Academic writing genre
PhD thesis
Status
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Brigitte
Studer
Codirection
Caroline Arni
Institution
Departement Geschichte
Place
Bern
Year
2017/2018
Abstract
Der Erste Weltkrieg und der Landesstreik in der Schweiz wurden von verschiedenen sozialen Kräften der Zeit als Bestätigung verstanden, dass sich die Gesellschaft aufgrund der herrschenden Ungerechtigkeiten und der Klassengesellschaft in einer tiefen Krise befinde. Die Niederschlagung des Landesstreiks hatte die bürgerliche Übermacht demonstriert, welche sich gesellschaftlichen Veränderungsversuchen in den Weg stellte. Eine der Bewegungen, die solche Veränderungen suchten, waren die religiösen Sozialistinnen und Sozialisten um den charismatischen Theologen Leonhard Ragaz (1868-1945). Sie stellten sich aus christlicher Überzeugung in die Tradition von Sozialismus und Arbeiterbewegung. Mit dieser Position handelten sie sich in den 1920er Jahren die Missgunst des Bürgerblocks in der Schweiz ebenso ein, wie der kommunistischen Linken. Sie stand damit aber auch an der Schnittstelle emanzipatorischer Diskurse der Zeit. In dieser Bewegung, deren Akteurinnen und Akteure meist dem Bildungsbürgertum angehörten, engagierten sich trotz der Übervertretung von Pfarrern und Theologen immer Frauen. Offenbar bot die religiös-soziale Bewegung ihnen einen Ort politischer und gesellschaftlicher Partizipation.
In meiner Dissertation geht es um die Frage, warum Frauen in dieser lose organisierten, eher elitären Bewegung aktiv wurden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die religiösen Sozialistinnen immer auch in anderen Netzwerken und Organisationen, etwa der Genossenschafts-, der Frauen- und Friedensbewegung aktiv waren. Am Beispiel von Clara Ragaz (1874-1957) und Dora Staudinger (1886-1964) sollen die thematischen und organisatorischen Räume beleuchtet werden, die sich die Protagonistinnen in diesen Bewegungen schufen. Die Biographien der beiden Protagonistinnen werden dabei zu Fenstern auf die Möglichkeiten und Grenzen sozialpolitischen Engagements von Frauen in der Schweiz der 1920er Jahren. Die Dissertation leistet einen Beitrag zur Frage weiblicher politischer Partizipation vor dem Stimm- und Wahlrecht in der Schweiz und lotet Grenzziehungen und Verwischungen zwischen privatem und öffentlichem, sozialem und politischem Engagement aus.
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