CfP: CIERA-Juniorkolloquium: Söldnertum und Fremdenlegionsdienst. Eine deutsch-französische Verflechtungsgeschichte (19.- 21. Jahrhundert) / Mercenariat et service au sein de la Légion étrangère. Une histoire croisée franco-allemande (XIXe-XXIe siècle)

8. July 2026
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Die Geschichte des Söldnertums in der europäischen Moderne ist eng mit der deutsch-französischen Geschichte verflochten. Von ca. 350.000 Soldaten, die zwischen 1870 und 1962 in der französischen Fremdenlegion dienten, stammten mit ca. 125.000 mehr als ein Drittel aus dem deutschsprachigen Raum. Bereits vor der Gründung der Légion étrangère am 10. März 1831 standen deutschsprachige Söldner während Jahrhunderten in französischem Militärdienst (beispielsweise während der Burgunderkriege 1474–1477, als Gardes Suisses während der Bourbonendynastie oder als Soldaten während den Napoleonischen Kriegen 1792–1815). Deutschsprachige Fremdenlegionäre kämpften unter französischer Fahne in Konflikten innerhalb Europas und in imperialen Interventionen in Mexiko, vor allem jedoch in unterschiedlichen Kolonialkriegen in Afrika und Asien. Ihre Präsenz machte stellenweise knapp über die Hälfte des gesamten Legionspersonals aus und ist somit auch eine bedeutsame Facette deutschsprachiger Kolonialgeschichte ohne Kolonien.

Jenseits der individuellen Erfahrungen der Legionäre und ihrer kollektiven Bedeutung als »manpower« für koloniale Kriege, beeinflussten politische Diskurse über die französische Fremdenlegion auch die deutschsprachige und französische Literatur und Populärkultur des 19. und 20. Jahrhunderts. Ab den 1880er-Jahren verbreitete sich im deutschsprachigen Raum das Genre der »Anti-Legionsliteratur«, französischsprachige Söldnermemoiren wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Fortsetzungsromane in Tageszeitungen abgedruckt und im 20. Jahrhundert führten gerade auch deutsche und französische Filmadaptionen zu einer Transnationalisierung der medialen Legionsdiskurse.

Man kann in der Légion étrangère somit einen »transnationalen und transkulturellen Erfahrungsraum par excellence« sehen, der sich anbietet, um die deutsch-französischen Wechselbeziehungen des 19., 20. und 21. Jahrhunderts zu analysieren.[1]

Darüber hinaus soll jedoch auch die Geschichte der europäischen Fremdenlegionen im Plural mit Hinblick auf globale Verflechtungsdynamiken, koloniale Herrschaftsstrukturen und internationale Arbeitsmigration untersucht werden. Bis heute im medialen Schatten der französischen Fremdenlegion, setzten so zum Beispiel auch Spanien und die Niederlande ihre jeweiligen Fremdenlegionen in ihren Kolonialkriegen ein.

Das CIERA-Juniorkolloquium beabsichtigt, insbesondere die deutsch-französische, aber auch die europäisch-globale Verflechtungsgeschichte von Söldnertum und Fremdenlegion ab dem langen 19. Jahrhundert sichtbar zu machen und interdisziplinär zu thematisieren. Doktorierende und Postdocs, sollen dabei die Gelegenheit erhalten, ihre Forschungsprojekte mit anderen Forschenden und erfahrenen Expert:innen in einem interdisziplinären Rahmen zu diskutieren. 

Mögliche Beiträge könnten sich unter anderem (aber nicht ausschließlich) auf folgende Themenfelder fokussieren:

  • Motivation und Sozialprofil von Fremdenlegionären, Legion als Migration und military labour
  • Kriegs- und Alltagserfahrungen im transkulturellen Raum Fremdenlegion
  • Deserteure und Antikolonialismus
  • die Fremdenlegion(en) als »Männerbund«? Gender, Männlichkeitsdiskurse und Körperpraktiken, Frauen und Fremdenlegion(en)
  • mediale Rezeption und kulturelle Produktion zu Fremdenlegion(en) - Die Fremdenlegion als Motiv von deutschen und französischen Literatur-, Film- und Theaterproduktionen
  • koloniale Gewalt und transimperiale Aspekte der Fremdenlegionsgeschichte
  • »alte« und »neue« Fremdenlegionen? Söldnertum im 21. Jahrhundert und die Kriege der Gegenwart

Das geplante Juniorkolloquium wird auf Französisch und Deutsch vorbereitet und auch zweisprachig durchgeführt werden. Die Referierenden können in ihrer präferierten Sprache vortragen. Sämtliche Abstracts und Informationen werden jeweils zweisprachig den Teilnehmenden zur Verfügung gestellt. Englischsprachige Beiträge sind auch willkommen.  

Die Veranstaltung wird am 29. und 30. September 2026 am Deutschen Historischen Institut in Paris stattfinden und richtet sich in erster Linie an deutsch- und französischsprachige Doktorierende und Postdoktorierende der Geschichtswissenschaften, der Soziologie, der Politik-, Literatur-, Theater- und Filmwissenschaften sowie der Kunstgeschichte, die sich in ihren Forschungsprojekten mit den Themen »Söldnertum« und »Fremdenlegionsdienst« auseinandersetzen.

Interessierte Doktorierende und Postdoktorierende werden gebeten dem Organisationskomitee ein Abstract für einen Beitrag (ca. 300 Wörter) und eine Kurzbiografie bis zum 08.07.2026 an folgende E-Mailadresse: ciera_colloque_sept2026@proton.me zuzusenden. Die Rückmeldung des Organisationskomitees erfolgt bis zum 15.07.2026.


[1] Christian Koller, Die Fremdenlegion. Kolonialismus, Söldnertum, Gewalt (1831–1962), Paderborn 2013, S. 26.

Organisiert von
Carla-Maëlys Barboutie (DHIP/ Univ. Grenoble), Jannis Girgdies (Berlin), Valeria Vollmer (Univ. Zürich)

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Carla-Maëlys Barboutie (DHIP/ Univ. Grenoble), Jannis Girgdies (Berlin), Valeria Vollmer (Univ. Zürich)

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