Im Zug zum Flug – Verkehrsmittel zwischen Ergänzung und Konkurrenz: die Flughafenzufahrten Zürich und Genf

Cognome dell'autore
Yanick
Zahnd
Tipo di ricerca
Tesi di master
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Christian
Rohr
Istituzione
Historisches Institut
Luogo
Bern
Anno
2019/2020
Abstract

„Nächster Halt, Zürich Flughafen“ und „prochain arrêt, Genève Aéroport“ sind Ankündigungen im Zug, die sehr vielen bekannt vorkommen dürften. Der Zug als Verkehrsmittel für die Anund Abreise zum respektive vom Flughafen Zürich oder Genf ist heutzutage nichts Besonderes. In der Mitte des 20. Jahrhunderts stellte eine direkte Anbindung der Flughäfen Zürich und Genf allerdings noch reines Wunschdenken dar.

Diese Arbeit, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung SBB Historic in Windisch entstand, beschäftigt sich damit, wie die Flughäfen Zürich und Genf an das Schienennetz der SBB angebunden wurden und wie aus dem einstigen Wunschdenken Realität wurde. Die zentrale Fragestellung der Arbeit zielt darauf ab zu untersuchen, ob die Flughafenlinien als Konkurrenz oder als Ergänzung zum Flughafenbetrieb angesehen wurden. Um diese Frage im Rahmen der vorliegenden vergleichenden Fallstudie zu beantworten, werden in einem ersten Schritt die Flughafenlinien Zürich und Genf getrennt betrachtet, um sie in einem zweiten Schritt miteinander zu vergleichen, sodass Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Flughafenlinien herausgearbeitet werden können.

Die eingesetzten Quellen für diese Masterarbeit sind von vielfältiger Natur. Anhand von zahlreichen Projektberichten, Studien, offiziellen Schreiben zwischen den zuständigen Abteilungen seitens der SBB und den Kantonen Zürich und Genf sowie mittels Bundesratsbotschaften und Bundesbeschlüssen wird aufgezeigt, wie die beiden Flughafenlinien geplant, gebaut und eröffnet wurden und welche Erwartungen und Hoffnungen mit den Flughafenanschlüssen in Zürich und Genf verbunden waren.

Obwohl es sowohl in Zürich seit den 1940er Jahren und in Genf seit den späten 1950er Jahren Bestrebungen gab, die zwei bereits damals grössten Schweizer Flughäfen an das Schienennetz der SBB anzubinden, dauerte es bis in die 1970er Jahre (Zürich) respektive 1980er Jahre (Genf), bis die Flughafenlinien realisiert wurden. Die Eröffnungen der Bahnanschlüsse in Zürich am 29. Mai 1980 und Genf am 25. Mai 1987 markierten in der Geschichte der Schweizer Zivilluftfahrtsund Eisenbahngeschichte zwei äusserst wichtige Meilensteine: Noch nie waren sich Zug und Flugzeug so nah. Diese enge Verbindung wurde nicht nur mit Plakaten und Broschüren beworben, sondern auch mit der Einführung einer weltweiten Premiere – dem sogenannten Fly-Gepäck. Bei diesem neuartigen Gepäcktransportkonzept, das weltweit erstmals in Zürich nach der Eröffnung der Flughafenlinie 1980 zum Einsatz kam, ging es darum, dass Reisende – in erster Linie zielte dieses Konzept auf Touristen ab – ihr Gepäck an ausgewählten Bahnhöfen in der Schweiz aufgeben konnten und erst am Zielflughafen wieder in Empfang nahmen. Der Transport sowie das Einchecken des Gepäcks am Flughafen wurde von den SBB und der Swissair übernommen.

Die Nachforschungen zu den Flughafenlinien Zürich und Genf haben ergeben, dass die Politik eine grosse Rolle bei der Realisierung der Bahnanschlüsse spielte. Sowohl in Zürich wie auch in Genf beteiligten sich der Bund sowie der Kanton zu 40% an den Baukosten, während die SBB für die restlichen 60% der Baukosten der Flughafenanschlüsse aufkamen. Ohne die Unterstützung seitens der Politik und der öffentlichen Hand wäre es nicht möglich gewesen, dass die beiden Flughafenlinien Zürich und Genf nach jahrzehntelanger Planung schliesslich innerhalb von fünf Jahren realisiert wurden.

Um den Blick auf den Untersuchungsgegenstand auszuweiten, wurde im Rahmen eines Exkurses die Anbindung des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg sowie der Flughäfen Bern-Belp, München und Wien-Schwechat an das öffentliche Nah- und Fernverkehrsnetz untersucht. Dabei konnte herausgearbeitet werden, dass die Qualität der Flughafenanbindungen vor allem von zwei Faktoren abhängig ist: einerseits von der Grösse des Flughafens, andererseits von der Unterstützung durch die Politik.

Die Anbindung der beiden Flughäfen an das Schienennetz der SBB eröffnete sowohl für die Fluggesellschaften wie auch für die SBB neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Sie wurde unter anderem mit dem Fly-Gepäck-Konzept in Angriff genommen; dieses läuft auch heute noch – und wird ständig ausgebaut. So bieten die SBB heutzutage den sogenannten Flugzug an, der die Fluggäste von Genf, Basel SBB oder Lugano an den Flughafen Zürich bringt. Dabei ist der Preis für den Zug bereits im Preis des Flugtickets inbegriffen.

Somit kann als Fazit dieser Arbeit festgehalten werden, dass die Flughafenlinien Zürich und Genf zu keinem Zeitpunkt eine Konkurrenz für den Flughafenbetrieb darstellten. Ganz im Gegenteil: Sie waren der Beginn einer jahrzehntelangen Kooperation zwischen Flugzeug und Bahn, die bis heute anhält.

Accesso al lavoro

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