Health Activism in the Philippines: the Medical Action Group (1982 – 2000)

AutorIn Name
Anna Katharina
Funk
Academic writing genre
Master thesis
Status
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Julia
Richers
Institution
Historisches Institut
Place
Bern
Year
2025/2026
Abstract

In jüngster Zeit wurde das Verhältnis von Expertise und Aktivismus kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert. Welche Rolle sollten Expert:innen und Wissenschaftler:innen in politischen Debatten spielen? Haben Expert:innen eine Verantwortung, sich für gesellschaftspolitische Anliegen einzusetzen, oder verlieren sie durch Aktivismus ihren Status als Expert:innen? Wo verläuft die Grenze zwischen Wissenschaft und Aktivismus? Eine geschichtswissenschaftliche Arbeit kann keine Antworten auf diese normativen Fragen liefern, aber sie kann aufzeigen, wie andere Menschen diese Fragen in der Vergangenheit für sich beantwortet haben.
 

Die Masterarbeit befasst sich mit der Medical Action Group (MAG), einer philippinischen Menschenrechtsorganisation, die 1982 von Personen aus dem Gesundheitsbereich gegründet wurde. Die MAG nahm früh Kontakt zu solidarischen Organisationen im In- und Ausland auf und setzte sich auf nationaler und transnationaler Ebene für gesundheitspolitische Themen, Menschenrechte und gegen Nukleartechnologien ein. Die Untersuchung lehnt sich an Forschungen zu Menschenrechtsorganisationen und zu transnationalem berufsspezifischem Aktivismus an, in denen bislang die 1990er Jahre und Initiativen aus nicht-westlichen Ländern wenig beachtet wurden. Die Fragestellung lautet: Wie begründeten die Mitglieder der MAG ihren transnationalen berufsspezifischen Aktivismus? Mit Blick auf Kontakte, Ideen und Aktivitäten bezieht die Masterarbeit die Forschungsfrage auf zwei zentrale Themenfelder der MAG: gewalttätige politische Konflikte und Nukleartechnologien. Methodisch ist die Arbeit in der Ideen- und transnationalen Geschichte zu verorten.

 

Das Quellenmaterial setzt sich überwiegend aus Magazinen, Berichten, Konferenzbeiträgen, Korrespondenz, Publikationen und Interviews zusammen. Das private Archiv der MAG wurde bei einer Flut zerstört, weshalb das Archivmaterial aus den Beständen verschiedener NGOs in diversen öffentlichen und privaten Archiven stammt, die mit der MAG im Austausch standen. Folglich handelt es sich bei den Quellen überwiegend um Dokumente, die die MAG mit anderen Organisationen teilte. Die Überlieferung ist fragmentarisch und bildet hauptsächlich die Sichtweisen von Personen ab, die in der MAG Führungs- oder Angestelltenpositionen einnahmen. Aufgrund der Verfügbarkeit des Quellenmaterials umfasst der Untersuchungszeitraum die Jahre 1982 bis 2000.

 

Die MAG war transnational vernetzt und stand in Kontakt mit berufsspezifischen NGOs sowie Menschenrechtsorganisationen, deren Spenden, Solidaritätsarbeit, wissenschaftliche Expertise und öffentliches Ansehen die MAG unterstützten. Zugleich hatte die transnationale Zusammenarbeit Grenzen, da die MAG vornehmlich auf nationaler Ebene aktiv war, einige Mitglieder Differenzen zu westlichen Organisationen empfanden und die Zusammenarbeit mit Organisationen aus Südamerika, Afrika und Asien nur punktuell war. Die Mitglieder der MAG begründeten ihren Aktivismus auf vielfältige Weise und gingen dabei über berufsbezogene Argumente hinaus. Als Organisation mit einer berufsspezifischen Ausrichtung verwies die MAG zwar auf die medizinische Expertise und eine besondere ethische Verpflichtung von Gesundheitspersonal. Zudem hatte die MAG eine ambivalente Haltung gegenüber dem sozialen Status von Ärzt:innen, da sie einerseits ärztlichen Elitarismus kritisierte und andererseits das soziale Ansehen von Ärzt:innen als geeignete Grundlage für soziales Engagement betrachtete. Neben solchen berufsbezogenen Überlegungen verwiesen die Mitglieder der MAG allerdings auf eine Vielzahl von politischen, ethischen und persönlichen Motiven, die ihr Engagement bestimmten. Als Menschenrechtsorganisation war die MAG Teil eines Netzwerks anderer, nicht-berufsspezifischer NGOs auf den Philippinen, mit denen sie kooperierte, ohne sich mit Verweis auf professionelle Grenzen von ihnen zu distanzieren. Die MAG beschränkte sich nicht nur auf medizinische Themen und Aktivitäten, sondern befasste sich auch mit politischen Rechten und engagierte sich für nationale Souveränität. Schlechte Gesundheit betrachtete die MAG als sozioökonomisch bedingt und übte Kritik am politischen System. Die MAG verstand sich offen als politische Organisation und lehnte politische Neutralität ab. Zudem prägten individuelle Erfahrungen von Armut, schlechter Gesundheit und politischer Repression den Aktivismus einiger Mitglieder der MAG. Indem die Masterarbeit anhand der MAG auf die Vielfalt der Begründungen für aktivistisches Engagement von Expert:innen hinweist, leistet sie einen Beitrag zur bestehenden Forschung über berufsspezifischen Aktivismus, in der bislang vor allem berufsbezogene Argumente im Vordergrund standen.

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