Wie Biel mit seinem Umland (alt)eidgenössischer Ort werden wollte und schliesslich in den neuen Kanton Bern integriert wurde

18. November 2014 - 01:00
Lecture
Vortrag von Tobias Kaestli: 18. November 2014 Vortragsbeginn: 18.15 Uhr. Biel war im Ancien Régime Teil des Fürstbistums Basel und gleichzeitig Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft. 1798 wurden Stadt und Meiertum Biel sowie das Erguel (Vallon de St-Imier, Pieterlen, Meinisberg, Reiben) von französischen Truppen besetzt. Zusammen mit dem ganzen ehemaligen Fürstbistum wurde Biel in die französische Republik integriert und blieb auch Teil des napoleonischen Kaiserreichs. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig stiessen österreichischer Truppen in den Jura und ins Schweizerische Mittelland vor, drängten Napoleons Truppen zurück und anerkannten den Südjura als Teil der Schweiz. Die Bieler Notabeln glaubten, sie könnten nun die 16 Jahre französischer Herrschaft gleichsam ungeschehen machen und an den Verhältnissen der Zeit vor 1798 anknüpfen – allerdings unter Weglassung der einstigen fürstbischöflichen Landeshoheit. Im Rahmen der schweizerischen Eidgenossenschaft wollten sie einen souveränen „Freystaat“ im Umfang ihres einstigen Bannergebiets errichten. Es kam anders. Die Grossmächte entschieden am Wiener Kongress, das ehemalige Fürstbistum samt Biel solle Bern angegliedert werden. Die Bieler Notabeln, die teilweise noch reaktionärer gesinnt waren als die Berner Patrizier, wehrten sich bis zuletzt dagegen. Als ihnen schliesslich nichts anderes übrig blieb, als die sogenannte Vereinigungsurkunde zwischen dem ehemaligen Fürstbistum und Bern zu unterzeichnen, erreichten sie immerhin, dass die alten Bieler Sonderrechte weitgehend anerkannt wurden. Diese passten aber nicht in einen sich erneuernden bernischen Staat. Die Reibereien zwischen Biel und Bern hielten an, bis schliesslich die Revolution von 1830/31 neue verfassungsmässige Grundlagen schuf. Aber selbst dann noch versuchten die Bieler aus ihren Sonderrechten Kapital zu schlagen, indem sie zum Beispiel weiterhin auf dem aus dem Mittelalter stammenden Zollrecht beharrten. Während Jahrhunderten hatten die Bieler eifersüchtig ihr Stadtrecht verteidigt. In ihrer Stellung zwischen dem fürstbischöflichen Landesherrn, und den eidgenössischen Verbündeten war es ihnen gelungen, bis 1798 die Autonomie Biels zu behaupten. Nach dem Anschluss an Bern versuchten sie erneut, möglichst unabhängig und auf ihre engeren Interessen bezogen zu politisieren. Gegenüber der Kantonsregierung neigten sie zu einem gewissen Misstrauen. Im Jurakonflikt standen sie dann allerdings grossmehrheitlich auf der Seite Berns.
Organised by
Historischer Verein des Kantons Bern

Veranstaltungsort

Hörsaal F023 im Unitobler
Lerchenweg 36
3012 
Bern

Kosten

CHF 0.00