Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben medizinische und technologische Entwicklungen die durchschnittliche Lebenserwartung erheblich gesteigert und das Sterben zunehmend in den Rahmen medizinischer Kontexte gerückt. Diese Entwicklungen trugen zur Diskussion über Suizidhilfe bei, die biopolitische, juristische, ethische und soziale Aspekte behandelt und den assistierten Suizid enttabuisiert. Artikel 115 des schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) regelt seit 1947 die Suizidbeihilfe und verfolgt nur Handlungen, die aus selbstsüchtigen Motiven resultieren, strafrechtlich. Die gesellschaftliche und rechtliche Debatte über Suizidhilfe wurde durch Einzelfälle sowie die Enttabuisierung des Sterbens in den 1970er und 1980er Jahren verstärkt. 1982 wurden in Genf und Zürich die Vereine EXIT A.D.M.D. Suisse romande und EXIT Deutsche Schweiz gegründet, wodurch sich Akteur:innen etablierten, die strukturelle Ansätze zum Selbstbestimmungsrecht am Lebensende forderten.
Die Masterarbeit analysiert basierend auf der Organisationsgeschichte sowie der historischen Netzwerkanalyse, wie rechtliche, ethische und gesellschaftliche Dynamiken die Vereine in der Schweiz geprägt haben und untersucht deren Rolle im Kontext des assistierten Suizids. Besondere Aufmerksamkeit wird der Entwicklung der Vereine, ihrer Netzwerke und deren Mitglieder:innen gewidmet. Diese Arbeit liefert Einblicke in die Politisierung der Suizidhilfe in den 1990er Jahren und zeigt auf, welche Verbindungen es zwischen den Vereinen und dem politischen System gab.