infoclio.ch-Tagung 2026: New Humanities. Geisteswissenschaften im 21. Jahrhundert

20. November 2026 - 08:30 bis 16:30
Kolloquium

Der Mensch ist nicht mehr das isolierte Subjekt der Erzählung. Die Geisteswissenschaften erweitern ihren Blick inzwischen auch auf andere Entitäten und den gemeinsam geteilten Planeten, dessen Gleichgewichte durch menschliche Aktivitäten erschüttert werden. Die infoclio.ch-Tagung 2026 untersucht den Beitrag der Geisteswissenschaften, um diese Veränderungen zu verstehen und wünschenswerte Zukunftsvorstellungen zu entwerfen – für die eigenen Disziplinen und für die Gesellschaft.

In ihrer Keynote spricht die Philosophin Rosi Braidotti über das Erbe der Geisteswissenschaften und über transdisziplinäre Konvergenzen, die für ihre Neuausrichtung im 21. Jahrhundert notwendig sind.

Die erste Session präsentiert verschiedene wissenschaftliche Ansätze der Archivnutzung, um die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft mitzugestalten. Forscherinnen referieren über die Geschichte der Naturwissenschaften und der Algorithmen künstlicher Intelligenz. Thematisiert wird zudem, wie sich das Berufsfeld der Konservierung hin zu inklusiveren Praktiken weiterentwickeln kann.

Die zweite Session beschäftigt sich mit relationalen Ansätzen in der Wissensproduktion an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen und zeigt, wie diese zu einer Neudefinition des menschlichen Subjekts beitragen. In kurzen Beiträgen stellen Forschende der digital humanities, environmental humanities und medical humanities ihre Methoden und die Auswirkungen ihrer Studien auf gegenwärtige gesellschaftliche Debatten vor.

Wie lässt sich die Zukunft der Geisteswissenschaften in einem wettbewerbsorientierten und globalisierten Forschungsumfeld gestalten? In der dritten Session reflektiert eine Expertin für Ideengeschichte die Argumente zugunsten der Geisteswissenschaften seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Ein Podium konfrontiert verschiedene Strategien, um die zentrale Rolle dieser Disziplinen in gesellschaftlichen Zukunftsprojekten zu stärken.

Abschliessend werden in einer Diskussionsrunde Allianzen zwischen den kreativen Künsten und den digitalen Technologien skizziert, um neue wissenschaftliche Perspektiven zu eröffnen. Wie lassen sich die etablierten Erkenntnisse neu aneignen, darin enthaltene und bis heute nachwirkende Formen der Gewalt erkennen und neue Wissensformen produzieren, die für die Gegenwart nützlich sind?

Die Beiträge in Deutsch und Französisch werden simultan in die jeweils andere Sprache übersetzt. Sämtliche Beiträge werden automatisch Englisch untertitelt.

Programm

8h30Empfang und Kaffee
9h00
Begrüssung
François Vallotton (Université de Lausanne)
Enrico Natale (infoclio.ch)
Tatiana Crivelli (Universität Zürich)
9h15

The Scramble for the New Human

Rosi Braidotti (Utrecht University)

Session 1: Genealogies – Archive in Bewegung

9h50
Simona Boscani Leoni (Université de Lausanne)
Histoire naturelle, sciences naturelles et sciences humaines
10h10
Hanna B. Hölling (Berner Fachhochschule)
Critical Conservation at the Intersection of Humanities and Environmental Thought
10h10
Goda Klumbyté (Universität Kassel)
New Materialist Informatics: Leveraging Humanities for a Critical Technical Practice
10h50-11h20Kaffeepause

Session 2: Cartographies – Posthumane Konvergenzen

11h20
David Berry (University of Sussex)
Vector Humanities – Towards New Methods in the Humanities
11h40
Federico Luisetti (Universität St. Gallen)
Environmental Humanities – A Pluriversal Approach
12h00
Caroline Rusterholz (Université de Fribourg)
Medical Humanities – Replacer les patient.e.s dans leur environnement
12h20
Diskussion
12h30-13h30Mittagessen

Session 3: Advocacy – Geisteswissenschaften für wünschenswerte Zukünfte

13h30
Helen Small (University of Oxford)
Changing Humanities
13h50
Diskussionsrunde mit:
Lea Haller (Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften)
Sandro Cattacin (Université de Genève)
Martin Müller (Geneva Science and Diplomacy Anticipator)
Luiz Oosterbeek (International Council for Philosophy and Human Sciences)
15h10-15h20Pause
15h20 Podium: Multiperspektivische Geistes­wissenschaften
Tatiana Crivelli (Universität Zürich)
Rosi Braidotti (Utrecht University)
Noémi Cobolet (Université de Strasbourg)
Monika Dommann (Universität Zürich)
Luzia Hürzeler (Künstlerin, Genève)
Joseph Baan (Artist, Zürich)
David Berry (University of Sussex)
16h30Ende der Veranstaltung

Online-Anmeldung

Organisiert von
infoclio.ch, Rosi Braidotti (Utrecht University), Tatiana Crivelli (Universität Zürich)

Veranstaltungsort

PROGR - Zentrum für Kulturproduktion
Waisenhausplatz 30
3011 
Bern

Kosten

CHF 30.00
Die Tagungsgebühren (30.00 CHF / 15.00 CHF für Studierende) beinhalten Mittagessen und Kaffee.

Anmeldung

Anmeldung online
Anmeldeschluss