In ihrem Buch «Disziplinierende Demokratie» untersucht Judith Kälin die Rechtspraxis von Anstaltseinweisungen, die durch kantonale Armen-, Fürsorge- und Gesundheitsgesetze sowie das Vormundschaftsrecht legitimiert worden sind. Diese Einweisungen ermöglichten zeitlich unbegrenzte Freiheitsentzüge ohne strafrechtliche Verurteilung. Die Studie zeigt anhand von Fallverläufen administrativer Einweisungen in Arbeitsanstalten einer Zuger Gemeinde in den Jahren 1940 bis 1985, dass diese Praxis nicht im Widerspruch zum demokratischen Selbstverständnis stand, sondern bis weit in die 1980er-Jahre von diesem getragen wurde.
Markus Furrer (Luzern/Fribourg) gibt in seiner Rezension einen Überblick über die Inhalte und die zentralen Thesen des Buchs. Die Studie zeige auf, wie Vorstellungen von Demokratie im schweizerischen politischen System und Entscheidungen über administrative Freiheitsentzüge zusammenhängen und wie spezifische Menschengruppen darunter gelitten haben. Er führt im Weiteren aus, wie Judith Kälin angebliche Zäsuren, Periodisierungen und modernisierungstheoretische Narrative hinterfragt und widerlegt.
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Furrer, Markus: Rezension zu: Kälin, Judith: Disziplinierende Demokratie. Die Rechtspraxis der administrativen Freiheitsentzüge im Kanton Zug 1940–1985, Zürich 2025, in: infoclio.ch, 06.01.2026, <https://www.infoclio.ch/de/rez?rid=157120>.