Vortrag von Dr. Gösken Urs, Islamwissenschaflter und Dozent Arabisch Uni/ETH Zürich
Die Maurenherrschaft wurde nach 1492 in Spanien, Portugal und den Maghreb-Staaten sehr unterschiedlich erinnert. In Spanien diente der Islam als Negativfolie für nationale Identität; im Franquismus wurde muslimisches Erbe hispanisiert und islamfeindlich umgedeutet. Portugals Estado Novo inszenierte es selektiv national. In Marokko gilt die maurische Vergangenheit als Beweis islamischer Fortschrittlichkeit und kultureller Stärke. Diese unterschiedlichen Geschichtsbilder und die Kämpfe um die Deutungshoheit insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert stehen im Zentrum dieses Kurses.
Urs Gösken hat an der Universität Zürich in Islamwissenschaften promoviert, mit einem Schwerpunkt auf die Geistesgeschichte und Literatur. Als Dozent für Arabisch, Persisch und Türkisch sowie im Rahmen von Fachveranstaltungen steht er regelmässig an der Universität und ETH Zürich im Einsatz. Seit mehr als 20 Jahren leitet er Kulturreisen in die islamische Welt. In verschiedenen Ländern mit islamischer Bevölkerungsmehrheit, etwa in Iran und Irak, hat er mehrere Jahre gelebt.