Mit dem Bund vom 4. Juni 1352 wurde das Tal Glarus erstmals in die Eidgenossenschaft aufgenommen. Obwohl das Bündnis lediglich drei Monate bestand, fiel Glarus daraufhin–zumindest de jure –wieder unter die habsburgische Herrschaft zurück. Gleichwohl wird Glarus zu den acht Alten Orten gezählt. Im Vergleich zu den anderen Bundesbriefen jener Zeit weist der Glarner Bund aber einige Unterschiede auf. Das Tal wurde mit diesem sogenannten „Minderen“ oder „Bösen Bund“ in einer untergeordneten Stellung in das Bündnissystem der Eidgenossen aufgenommen. Die Arbeit untersucht die Rolle der Stadt Zürich im Kontext der Entstehung dieses Bundes. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche strategischen, militärischen und politischen Überlegungen Zürich dazu veranlasst haben, bei der Eroberung des Tales Glarus mitzuwirken und, trotz dessen peripheren Lage sowie fehlenden städtischen Struktur, als Bundespartner aufzunehmen.
Diese Untersuchung basiert zum einen auf der Analyse von zeitgenössischen Chroniken und Annalen wie der Chronik der Stadt Zürich, der Historia ecclesiastica von Heinrich Truchsess von Diessenhofen sowie der titellosen Chronik von Mathias von Neuenburg. Zum anderen bildet die systematische Auswertung des Inhalts des Glarner Bundesbriefes von 1352 den Hauptbestandteil der Arbeit.
Durch die Analyse der zeitgenössischen historiographischen Werke sowie der Formulierung der einzelnen Artikel des Briefes von 1352 wird ersichtlich, dass das Bündnis nicht Ausdruck homogener Interessen, sondern das Ergebnis von asymmetrischen Machtverhältnissen war.
Bei der Entstehung und der Ausarbeitung des Bündnisses zwischen Glarus und den eidgenössischen Orten spielte die Reichsstadt Zürich eine prominente Rolle. Die vorliegende Arbeit kommt zum Ergebnis, dass Zürich–im Zuge seiner expansiven Bündnispolitik unter Bürgermeister Rudolf Brun– ein starkes Interesse an Glarus hatte. Dieses Interesse lag vor allem in strategischen Überlegungen begründet: Durch die verstärkte Einflussnahme auf die Region zwischen Zürichund Walensee sollte die für Zürich wirtschaftlich bedeutende Walenseeroute gesichert werden. Es ist davon auszugehen, dass Glarus in ein Bündnis minderer Stellung aufgenommen wurde, da die anderen eidgenössischen Orte–insbesondere Schwyz und Uri–verhindern wollten, dass Zürich einen zu grossen Einfluss in der Region erhielt. Die niedere Stellung von Glarus ist somit das Ergebnis konkurrierender Interessen zwischen den Bündnispartnern.