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Panelbericht: Lokale Themen global diskutieren. Vom Wandel der historischen Fachkommunikation

Autor / Autorin des Berichts: 
Pascal Föhr, Universität Basel



Citation: Pascal Föhr, Universität Basel : « Panelbericht: Lokale Themen global diskutieren. Vom Wandel der historischen Fachkommunikation », infoclio.ch comptes rendus, 09.02.2013. En ligne: <https://www.doi.org/>, consulté le 26.10.2021.
Zitierweise: Föhr, Pascal: Panelbericht: Lokale Themen global diskutieren. Vom Wandel der historischen Fachkommunikation, infoclio.ch Tagungsberichte, 2013. Online: infoclio.ch, <http://dx.doi.org/10.13098/infoclio.ch-tb-0053>, Stand:


Verantwortung: Jan Hodel / Elias Kreyenbühl / Peter Haber
Referentinnen: Wenke Bönisch / Frédéric Clavert / Mills Kelly / Mareike König

Twitter: #globlok (Panel) #SGT13 (Konferenz)

Das Panel wurde durch ELIAS KREYENBÜHL eröffnet, welcher zusammen mit JAN HODEL die Moderation übernahm. PETER HABER und MILLS KELLY waren entschuldigt.

Jan Hodel hielt das erste Referat des Panels zum Thema 'Vom Wandel der historischen Fachkommunikation'. In der vordigitalen Zeit (analog) verwendeten die Wissenschaftler gedruckte Publikationen, welche in Bibliotheken oder Archiven zugänglich waren. Eine starke intermediäre Vorsortierung und –selektion, eingebunden in eine klar definierte Struktur erleichterte dem Forschenden die Arbeit. In der digitalen Welt hat die intermediäre Funktion abgenommen und es bildete sich eine zusätzliche Ebene, die einen schnellen (digitalen) Austausch möglich macht. Jedoch ist diese Ebene komplex: Wo analog relativ einfache Zugriffsmöglichkeiten bestehen, ist die Auswahl im Digitalen schwierig – der Suchende gerät in einen kognitiven overload. Jan Hodel präsentierte Ansätze von neuen Modellen digitaler Fachkommunikation: curated (Bsp. hypotheses.org), crowdsourced (Bsp. Hashtags) und computed (Bsp. Searchengines). Zum Schluss stellte er die Fragen nach Struktur, Ordnung und Macht – Wer stellt diese her und verwaltet sie?

Zum Thema 'Lokale, nationale und globale Kulturen des Bloggens. Das Beispiel hypotheses.org' referierte MAREIKE KÖNIG. Eine Studie aus 2010/11 stellte fest, dass nur rund 8% der Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum Blogs schreiben und benutzen. In Frankreich oder im anglikanischen Raum ist der Protzentsatz weit höher, weil die Infrastrukturen bereits bestehen. Mit de.hypotheses.org (Hauptportal: hypotheses.org mit weiteren sprachspezifischen Unterportalen) sind diese nun auch für den deutschsprachigen Raum vorhanden. Der thematische Blogkatalog erleichtert den Einstieg in den digitalen Informationsraum, der sich mehr und mehr professionalisiert und ausdifferenziert. Die Blogplattform befriedigt ein Bedürfnis nach direkter, vernetzter, schneller Kommunikation und schafft ein Werkzeug der wissenschaftlichen Information, was die steigenden Nutzerzahlen bestätigen. Zudem fördert das Bloggen die Vernetzung der Wissenschaftler untereinander und schafft Resonanz über die Wissenschaftsgemeinschaft hinaus.

Mills Kelly präsentierte in seinem Videobeitrag die Plattform 'Global Perspectives on Digital History' (GPDH). Diese webbasierte und multilinguale Publikation übernimmt Beiträge aus verschiedenen Blogs und Plattformen und publiziert redaktionell ausgesuchte Beiträge auf der Frontseite. Mills Kelly stellt die Herausforderungen an eine solche Plattform vor: Technisch ist die Einbindung und Publikation von externen Inhalten nicht trivial und zeitlich gestaltet sich die Koordination über alle Zeitzonen hinweg schwierig. Ein weiteres Problem sind Übersetzungen, die zurzeit mit google-translate automatisiert zur Verfügung stehen. Jedoch gehen dadurch viele Informationen des Ursprungstextes verloren. Ein nicht vorgesehener Faktor ist die unterschiedliche Schreibkultur: Die längsten und umfangreichsten Beiträge kommen aus dem anglikanischen Raum, die kürzeren und konziseren Artikel aus dem frankophonen und deutschsprachigen. Mills Kelly kam zum Schluss, dass es einfacher wäre ein analoges Journal zu führen, aber die steigenden Nutzerzahlen spornen ihn und sein Team weiter an.

In der Diskussion über die ersten drei Beiträge wies Mareike König darauf hin, dass hypotheses.org keine Sprachgrenzen überbrücken, sondern mit einem einheitlichen Kategoriensystem das Auffinden der verschiedenen Blogs unterstützen helfen soll. Zur Frage, wie sich das Spannungsfeld zwischen digitaler und analoger Publikation entwickeln wird, meinte Jan Hodel, dass GPDH nur fokussieren will und Mareike König, dass Blogs Print nicht ersetzen, sondern einen schnellen und weltweiten Austausch generieren wollen. Sie wies zudem darauf hin, dass 'Blog' schwer zu definieren sei, weil es sich durch viele Freiheiten in Stil, Sprache, Länge, Publikationsfrequenz etc. auszeichnet. Zum netzkritischen FAZ-Artikel von Valentin Groebner[1] meinte Mareike König, dass Blogs ein Kommunikationsmittel sein können, um zum Beispiel Forschungsprojekte direkt, offen und schnell zu dokumentieren. Der Blog wäre damit ein Legitimationsmittel gegenüber Geldgebern oder der Öffentlichkeit.

Die online zugeschaltete WENKE BÖNISCH veranschaulichte im Referat 'Global im Social Web – lokal vor Ort vernetzen? Chancen und Grenzen des virtuellen Netzwerkens für Historiker' die Veränderungen in der Wissenschaft durch den Einsatz von Social Web Angeboten (Twitter, flikr, Facebook, Xing, …), die von immer mehr Wissenschaftlern tagtäglich genutzt werden. Die Informationsvermittlung ist wesentlich betroffen: Die physische Anwesenheit ist nicht mehr nötig, es wird nun auf verschiedenen Plattformen partizipiert. Das Beispiel der Tagung 'Weblogs in den Geisteswissenschaften'.[2] veranschaulicht dies: Diskussionen auf verschiedenen Plattformen im Vorfeld der Tagung, was für Referenten interessant war und zur Vermarktung der Veranstaltung beitrug. Während der Tagung wurde viel getwittert und damit konnten auch nicht anwesende interessierte Personen die Geschehnisse mit verfolgen und partizipieren. Nach der Tagung erfolgte die Nachbearbeitung im Redaktionsblog, ein Twitterarchiv wurde erstellt, die Referate wurden online publiziert und eine Nachdiskussion auf verschiedenen Plattformen erfolgte.
Wenke Bönisch sieht folgende Chancen des virtuellen Netzwerkes: Orts- und zeitunabhängiges Kommunizieren, Diskussionsanregungen, schnelles Vernetzen mit Fachkollegen ausserhalb des eigenen Forschungsbereiches, einfache Bewerbung von Veranstaltungen und gute Anknüpfungspunkte bei realen Treffen. Demgegenüber stehen zwei hauptsächliche Barrieren virtueller Kommunikation: die Sprache und das Forschungsgebiet (fehlende Anknüpfungspunkte). Wenke Bönisch meinte, dass mit Hilfe des Social Webs viel mehr Inputs für die eigene Forschungsarbeit generiert werden können und dass die eigene Wissenschaftspersönlichkeit an Profil gewinnt, je mehr er oder sie sich im virtuellen Raum bewegt

FRÉDÉRIC CLAVERT knüpfte in seinem Referat 'Blogs et réseauxsociaux: des conférences scientifiques ubiquitaires?' mit einem weiteren Beispiel an Wenke Bönischs Präsentation an. An der Tagung 'Digital Humanities Luxembourg 2012' wurden die Diskussionen auf mehreren Ebenen geführt: Einerseits durch den Tagungsaufbau (THATCamp im Anschluss) und die damit entstehenden persönlichen Kontakte, andererseits im virtuellen Raum (Twitter, E-Mail) durch die gleichzeitige Nutzung von portablen Kommunikationsmitteln. Damit wurden nicht nur die Teilnehmer eingebunden, sondern auch Aussenstehende, welche nicht anwesend waren. Fragen und Diskussionsanregungen konnten eingebracht werden, welche sonst nicht behandelt worden wären. Jedoch waren einige Anwesende im Umgang mit diesen Medien nicht geübt, der oft gehörte Spruch 'I'm just a historian' wurde teilweise als Ausrede benutzt, weshalb man nicht im virtuellen Raum präsent ist. Für Frédéric Clavert besteht der Nutzen der Social Media als Community: Reflexive Räume entstehen, welche räumliche und zeitliche Grenzen überschreiten.

Die Diskussion wurde aus Zeitgründen in den virtuellen Raum verlegt.

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[1] Groebner, Valentin: “Muss ich das lesen? Ja, das hier schon. Wissenschaftliches Publizieren im Netz und in der Überproduktionskrise”, FAZ 6. Februar 2013, Seite N 5 (nicht kostenfrei online).
[2] Tagungsbericht Weblogs in den Geisteswissenschaften oder: Vom Entstehen einer neuen Forschungskultur. 09.03.2012, München, in: H-Soz-u-Kult, 05.04.2012, .


Panelübersicht:

Mills Kelly: The Sometimes Difficult Marriage of Virtual Cultures

Mareike König: Lokale, nationale und globale Kulturen des Bloggens. Das Beispiel hypotheses.org

Frédéric Clavert: Blogs et réseaux sociaux : des conférences scientifiques ubiquitaires ?

Wenke Bönisch: Global im Social Web - lokal vor Ort vernetzen? Chancen und Grenzen des virtuellen Netzwerkens für Historiker

Manifestazione: 
3. Schweizerische Geschichtstage 2013
Organizzato da: 
Departement für Historische Wissenschaften der Universität Freiburg / Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG)
Data della manifestazione: 
08.02.2013
Luogo: 
Fribourg
Report type: 
Conference