Jugoslawien im Umbruch 1970-71. Das Stabilisierungsprogramm,die Verfassungsreform und die kroatische Krise

AutorIn Name
Urs
Affolter
Art der Arbeit
Lizentiatsarbeit
Stand
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Judit
Garamvölgyi
Institution
Historisches Institut
Ort
Bern
Jahr
1997/1998
Abstract

Ungelöste Probleme und Auseinandersetzungen auf wirtschaftlicher sowie auf politischer Ebene führten in den Jahren 1970f71 im Jugoslawien Titos zu einer kroatischen nationalen Bewegung. Diese Bewegung, getragen von der Kulturorganisation „Matica Hrvatska", dem Hort der kroatischen Intelligenz und der Künstler, wurde von den beiden führenden kommunistischen Politikern in Kroatien, Savka Dabcevic-Kucar und Mika Tripalo, für ihr politisches Ziel einer starken Föderalisierung Jugoslawiens instrumentalisiert.

 

In der Arbeit wird der Frage nachgegangen, welche zusammenhänge und Wechselbeziehungen zwischen dem 1970 lancierten wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramm, den angestrebten Verfassungsänderungen im Jahre 1971 und der kroatischen nationalen Bewegung bestanden.

 

Als Quellen dienten die jugoslawischen Zeitungen Borba, Politika und Vjesnik.

 

Aufgrund dieser Fragestellung ist die Arbeit in vier Teile gegliedert:

Im ersten Teil wird die ökonomische Situation Jugoslawiens von 1965 bis 1971 kurz zusammengefasst und das zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme lancierte Stabilisierungsprogramm analysiert.

 

Das Stabilisierungsprogramm sollte den wirtschaftlichen Problemen Jugoslawiens, wie der hohen Inflation, dem grossen Handelsbilanz- und dem Zahlungsbilanzdefizit, der immensen ausländischen Verschuldung und dem starken Entwicklungsgefälle zwischen den nördlichen und den südlichen Republiken begegnen. Mit Massnahmen, wie der Entlastung der Wirtschaft von Steuern, dem Einfrieren der Löhne, der Abwertung des Dinars u.a. wollte die jugoslawische Regierung die ökonomischen Prbleme in den Griff bekommen. Das Stabilisierungsprogramm war aber erfolglos.

 

Im zweiten Teil wird die Entstehung der Verfassungsänderungen vom 30. Juni 1971 verfolgt, die eine

Föderalisierung Jugoslawiens zur Folge hatten.

 

Diese Verfassungsänderungen waren das Resultat einer langandauernden Auseinandersetzung inner halb des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens zwischen den konservativen Zentralisten und den eher national eingestellten Föderalisten, die mehr Rechte für die einzelnen Republiken forderten.

 

Eine interessante Neuerung war die Bildung eines Bundesorgans, des Staatspräsidiums, in dem sich Vertreter der Republiken paritätisch an der Föderationspolitik beteiligen konnten. Mit dem Staatspräsidium erhoffte sich Tito, die Problematik seiner Nachfolge lösen zu können.

 

Die Föderation war nur noch in drei Bereichen, der Verteidigung, der Entwicklung der Selbstverwaltung und der Förderung des einheitlichen Marktes zuständig. Alle weiteren Kompetenzen über die Bildung, das Gesundheitswesen, den sozialen Schutz etc. wurde den Republiken übertragen.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg stand der Föderalismus in Jugoslawien nur auf dem Papier, das System war in der Realität streng zentralistisch und unitaristisch organisiert. Im Verlauf der Jahre konnten sich die Parteiapparate der verschiedenen Republiken aber emanzipieren und gewannen dadurch auch an Bedeutung für die Bevölkerung der einzelnen Republiken. Dies führte zu einer Identifikation der Partei kader mit „ihrer'' Republik und man begann, sich für die Interessen der eigenen Bevölkerung und bsonders der Wirtschaft einzusetzen.

 

In diesem Sinne fühlten sich die beiden kroatischen Spitzenpolitiker Mika Tripalo und Savka Dabcevic Kucar für ihre Republik verantwortlich. Sie forderten dabei mehr Unabhängigkeit Kroatiens in verschidensten Bereichen. Mit der Unterstützung der „Matica Hrvatska", die sich vor allem für eine Abgrenzung der kroatischen von der serbischen Sprache einsetzte, und den Studenten der Universität Zagreb, die eine klare, weitgehende Föderalisierung Jugoslawiens forderten, kumulierte das Ganze zueiner nationalen kroatischen Massenbewegung, die die Stabilität Jugoslawiens zu bedrohen begann. Tito war gezwungen, die Bewegung zu unterbinden.

 

Der vierte Teil der Arbeit zeigt die zusammenhänge zwischen dem Stabilisierungsprogramm, den Verfassungsergänzungen und der kroatischen Krise auf, wobei sich zeigte, dass Savka Dabcevic Kucar und Mika Tripalo, die eigentlichen Motoren der damaligen angestrebten Veränderungen im Breich der Wirtschaft und der Politik waren. Sie wurden in ihrem Bestreben nach einem föderalistischen und mehr auf den Markt ausgerichteten Jugoslawien zurückgebunden, weil Tito eine Destabilisierung und ein Auseinaderbrechen Jugoslawiens befürchtete.

Zugang zur Arbeit

Bibliothek

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