Ausgelöst durch Berichte über Fälle von systematischer sexueller Gewalt im Krieg in Bosnien und Herzegowina (1992–1995), protestierten in der Schweiz und weltweit erstmals Frauen grossflächig und spezifisch gegen sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten.
In Anlehnung an Ansätze aus der Protest- und Bewegungsforschung wird in dieser Masterarbeit untersucht, weshalb in der Schweiz gerade im Kontext des Bosnienkriegs eine eigene Protestbewegung von Frauen gegen sexuelle Gewalt entstand. Dafür werden exemplarisch die Entstehung, die Akteurinnen sowie die Protestformen eines Berner Frauenvereins und einer überregionalen Koordinationsgruppe nachgezeichnet. Der Untersuchungszeitraum umfasst primär die Mobilisierungsphase zwischen Herbst 1992 bis Ende 1993.
Wie sich in der Untersuchung dieser Arbeit zeigt, gab es nicht einen einzelnen Auslöser für die Formierung der Protestbewegung. Stattdessen werden verschiedene Faktoren identifiziert, welche gemeinsam einen fruchtbaren Boden für die Protestmobilisierung von Frauen in der Schweiz bildeten: Wichtig waren insbesondere die persönlichen Kontaktnetzwerke der Frauen und die grafische Medienberichterstattung über den Bosnienkrieg. Auf individueller Ebene förderten zeitliche und finanzielle Ressourcen sowie Gefühle der Unzufriedenheit, Wut und Solidarität die Mobilisierung. Für ihre Proteste wählten die Frauen einerseits friedliche und konventionellere Aktionsformen wie Protestmärsche oder Unterschriftensammlungen und andererseits stärker frauenspezifische Handlungen wie die Produktion und Weitergabe von Wissen. Mit diesen Erkenntnissen hat die Arbeit einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, das Engagement von Frauen in der Schweiz gegen sexuelle Gewalt im Bosnienkrieg erstmals wissenschaftlich aufzuarbeiten.