From Geneva to Helsinki: The Making of the CSCE. 18th International Conference of Editors of Diplomatic Documents

Autor / Autorin des Berichts
Berenika
Zeller
Universität Bern
Zitierweise: Zeller, Berenika: From Geneva to Helsinki: The Making of the CSCE. 18th International Conference of Editors of Diplomatic Documents, infoclio.ch Tagungsberichte, 17.09.2026. Online: <https://www.doi.org/10.13098/infoclio.ch-tb-0411>, Stand: 18.09.2026

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Was können diplomatische Akten über die Entstehung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erzählen? Und welche Orientierung können die damals vereinbarten Prinzipien heute noch geben? Die Konferenz «From Geneva to Helsinki» ging diesen beiden Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln nach.1

Im Jahr 2026 hat die Schweiz den Vorsitz der OSZE (ehemals Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE) inne. Dieses Mandat nahmen das International Committee of Editors of Diplomatic Documents (ICEDD) und insbesondere die einladende Institution Diplomatische Dokumente der Schweiz (Dodis) zum Anlass, aktuelle Forschungserkenntnisse und Sammlungen diplomatischer Akten zur OSZE zusammenzutragen. In allen 57 Teilnehmerstaaten reichen die Bestände der Aussenministerien bis in die 1970er-Jahre zurück, in jene Zeit, in der die Verhandlungen in Helsinki und Genf und damit der Entstehung der OSZE ihren Anfang fanden.

Die englischsprachige Konferenz gründete auf einer Veranstaltungspartnerschaft zwischen Dodis und dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Sie umfasste neben wissenschaftlichen Referaten auch Beiträge ehemaliger und gegenwärtiger Diplomatinnen und Diplomaten der OSZE sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Schweizer Politik.

 

Im ersten Panel der ICEDD-Konferenz, das sich zunächst vor allem an Wissenschafterinnen und Wissenschaftler sowie Herausgebende diplomatischer Akten richtete, wurden aktuelle Forschungslücken in der gegenwärtigen Diplomatiegeschichte aufgezeigt und Projekte vorgestellt, die sich diesen annehmen.

HELENA PINTO JANEIRO (Lissabon) machte auf die (Un)sichtbarkeit von Frauen in diplomatischen Akten aufmerksam. Die Forscherin, die mit Quellen des portugiesischen Aussenministeriums und mit Oral-History-Zugängen arbeitet, legte dar, dass Frauen in diplomatischen Akten im Gegensatz zu Männern stark unterrepräsentiert sind. Noch problematischer sei jedoch, dass auch jene Frauen, die in den Quellen vorkommen, von der Forschung bislang kaum beachtet wurden. Zu berücksichtigen sei, dass die Diplomatiegeschichte häufig davon ausgehe, dass vor allem männliche Diplomaten auf zwischenstaatliche Beziehungen Einfluss nehmen und damit – im weitesten Sinne – Geschichte gestalten konnten. Das Projekt «DiploDocWomen» fragt deshalb danach, wie die Spuren von Frauen erforscht werden können, insbesondere in Zeiten, in denen nur Männer als Autoren diplomatischer Dokumente autorisiert waren. Bei genauerem Blick zeigt sich, dass Frauen zwar nicht als Diplomatinnen auftraten, aber durchaus Einfluss nehmen konnten: etwa als Expertinnen, Sekretärinnen oder Protokollantinnen.

Das darauffolgende Referat knüpfte thematisch unmittelbar daran an. Im Buchprojekt «Von der Diplomatengattin zu Partners and Spouses», vorgestellt von MELISSA WOODS NELSON (Bern), geht es um die Rolle von Ehepartnern und -partnerinnen sowie Familienangehörigen in der Diplomatie. Als Forschungsgrundlage dienen Erinnerungen von entsprechenden Personen, die für die Schweiz im Einsatz waren. Beim genaueren Hinschauen zeige sich, dass gerade die Partnerinnen und Partner einen grösseren Handlungsspielraum in der Diplomatie hatten als bislang angenommen. Sie unterstützten etwa bei der Pflege von (Geschäfts-)Beziehungen, gestalteten Gästelisten mit und planten Menüs und Aktivitäten. Sie wurden zudem zu Zeitzeuginnen und -zeugen politischer Umbrüche und Krisen und waren an grundsätzlichen Entscheidungen beteiligt, beispielsweise an der Frage, wann es Zeit wurde, ein Land zu verlassen.

Im Panel wurde deutlich, dass die Diplomatie wie ein Eisberg vorzustellen ist, von dem meist nur die Spitze sichtbar ist. Das eigentliche Verhandeln, die komplexen Subkontexte und auch die Geschlechterrollen, die darauf Einfluss nehmen, bleiben dagegen oftmals unsichtbar.

 

Im nachfolgenden Panel lag der Fokus auf der Entstehungsgeschichte der KSZE und damit auch jener der nachfolgenden OSZE. Es gibt ein allgemein bekanntes Narrativ über die Gründung der KSZE: Die Idee einer gesamteuropäischen Sicherheitskonferenz war ursprünglich von sowjetischer Seite vorgeschlagen worden und wurde im Zuge der Entspannungspolitik Anfang der 1970er-Jahre von den westlichen Staaten aufgegriffen. Ziel war es, einen multilateralen Dialog zwischen Ost und West über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu schaffen. Ende 1972 begannen in Helsinki vorbereitende Gespräche, im Juli 1973 wurde die KSZE offiziell eröffnet. Die anschliessenden Verhandlungen fanden bis 1975 in Genf statt und mündeten schliesslich in die Unterzeichnung der Helsinki-Schlussakte am 1. August 1975.2 Ebendieses Narrativ wird bei einem neuen bzw. erneuten Blick in die Aktenlage relativiert und um neue Perspektiven erweitert. Dies zeigten auch die nachfolgenden Referate, die jeweils auf diplomatischen Dokumenten aus den Aussenministerien einzelner Länder basieren.

So war etwa der Fall Belgiens ein spezifischer. VINCENT GENIN (Brüssel) beleuchtete in seinem Beitrag, wie sich Belgien als kleiner, zugleich aber proaktiv handelnder Staat auf die bevorstehende Konferenz vorbereitete. Eine weitere Perspektive eröffnete PIOTR DŁUGOŁĘCKI (Warschau), der als einziger Referent Quellen aus einem damals nicht-westlichen Staat präsentierte. Sein Beitrag zeigte, welche Themen sich jenseits des Eisernen Vorhangs durchsetzten. Moskau übermittelte zwar die Standpunkte für die Konferenz, diese wurden jedoch in den jeweiligen Staaten diskutiert und mit eigenen Interessen verbunden. Gerade die Grenzfrage war für einige ein umstrittenes Thema. Die damalige politische Führung Polens beispielsweise wollte die Grenzsituation an der KSZE-Konferenz verankern. Dies erscheint aus heutiger Sicht besonders erstaunlich. Der Hintergrund dafür liegt in der polnischen Nachkriegsgeschichte, denn Polen war nach dem Zweiten Weltkrieg «nach Westen verschoben» worden und hatte in den 1950er-Jahren somit grosse Gebiete im Osten an andere Sowjetrepubliken abtreten müssen - und im Gegenzug ehemals deutsche Gebiete erhalten. Die politische Warschauer Spitze der 1970er-Jahre stand dieser Neuordnung alles andere als kritisch gegenüber. Vielmehr wirkte sie bis zu einem gewissen Grad sogar Einfluss auf Moskau aus, um die Frage der Nachkriegsgrenzordnung zwingend auf die Konferenzagenda zu setzen und auf eine westliche Anerkennung zu drängen. Selbst wenn Moskau die Botschaft geschlossen und gemeinsam mit den anderen sozialistischen Staaten übermittelte, relativiert der Blick in die polnischen diplomatischen Akten das Narrativ, die sozialistischen Staaten hätten die Themensetzung der KSZE passiv und lediglich auf Anweisung Moskaus übernommen.

Der Beitrag von SOPHIE LANGE (München/Berlin) untersuchte anschliessend die Situation der DDR und der BRD. Die Grenzfrage war für beide Republiken ebenfalls ein umstrittenes Thema. Der Forschungsbeitrag fokussierte jedoch auf die Umweltpolitik, die eine Kommunikationsfläche bot. Sie stellte eine Möglichkeit dar, mit der Grenzfrage und geteilten Gewässern verbundene Probleme über die politischen Grenzen hinweg anzusprechen. Gemeinsame Herausforderungen wie etwa Smog oder die Verunreinigung von Flüssen schufen eine unerwartete Kommunikationsgrundlage. Beide Seiten waren daran interessiert, in diesen Bereichen Lösungen durch grenzüberschreitenden wissenschaftlichen Austausch zu fördern.

RICHARD SMITH (London) gab Einblick in die britischen Vorbereitungen. Angesichts der angespannten Beziehungen zur UdSSR war es für Grossbritannien wichtig, bereits im Vorfeld eine gemeinsame westeuropäische Position zu entwickeln und als «geeinter Westen» aufzutreten. Die KSZE wurde damit auch zu einem Test für eine gemeinschaftliche europäische Aussenpolitik, wobei die Menschenrechte ein besonderes Anliegen darstellten.

Am Beispiel Israels zeigte MICHAL SAFT SHAPIRA (Jerusalem) eine weitere Perspektive auf die Konferenz. Israel wollte die Grenzfragen im Mittelmeerraum, insbesondere den arabisch-israelischen Konflikt, ins Programm aufnehmen. Die meisten Mitgliedstaaten lehnten dies jedoch aus Sorge vor fehlender Einigkeit ab, sodass das Anliegen keinen Eingang in die Helsinki-Schlussakte fand.


Das dritte Panel, nun an ein weit grösseres Publikum gerichtet, das auch namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus der Diplomatie, der Politik und dem breiteren akademischen Umfeld sowie weitere Interessierte umfasste, vertiefte die Entstehungsgeschichte der KSZE weiter und ging zudem auf die heutige Relevanz der OSZE ein.

NICOLAS BADALASSI (Paris) eröffnete den historischen Rückblick mit der französischen Perspektive. Dabei zeigte sich eine doppelte Strategie: Nach dem Prager Frühling 1968 setzte Frankreich verstärkt auf den Dialog mit der Sowjetunion und den sozialistischen Staaten, um insbesondere letztere nicht vollständig zu isolieren. Zugleich wollte sich Frankreich als Vermittlerin zwischen West und Ost positionieren und gemeinsam mit den westeuropäischen Staaten eine eigenständige europäische Politik betreiben.

Eine andere Perspektive auf die Konferenzvorbereitungen bot ANTONIO VARSORI (Padua/Rom). Italien verfolgte zeitweise eigenständige aussenpolitische Ziele. So setzte es sich bei der Frage der Territorialität dafür ein, Grenzveränderungen auf Grundlage friedlicher Vereinbarungen zu ermöglichen. Ausserdem wollte Italien die Rolle neutraler europäischer Staaten stärken, die eine eigenständige Position jenseits der Interessen der USA und der UdSSR entwickeln und vertreten sollten.

MICHAEL KENNEDY (Dublin) zeigte anhand irischer Akten aus den Jahren 1969 bis 1975, wie der Nordirlandkonflikt die Vorbereitungen auf die KSZE prägte. Trotz der umstrittenen Grenze im eigenen Staat wollte Irland die Einladung zur KSZE nicht ausschlagen und setzte stattdessen auf die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten und auf diplomatischen Zugang zum west-kritischen, östlichen Europa.

THOMAS BÜRGISSER (Bern) zeigte anhand von Akten aus dem Archiv des EDA, die von Dodis ediert und zugänglich gemacht worden sind, welche nachhaltigen Auswirkungen die KSZE-Teilnahme auf die Schweizer Aussenpolitik hatte. Dass ein Bundesrat an einem Nationalfeiertag, am 1. August 1975, zur Unterzeichnung der Schlussakte nach Helsinki reiste, wäre wenige Jahre zuvor noch undenkbar gewesen. Für Bürgisser ist dies ein Indikator für die beginnende, schrittweise Öffnung der Schweizer Aussenpolitik, ungeachtet der ausgeprägten anti-sowjetischen Haltung und des Festhaltens an der politischen Neutralität. Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten vertrat die Schweiz in punkto Menschenrechte eine zögerliche Position. Im Zentrum ihrer Interessen stand nebst der Neutralität die Schiedsgerichtsbarkeit und Genf als internationaler Standort. Insgesamt begann sich die bis dahin vorwiegend auf sich selbst fokussierte Schweizer Aussenpolitik stärker mit Europa auseinanderzusetzen.

In seiner Keynote stellte SACHA ZALA (Bern) die von Dodis herausgegebene Dokumentensammlung «Geneva, Helsinki, and the Making of the CSCE. International Diplomatic Documents on the Conference on Security and Cooperation in Europe, 1969–1975»3 vor. Anhand von 104 diplomatischen Dokumenten zur OSZE aus rund 20 Ländern, die von den beteiligten Institutionen des ICEDD zur Verfügung gestellt wurden, zeigte er, wie die KSZE-Staaten trotz unterschiedlicher Vorstellungen von Sicherheit, Zusammenarbeit und Menschenrechten mit den Vorbereitungen und der Unterzeichnung der Helsinki-Schlussakte einen gemeinsamen Rahmen von Prinzipien und Verpflichtungen für innerstaatliche und zwischenstaatliche Beziehungen schufen.

Die Frage, wie aktuell die Grundsätze der Helsinki-Schlussakte von 1975 heute noch sind, stand im Zentrum des Schlusspanels. Die Diskussion beleuchtete die heutige Bedeutung der OSZE aus der Perspektive zweier Diplomaten. Moderator DANIEL MÖCKLI (Zürich) fragte, ob die Prinzipien der OSZE angesichts der heutigen politischen Lage in Europa noch zeitgemäss seien oder einer Aktualisierung bedürften. Als Zeitzeuge, der bereits an der Unterzeichnung der Schlussakte beteiligt war, argumentierte UMBERTO VATTANI, dass die Schlussakte und das ihr zugrunde liegende Konzept auch heute nicht an Relevanz eingebüsst hätten. Angesichts des Krieges in Europa und des Erstarkens autoritärer Stimmen meinte er, das Konzept, die zehn Prinzipien, die in der Helsinki-Schlussakte verankert wurden, seien nicht fehlerhaft, versagt hätten aber jene, die für die Umsetzung verantwortlich waren. Auch FERIDUN SINIRLIOĞLU, der aktuelle Generalsekretär der OSZE, verwies auf die zahlreichen Herausforderungen, mit denen Europa heute konfrontiert ist. Er appellierte daran, sich diesen gemeinsam zu stellen, denn die aus ihnen entstehenden Probleme würden letztlich alle ungeachtet politischer Differenzen betreffen. Vattani erinnerte neben der weiterhin dringlichen Frage der militärischen Sicherheit auch an die Bedeutung der Werte, die in Genf und Helsinki festgehalten worden waren. Insbesondere die menschenrechtlichen Verpflichtungen hätten zivilgesellschaftliche Bewegungen bestärkt, Menschenrechte auch innenpolitisch einzufordern. Sinirlioğlu betonte daran anknüpfend den «Spirit von damals». Ungeachtet des Kalten Krieges und der Teilung Europas sei es vor 50 Jahren gelungen, einen Dialog über die Fronten hinweg zu führen und gemeinsame Prinzipien in den Bereichen Sicherheit, Umwelt und Menschenrechte zu vereinbaren. Was damals möglich geworden sei, müsse auch heute wieder als Inspiration dienen. Kommunikation sei dabei zentral, denn ihr Abbruch führe zu Misstrauen, Missverständnissen und letztlich zu Konflikten. Möckli ergänzte, dass beim Ausbruch des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine viele mit einem Zusammenbruch der OSZE gerechnet hätten. Dies sei nicht eingetreten. Vielmehr könne die Organisation als multilaterales Forum gerade nach einem Ende des Krieges wieder an Bedeutung gewinnen.

Die öffentliche Veranstaltung schloss der amtierende Aussenminister der Schweiz und Chairperson-in-Office der OSZE, IGNAZIO CASSIS, mit den Worten, dass Konfrontationen nach Europa zurückgekehrt seien - und so auch die raison d’être der OSZE eine neue Bedeutung erhalten habe. Institutionen wie die OSZE hätten die grösste Relevanz, wenn die Umstände politisch besonders herausfordernd sind.

 

Während der erste Konferenztag der Geschichte und heutigen Bedeutung der OSZE gewidmet war, richtete sich der Blick am zweiten Tag auf die Zukunft der historischen Quellenarbeit. Im Zentrum standen methodisch angelegte Projekte zum Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Die Präsentationen zeigten, welche neuen Möglichkeiten KI als Hilfsmittel für die Erschliessung, Verarbeitung und die internationale Verknüpfung diplomatischer Akten eröffnet. Thematisiert wurden dabei auch die Gefahren und Grenzen der neuen Technologie.

JOHN POWERS (Washington) zeigte, wie das US Department of State Archiv- und Geheimakten rund um die Präsidentschaft Richard Nixons aufbereitet. Sein Team entwickelt derzeit eine App, die den Zugang zu den Dokumenten erleichtern und bei deren Suche, Rekonstruktion und Verarbeitung unterstützen soll.

TOBIAS STEINER (Bern) stellte sein Forschungsprojekt an der Schnittstelle von Informatik und Geschichte vor. Ziel ist die Entwicklung eines eigenen KI-Modells zur Verarbeitung historischer Akten, das auf Dodis-Dokumenten in Kombination mit einem LLM basiert, die vorhandenen Metadaten besonders präzise berücksichtigt und somit zuverlässige Zusammenfassungen ermöglicht. Das Modell soll zudem ethischen sowie datenrechtlichen Anforderungen entsprechen und insbesondere Halluzinationen vorbeugen. Im Vergleich zu kommerziellen Sprachmodellen soll es gezielter auf die historische Quellenarbeit ausgerichtet und besser steuerbar sein.

MAURIZIO ROSSI und LENA HEIZMANN (Bern) präsentierten anschliessend ein neues Tool von Dodis, das wie ein «Schweizer Taschenmesser» den Zugang zu diplomatischen Akten erleichtern soll. Neben der gezielten Suche in der Dodis-Datenbank steht dabei die internationale Vernetzung verschiedener Archivbestände im Zentrum. Über Metagrid sollen ähnliche Inhalte von Institutionen mit diplomatischem Archivmaterial miteinander verbunden werden.

In der anschliessenden Diskussion stand die Frage im Zentrum, ob KI Historikerinnen und Historiker künftig ersetzen kann. Die Referierenden widersprachen dem deutlich: KI könne ein Hilfsmittel sein, doch die historische Quellenarbeit bleibe auf menschliche Expertise angewiesen. Das Formulieren von Fragen, die Überprüfung von Ergebnissen, die Arbeit mit Metadaten und vor allem das Erkennen historischer Zusammenhänge liessen sich nicht durch die Technologie ersetzen. Die vorgestellten Modelle verstehen sie entsprechend als durch menschliche Vorgaben steuerbare Werkzeuge.

Sacha Zala schloss das Panel mit einem Appell für den freien Zugang zu Archiven. Dieser sei für die historische Forschung und die Öffentlichkeit und damit für funktionierende demokratische Gesellschaften ebenso unerlässlich wie der internationale Austausch und das Teilen von Archivakten.

 

Die Konferenz «From Geneva to Helsinki» zeigte eindrücklich, wie der (erneute) Blick in diplomatische Akten etablierte Narrative zur Entstehung der KSZE/OSZE erweitert und zugleich neue Perspektiven auf ihre heutige Bedeutung eröffnet. Trotz neuer technologischer Möglichkeiten bleibt der Zugang zu den Quellen und ihre kritische Einordnung eine zentrale Aufgabe der Forschung sowie eine wichtige Grundlage demokratischer Gesellschaften.


Anmerkungen

1 Die Autorin ist Osteuropa-Historikerin an der Universität Bern und Co-Präsidentin der Schweizerischen Helsinki Verei-nigung (SHV).

2 Rochat, Simon; Schneiter, Gianluca; Häfliger, Michèle; Zeller, Berenika: Schweizer OSZE-Vorsitz 2026. Handlungschancen für die Schweiz, in: foraus.ch (2026), S. 1-29. Online: <https://foraus.ch/publication/schweizer-osze-vorsitz-2026-handlungschancen-fuer-die-schweiz/>, Stand: 16.6.2026; OSCE, Press Release: From Geneva to Helsinki and Beyond. Significance of the OSCE’s Founding Legacy and its Future at the Heart of the Third Chair Conference, 3.9.2026, <https://www.osce.org/chairpersonship/667317>, Stand: 16.6.2026.

3 Zala, Sacha; Bürgisser, Thomas (Hrsg.): Geneva, Helsinki, and the Making of the CSCE. International Diplomatic Documents on the Conference on Security and Cooperation in Europe, 1969–1975, Bern 2026 (Quaderni di Dodis – fonti 30), <https://doi.org/10.5907/Q30>.


Programm

3. September 2026

From Geneva to Helsinki: The Making of the CSCE

Opening and Reports on Ongoing Projects

Helena Pinto Janeiro: Project Presentation «DiploDocWomen»

Melissa Woods Nelson: Project Presentation «Partners and Spouses in Diplomacy»

 

Session I

Chair: Liliane Stadler (Associated Researcher Dodis)

Vincent Genin: Belgium and the CSCE: The Archives of a Proactive Small State

Piotr Długołęcki: Poland’s Participation in the CSCE Process in Light of its Relations with the USSR and West Germany


Session II

Chair: Liliane Stadler (Associated Researcher Dodis)

Richard Smith: Britain and the CSCE

Sophie Lange: Environmental Protection in the CSCE Process: The Case of East and West Germany

Michal Saft: Drawing a Line in the Middle of the Mediterranean: Israel’s Diplomatic Struggle at the CSCE, 1973–1975

 

Session III

Chair: Madeleine Herren (President Dodis-Commission)

Opening Addresses: Sacha Zala (Director Dodis)

Muriel Peneveyre (Ambassador, Head of Switzerland’s OSCE Chairmanship Task Force at FDFA)

Nicolas Badalassi: France and the CSCE

Antonio Varsori: Italy’s Policy Towards the Helsinki Negotiations and the CSCE

Michael Kennedy: Ireland’s Evolving Attitude to the CSCE 1969 to 1975

Thomas Bürgisser: Switzerland and the Geneva Laboratory of the CSCE 1973–1975

 

From History to the Present Day

Session IV

Opening Addresses: Virginia Richter (Rector of the University of Bern)

Pierre-André Page (President of the National Council)

Interlude: Excerpt from the Documentary Film on the Origins of the CSCE/OSCE

Historical Keynote: Sacha Zala: The Origins of the OSCE: New Insights from the Joint Documentary Edition

Panel: From Past to Present: Witnesses in Conversation with the OSCE Secretary General: Umberto Vattani (Ambassador, Former Secretary General of the Italian Ministry of Foreign Affairs) / Feridun Sinirlioğlu (OSCE Secretary General) / Panel Moderator: Daniel Möckli (CSS-ETHZ)

Ignazio Cassis (OSCE 2026 Chairman-in-Office, Federal Councillor): Conclusion – OSCE, Quo Vadis?

 

4. September 2026

Diplomatic Documents and AI

Session V

Opening Address: Thomas Moser (Cantonal Government’s Commissioner for Foreign Affairs)

John Powers: The State of AI and Tools for Diplomatic Documentary Editing

Kaspar Riesen and Tobias Steiner: AI and Diplomatic Documents

Maurizio Rossi and Lena Heizmann: AI in the Dodis Ecosystem

Presentation of the Dodis-Tool – The Swiss Army Knife for Editors

 

Session VI

Progression Reports

Veranstaltung
From Geneva to Helsinki: The Making of the CSCE. 18th International Conference of Editors of Diplomatic Documents
Organisiert von
Diplomatische Dokumente der Schweiz (Dodis) / Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)
Veranstaltungsdatum
-
Ort
Bern
Sprache
Englisch
Art des Berichts
Conference