Während des Zweiten Weltkriegs waren die Beziehungen der Schweiz zum südlichen Nachbarn Italien von wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten geprägt. Diese Untersuchung analysiert entgegen vieler bis dato durchgeführten Studien nicht die behördliche und militärische Ebene im Umgang mit Italien, sondern fokussiert sich auf eine Ebene der Öffentlichkeit, diejenige der Presse. Die Arbeit konzentriert sich des Weiteren auf einen ganz bestimmten Kanton mit politischen und sprachlichen Eigenheiten. Das Wallis zeichnet sich nicht nur durch seine geografische Nähe zu Italien aus, sondern unterhielt mit dem südlichen Nachbarn schon über einen langen Zeitraum wirtschaftliche und freundschaftliche Kontakte. Durch die alliierte Invasion in Italien, die Besetzung des italienischen Festlandes durch die Wehrmacht und die Gründung der Repubblica Sociale Italiana im Jahre 1943 verschoben sich die Fronten ins Landesinnere Italiens, wobei die Konflikte Auswirkungen auf die Schweiz hatten. Flüchtlinge, in Grenznähe operierende Partisanen und Neo-Faschisten, sowie Schmugglerbanden bildeten die neue Realität an der Schweizer bzw. Walliser Grenze.
Die Arbeit untersucht, wie die Walliser Presse den politischen Umbruch in Italien und den inneritalienischen Konflikt zwischen Antifaschisten und „Nazi-Faschisten“ bewertet hat. Sie beantwortet die Frage nach der Rolle traditionell schweizerischer Werte wie Neutralität und Solidarität in der Walliser Presselandschaft. Aufgrund der von katholisch-konservativen Ansichten dominierten Presse analysiert sie zudem den Einfluss des Antikommunismus auf die Betrachtung des politischen Umbruchs in Italien. Als Mikrokosmos der vermeintlich einheitlichen und homogenen Schweiz des Zweiten Weltkriegs, zeigt das Fallbeispiel Wallis auf, wie vielseitig und heterogen doch die Schweiz zu dieser Zeit eigentlich war.