Philipp Albert Stapfer 1766 - 1840.Seine Idee der "respublica ethica" zwischen Schweizer Aufklärung und französischem Pietismus

AutorIn Name
Lorenz
Theilkäs
Art der Arbeit
Dissertation
Stand
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Heinrich Richard
Schmidt
Institution
Historisches Institut
Ort
Bern
Jahr
2019/2020
Abstract

Das Leben, Denken und Wirken des Berner Theologen, Philosophen und Staatsmannes Philipp Albert Stapfer (1766-1840) wurde in der Forschung stets thematisch selektiv und auf sich zum Teil widersprechende Art und Weise besprochen. Eine umfassende Untersuchung, die Stapfers gesamtes Leben abdeckt, fehlt bis dato. Die vorliegende Arbeit versucht diese Lücke zu schliessen, indem sie Stapfers Denken systematisch und über sein gesamtes Leben hinweg untersucht. Dafür wurden zwei Untersuchungszeiträume definiert und miteinander verglichen: Der erste Zeitraum ist der zwischen 1792 und 1800, in dem Stapfer als Lehrer und Professor in Bern tätig war und als erster Minister der Künste und Wissenschaften in der Helvetik amtete. Der zweite Zeitraum erstreckt sich von Stapfers Engagement im französischen Réveil ab den späten 1810er Jahren bis zu seinem Lebensende 1840. In beiden Zeiträumen liegt der Fokus der Untersuchung auf Stapfers Denken, das unter dem Leitmotiv der spätaufklärerischen Idee der Bestimmung des Menschen rekonstruiert wird. Als systembildende Idee vermag sie alle wesentlichen theologischen, philosophischen, pädagogischen und staatsphilosophischen Überzeugungen von Stapfer zu fassen. Fundiert ist die Arbeit mit den geschichtstheoretischen Arbeiten des britischen Historikers Mark Bevir. Sein Konzept des «web of beliefs» sowie seine synchronen und diachronen Erklärungsansätze menschlichen Handeln und Weltverstehens liessen mich Konstanten und Entwicklungen im Denken von Stapfer herausarbeiten. Dominierende Konstante im Denken Stapfers ist die Frage nach der Bestimmung des Menschen selbst. Zu bestimmen, was sie ist und wie sie zu realisieren sei, trieb ihn sein Leben lang um. In Anlehnung an den deutschen Philosophen Immanuel Kant meinte er die Bestimmung des Menschen in der Realisierung des Höchsten Gutes zu erkennen, das sich aus den beiden Teilgütern Sittlichkeit und Glückseligkeit zusammensetzt. Um sittlich zu werden, habe der Mensch, so Stapfer, seinen Willen nach moralischen Grundsätzen zu bestimmen. Dazu müssen sich die Menschen zu einem ethischen Gemeinwesen zusammenschliessen. Tun sie dies, so können sie darauf hoffen, dass ihnen Gott in einem Leben nach dem Tod Glückseligkeit spenden wird. Während Stapfer diese Grundüberzeugungen sein Leben lang behielt, veränderten sich auch einige seiner Auffassungen. So wandelte sich beispielsweise seine Überzeugung, mit welchen Hilfsmitteln der Mensch seinen Willen bestmöglich moralisch bestimmen kann und inwiefern er dies aus sich selbst heraus tun kann (Suffizienzfrage). Ergänzt wird die Rekonstruktion von Stapfers Denken mit Einblicken in seine Biografie sowie zwei kürzeren Darstellungen, wie er während der Helvetik und dem französischen Réveil versucht hat, seine Überzeugungen zu realisieren.

External ID
5040

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Bibliothek

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