Glaube und Gewaltfreiheit. "Religiöse Ethik" im Spannungsfeld von Säkularität und politischer Motivation

AutorIn Name
Leonor
Diggelmann
Art der Arbeit
Masterarbeit
Stand
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Siegfried
Weichlein
Institution
Seminar für Zeitgeschichte
Ort
Fribourg
Jahr
2024/2025
Abstract

Die Masterarbeit mit dem Titel Glaube und Gewaltfreiheit; «Religiöse Ethik» im Spannungsfeld von Säkularität und politischer Motivation untersucht die radikal pazifistische Haltung der Schweizer Mennonit:innen. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, wie sich die theologisch begründete Gewaltfreiheit der Mennonit:innen in den europäischen Konflikten der 1990er Jahre – während des Zweiten Golfkrieges (1990–1991) und der Jugoslawienkriege (1991–1999) – manifestierte und wie sich ihre Friedensethik im Vergleich zu anderen christlichen Kirchenfamilien in Europa unterscheidet. Dabei wird das Konzept einer bedingungslosen moralischen Haltung auf mögliche Grenzen hin untersucht.

 

Die Arbeit stützt sich auf eine Quellenanalyse und kombiniert historiographische und religionsphilosophische Methoden. Primäre Quellenbasis sind unveröffentlichte Dokumente aus dem mennonitischen Archiv auf dem Jeanguisboden, insbesondere Artikel aus dem Magazin Perspektive, das als ein zentrales Sprachrohr der Schweizer Mennonit:innen diente und unter anderem die allgemeine Friedenshaltung, die aktive Friedensarbeit und die ethische Positionierung der Gemeinschaft thematisieren.

 

Methodisch kombiniert die Arbeit eine diskursanalytische Untersuchung der öffentlichen Stellungnahmen mit einer hermeneutischen Interpretation der theologischen und ethischen Argumentationen. Die Artikel aus Perspektive werden sowohl auf ihre inhaltliche Aussage als auch auf ihre rhetorische Struktur hin analysiert, um zu verstehen, wie die Mennonit:innen ihre pazifistische Haltung öffentlich kommunizierten und legitimierten. Im Fokus stehen dabei die folgenden Fragen:

  • Inwiefern unterscheiden sich die Stellungnahmen der Mennonit:innen von denen anderer europäischer Kirchenfamilien, insbesondere der katholischen und reformierten Kirche?
  • Wie reagierten die Schweizer Mennonit:innen auf die militärische Führung der USA während des Golfkrieges und auf die NATO-Intervention im Kosovo?
  • Welche theologischen und ethischen Überzeugungen prägten ihr Engagement oder Nicht- Engagement in den Konflikten?
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Die Quellen zeigen, dass die radikale Gewaltfreiheit der Schweizer Mennonit:innen tief in einer religiösen Ethik verwurzelt ist, die sich an den Prinzipien der Feindesliebe und des Gewaltverzichts aus der Bergpredigt orientiert. Diese Haltung wurde jedoch durch geopolitische Realitäten und die ethischen Dilemmata der 1990er Jahre herausgefordert.

 

Durch den Vergleich mit den Positionen anderer christlicher Kirchen wird deutlich, dass die mennonitische Friedensethik eine spezifische moralische Bedingungslosigkeit aufweist, die in ihrer Radikalität einzigartig zu sein scheint, jedoch auch zu Spannungen innerhalb der Gemeinschaft führte und oft vage, respektive sehr allgemein, bleibt.

 

Die Arbeit setzt sich kritisch mit den ethischen und theologischen Grundlagen dieses radikalen Pazifismus auseinander und reflektiert, ob und inwiefern religiöse Ethik als Gegenentwurf zu nationalstaatlicher Logik fungieren kann. Hierbei stützt sich die Analyse auf die Theorien von Max Weber, Friedrich Wilhelm Graf, Hartmut Lehmann, Judith Butler uvm., um die Untrennbarkeit von Religion, Religiosität und nationaler Ethik in der modernen Gesellschaft zu beleuchten. Dabei wird auch die Frage gestellt, ob und wie religiöse Moral politisch instrumentalisiert oder als moralische Autorität in politischen Diskursen genutzt werden kann.

 

Die Arbeit verdeutlicht die Herausforderungen und Grenzen «bedingungsloser » moralischer Haltungen in einer säkularisierten und globalisierten Welt und soll zur weiteren Reflexion über die Verbindung von «Religion », «Moral » und Politik anregen.

Zugang zur Arbeit

Bibliothek

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