"Wie zusammenleben? Projekte der Transformation des alltäglichen Lebens zwischen Subjektivität und kollektiver Organisation in den Nachfolgebewegungen zu 1968 in der Schweiz "

AutorIn Name
Julian
Stoffel
Academic writing genre
PhD thesis
Status
laufend/en cours
DozentIn Name
Prof.
Caroline
Arni
Institution
Departement Geschichte
Place
Basel
Year
2025/2026
Abstract

Basisdemokratische Entscheidungen, flache Hierarchien, das Ausdiskutieren von Problemen, eine antiautoritäre Haltung– die Ausgestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen in Gruppen beschäftige die von 1968 Bewegten und war Ansatzpunkt vielfältiger Versuche, emanzipative Veränderungen von Gesellschaft und Subjekten umzusetzen. In diesen Versuchen sehen Forschungsnarrative oftmals Wegpunkte einer zunehmenden Beschäftigung mit sich selbst, welche spätestens in den 1980er Jahren in eine Selbstbespiegelung mündete, die das entpolitisierte Ende einer 1968 revolutionär gestarteten Bewegung erklären soll. Was aber genau emanzipative Veränderung bedeutete und wie sich diese Veränderung konkret gestaltete, wird selten eingehender behandelt.

In meinem Promotionsvorhaben möchte ich anhand exemplarischer Beispiele aus der Schweiz einen genaueren Blick auf solche Versuche emanzipativer Veränderung durch Kollektivität werfen und diese eingehender historisieren. Dafür fokussiere ich auf Texte, welche die Relevanz des Kollektivs programmatisch formulieren und kollektive Praktiken, wie beispielsweise Selbsterfahrungsgruppen oder die interne Organisation eines autonomen Jugendzentrums, in denen Ideen der Kollektivität umgesetzt werden sollten. Inwiefern solche Praktiken nicht zuletzt auf subjektiver Ebene zu Veränderungen führten, werde ich anhand zeitgenössischer Erfahrungsartikulationen und von mir durchgeführter Oral History-Interviews eruieren. Meine exemplarischen Beispiele stammen aus der Neuen Frauenbewegung, der autonomen Jugendbewegung und dem alternativen Milieu, decken verschiedene Schauplätze in der Deutschschweiz ab und bieten einen lokalen Einblick in transnational verbreitete Praktiken der Kollektivität. Mit der Historisierung solcher Praktiken und deren Konzeptualisierung von Veränderung schliesst mein Promotionsvorhaben eine Forschungslücke, welche für die Schweiz in besonderem Mass besteht, da für die Nachfolgebewegungen zu 1968 kaum überregionale Forschungen vorliegen, die einen systematischen Ansatz verfolgen.

External ID
96322