Der Mensch ist nicht mehr das isolierte Subjekt der Erzählung. Die Geisteswissenschaften erweitern ihren Blick inzwischen auch auf andere Entitäten und den gemeinsam geteilten Planeten, dessen Gleichgewichte durch menschliche Aktivitäten erschüttert werden. Die infoclio.ch-Tagung 2026 untersucht den Beitrag der Geisteswissenschaften, um diese Veränderungen zu verstehen und wünschenswerte Zukunftsvorstellungen zu entwerfen – für die eigenen Disziplinen und für die Gesellschaft.
In ihrer Keynote spricht die Philosophin Rosi Braidotti über das Erbe der Geisteswissenschaften und über transdisziplinäre Konvergenzen, die für ihre Neuausrichtung im 21. Jahrhundert notwendig sind.
Die erste Session präsentiert verschiedene wissenschaftliche Ansätze der Archivnutzung, um die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft mitzugestalten. Forscherinnen referieren über die Geschichte der Naturwissenschaften und der Algorithmen künstlicher Intelligenz. Thematisiert wird zudem, wie sich das Berufsfeld der Konservierung hin zu inklusiveren Praktiken weiterentwickeln kann.
Die zweite Session beschäftigt sich mit relationalen Ansätzen in der Wissensproduktion an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen und zeigt, wie diese zu einer Neudefinition des menschlichen Subjekts beitragen. In kurzen Beiträgen stellen Forschende der digital humanities, environmental humanities und medical humanities ihre Methoden und die Auswirkungen ihrer Studien auf gegenwärtige gesellschaftliche Debatten vor.
Wie lässt sich die Zukunft der Geisteswissenschaften in einem wettbewerbsorientierten und globalisierten Forschungsumfeld gestalten? In der dritten Session reflektiert eine Expertin für Ideengeschichte die Argumente zugunsten der Geisteswissenschaften seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Ein Podium konfrontiert verschiedene Strategien, um die zentrale Rolle dieser Disziplinen in gesellschaftlichen Zukunftsprojekten zu stärken.
Abschliessend werden in einer Diskussionsrunde Allianzen zwischen den kreativen Künsten und den digitalen Technologien skizziert, um neue wissenschaftliche Perspektiven zu eröffnen. Wie lassen sich die etablierten Erkenntnisse neu aneignen, darin enthaltene und bis heute nachwirkende Formen der Gewalt erkennen und neue Wissensformen produzieren, die für die Gegenwart nützlich sind?
Die Beiträge in Deutsch und Französisch werden simultan in die jeweils andere Sprache übersetzt. Sämtliche Beiträge werden automatisch Englisch untertitelt.
Programm
The Scramble for the New Human
Session 1: Genealogies – Archive in Bewegung
Session 2: Cartographies – Posthumane Konvergenzen
Session 3: Advocacy – Geisteswissenschaften für wünschenswerte Zukünfte
Veranstaltungsort
Kosten