Die industriellen Beziehungen in der Basler Chemieindustrie anhand der Verhandlungen zu den Gesamtarbeitsverträgen zwischen 1954 und 1984 – Konjunkturen, Diskurse und Entwicklungslinien

Cognome dell'autore
Ivan
Valli
Tipo di ricerca
Tesi di master
Stato
abgeschlossen/terminé
Cognome del docente
Prof.
Peter-Paul
Bänziger
Co-direttore
Martin Lengwiler
Istituzione
Departement Geschichte
Luogo
Basel
Anno
2022/2023
Abstract

Im Zentrum der vorliegenden Betrachtung stehen die industriellen Beziehungen in der pharmazeutisch-chemischen Industrie Basels in den Jahren zwischen 1954 und 1984. In diesem Zeitraum fanden weitreichende Verschiebungen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Art statt, welche das Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern entscheidend veränderten. So lässt sich beobachten, dass die Chemieunternehmen zu Zeiten der Hochkonjunktur in der Nachkriegszeit eher bereit waren auf die Forderungen der Gewerkschaften nach Lohnerhöhungen und Nebenleistungen einzugehen. Dies änderte sich nach der Weltwirtschaftskrise von 1973 und spiegelte sich in einer zunehmend konfrontativeren Haltung vonseiten der Arbeitgeber wider. Die Gewerkschaften waren indes nicht in der Lage, sich den neuen wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen und neue Argumente für eine Weiterführung der bis anhin expansiven Lohnpolitik in der Basler Chemieindustrie zu finden. Mit dem faktischen Ende des Teuerungsausgleichs in der Verhandlungsrunde von 1983 zeigte sich schließlich, wie sehr sich die Machtverhältnisse zugunsten der Arbeitgeber verschoben hatten. Damit bestätigt sich auch im Falle der Basler Chemieindustrie die von der Gewerkschafts- und Industriegeschichte vertretene These, dass es in der Schweiz an durchsetzungsfähigen Arbeitnehmerverbänden mangelte. Die Schwäche der Schweizer Gewerkschaften im 20. Jahrhundert war allerdings nicht das Resultat einer allfälligen Zurückhaltung im Hinblick auf Arbeitsniederlegungen, vielmehr entkräftete das Ende der Hochkonjunktur die Argumente der Gewerkschaften für weitere Zugeständnisse vonseiten der Arbeitgeber. Der Mythos der „Friedensinsel Schweiz“, welche im Gegensatz zu den europäischen Nachbarländern kaum Arbeitskämpfe kannte, ist somit das Resultat von asymmetrischen Machtverhältnissen und nicht die Folge von vermeintlicher Harmonie zwischen Schweizer Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden.

External ID
88055

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