Vortrag von Porf. Ekaterina Emeliantseva Koller, Dr. phil., Osteuropahistorikerin, Uni Bern
Seit der Christianisierung beeinflussten Religion und Glaube Russlands Beziehungen zu Westeuropa. Die russisch-orthodoxe Kirche stützte zwar die Autokratie, religiöse Vielfalt stellte jedoch ihre Macht immer wieder infrage. Viele Glaubensgemeinschaften boten Rückzugsmöglichkeiten und trugen oft subversive Kraft in sich. In der Sowjetzeit war die Kirche vom Staat getrennt, Religion Verfolgungen ausgesetzt. Dennoch wurden nicht alle Sowjetmenschen Atheisten. Nach dem Kollaps der Sowjetunion füllte der orthodoxe Glaube das ideologische Vakuum und ist heute Teil von Putins antiwestlicher Ideologie.
Ekaterina Emeliantseva Koller ist Osteuropahistorikerin und forscht zur Geschichte der Sowjetunion im globalen Kontext. Sie promovierte 2013 an der Universität Basel und lehrte an den Universitäten Zürich, Basel, Luzern und St. Gallen. Nach ihrer Lehrtätigkeit in Bangor/Wales (UK) war sie zwischen 2017 und 2023 SNF-Professorin an der Universität Zürich. Sie forscht und publiziert insbesondere zur Kulturgeschichte Russlands und der Sowjetunion sowie zur jüdischen Geschichte in Osteuropa und zur Sportgeschichte.