Die athenische Demokratie des 5. und 4. vorchristlichen Jahrhunderts wird den Kriterien einer modernen liberalen Demokratie aus verschiedenen Gründen nicht gerecht; sie bietet allerdings archetypisches Anschauungsmaterial für die demokratische Praxis und fordert bis heute zum Vergleich heraus. Der Vortrag fragt nach der Anfälligkeit der athenischen Demokratie gegenüber (antik gesprochen) «tyrannischen» Tendenzen und beleuchtet ihre Fähigkeit zur Resilienz. Dabei spielt das Verhältnis zwischen der Gesamtheit der Bürgerschaft als Souverän und der Elite, die wichtige Ämter besetzte, eine zentrale Rolle. Dieses Verhältnis soll unter anderem anhand des Ostrakismos diskutiert werden (heute etwas irreführend als Scherbengericht bezeichnet), der als zentraler Schutzmechanismus der antiken Demokratie gilt. Möglicherweise kann der «ferne Spiegel» der politischen Institutionen im antiken Athen auch modernen Debatten um die schützenswerte Demokratie Impulse verleihen.
Prof. Tanja Itgenshorst ist seit 2016 Professorin für Geschichte der Antike an der Universität Fribourg. Vorangegangene Stationen ihrer akademischen Biographie waren Köln und Leuven (Studium der Geschichte und klassischen Philologie, Promotion), Bielefeld (Habilitation), Paris (Gastprofessuren in Paris-Sorbonne und Paris-Diderot), Berlin (Lehrstuhlvertretung an der Humboldt Universität), Reims/Champagne (professeur des universités) und Cape Town (Distinguished Visiting Scholar). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Sozial- und Kulturgeschichte der Antike, mit Arbeiten u.a. über den republikanischen Triumph, die Entstehung des politischen Denkens in Griechenland sowie die Geschichtskultur der frühen Kaiserzeit. Ausserdem forscht sie zur europäischen Wissenschaftsgeschichte und zu Global Antiquities. Aktuell arbeitet sie an einer Geschichte der Intellektuellen der römischen Kaiserzeit.
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