verfasser der Reiseberichte ebenso wie die Tourist:innen „verschwinden‟ damit sozusagen in der Landschaft.

 

Das Abenteuer, von Reiseberichten seit Jahrhunderten beschrieben und romantisiert, wird von Kuoni ebenso angepriesen; allerdings in Gleichzeitigkeit mit dem Versprechen einer komfortablen Reise. Der Veränderung durch den Tourismus sind sich die Autor:innen bewusst. Was in den Reiseberichten eher ambivalent aufgefasst wird, wird in der Werbung zum Verkaufsargument gemacht: „Noch‟ sei Afrika so, es gilt, es „noch‟ so zu erleben. Kuoni inszeniert sich dabei als „Pionierin‟ des Ostafrika-Tourismus. Auch hier ordnet sich das Unternehmen sprachlich wie ideell in die koloniale Erschliessung Afrikas ein.

Accesso al lavoro

Biblioteca

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