Ihr sollt den Fremdling lieben! Paul Vogt der Flüchtlingspfarrer - humanitäre Flüchtlingshilfe im Zweiten Weltkrieg

Cognome dell'autore
Michal
Gertsch
Tipo di ricerca
Tesi di master
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Siegfried
Weichlein
Istituzione
Seminar für Zeitgeschichte
Luogo
Fribourg
Anno
2013/2014
Abstract
Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 nahm die amtliche Einführung der nationalsozialistischen Rassenideologie in Deutschland ihren Lauf. In Folge der Aberkennung der Grundrechte, der Enteignung und der gezielten Vernichtungspolitik flüchteten viele Juden in die neutrale Schweiz. Das Hauptengagement der Protestantischen Kirchen bestand im Zweiten Weltkrieg darin, sich sowohl materiell als auch seelsorgerisch um die Asylsuchenden zu kümmern. Mit der Gründung zahlreicher Hilfswerke kamen sie dieser Aufgabe nach. So wurde Paul Vogt am 5. Juni 1943 in das Zürcher Flüchtlingspfarramt eingesetzt. Sein Engagement für die Flüchtlinge begann jedoch lange vorher. Ziel dieser Arbeit ist es, den Blick von dem in der Forschung bereits mehrfach untersuchten wirtschaftlichen und politischen Aspekt abzuwenden und den humanitären in den Vordergrund zu rücken. Dabei beabsichtige ich, die Haltung der Protestantischen Kirche als humanitäre Institution zum Schicksal der Juden während des Zweiten Weltkrieges zu analysieren. Am Beispiel des protestantischen Pfarrers, Paul Vogt, soll diese Haltung verdeutlicht werden. Dabei beschränke ich mich auf die Jahre zwischen 1933 und 1945. Konkret geht es letztlich um die Frage, wie die Protestantische Kirche den göttlichen Auftrag der „Nächstenliebe“ im Zweiten Weltkrieg umsetzte. Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass die Protestantische Kirche im Zweiten Weltkrieg keine einheitliche Haltung vertrat. Während die einen darauf bedacht waren, ihr „Wächteramt“ wahrzunehmen und sich für die jüdischen Flüchtlinge einzusetzen, entschieden andere, sich nicht in die Flüchtlingspolitik einzumischen. Paul Vogt bewies mit seinem unermüdlichen Engagement für die Juden zweifellos, dass er zu den Vertretern der Ersteren Auffassung zählte. Denn für Vogt stand fest, dass er nicht nur Prediger, sondern auch Täter des Wortes sein wollte. Entsprechend verkörperte er mit seiner Arbeit im Flüchtlingspfarramt das mustergültige Beispiel eines Pfarrers, der stets bemüht war, den göttlichen Auftrag der „Nächstenliebe“ konsequent umzusetzen – mit Liebe und nicht mit Vorliebe. Mit dieser Haltung zu den jüdischen Flüchtlingen stand er im Protestantismus bis 1942 jedoch nahezu alleine da.

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