Academic writing genre
Master thesis
Status
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Cristina
Späti
Institution
Seminar für Zeitgeschichte
Place
Fribourg
Year
2017/2018
Abstract
Die vorliegende Arbeit untersucht die Imaginationen des Orientalen am Beispiel von Louis Rambert (1839-1919) und John Ninet (1815-1895). Diese Fragestellung nimmt Bezug zur Orientalismus-Theorie von Edward W. Said. Nach Said war der Orient ein reines Konstrukt des Westens. Die Kolonialmächte, insbesondere Frankreich und Grossbritannien, erschufen den Orient als das „Andere“ zu Europa. Europa wurde mit den Begriffen „männlich, zivilisiert, stark“ charakterisiert, der Orient dagegen als „weiblich, schwach, fanatisch religiös“. Dieses „Wissen“ sei, so Said, von den Kolonialmächten eingesetzt worden, um den Orient und die Orientalen zu beherrschen.
Analysiert wurden Ausschnitte aus dem Tagebuch von Louis Rambert, einem Waadtländer der ab Ende des 19. Jahrhunderts mehr als 20 Jahre seines Lebens im Osmanischen Reich in Konstantinopel lebte. Er war in verschiedenen Funktionen tätig, unter anderem als Direktor des Tabakmonopols. John Ninet stammte aus Genf und war ab Ende der 1840er Jahre im Baumwollanbau in Ägypten tätig. Er hatte in den politisch unruhigen Zeiten Ägyptens, ab den 1860er Jahren, unter anderem in der französischen „La Revue des deux mondes“ und in der französischen Zeitung „Le Siècle“ publiziert. Die untersuchen Quellen von Ninet umfassen die Jahre 1861 bis 1881.
Die Untersuchung hat gezeigt, dass Louis Rambert sehr differenziert über die verschiedenen sozialen Gruppen im Osmanischen Reich schrieb. Er beurteile die Menschen nach ihrem sozialen Status und kaum nach ihrer Herkunft. Seine Imaginationen des Orientalen sind verbunden mit Imaginationen über den Orient der Antike. John Ninet war auf die Fellachen – die ägyptischen Bauer und Anbauer von Baumwolle – fokussiert. Die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen stand bei ihm über allem anderen. Orientalische Denkmuster finden sich keine bei John Ninet.