Das Kadettenkorps Aarau. Das Kadettenwesen als Transfermedium zwischen Militär, Schule und Gesellschaft

AutorIn Name
Nick-Noah
Bortot
Art der Arbeit
Masterarbeit
Stand
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
PD Dr.
Carl Alexander
Krethlow
Institution
Historisches Institut
Ort
Bern
Jahr
2024/2025
Abstract

Das Kadettenwesen war über weite Strecken des 19. und 20. Jahrhunderts eine zentrale Institution im Schweizer Schulalltag männlicher Jugendlicher. Die vorliegende Masterarbeit untersucht anhand des Kadettenkorps Aarau die Funktionen und Wandlungsprozesse des Kadettenwesens als historisches Transfermedium zwischen Militär, Schule und Gesellschaft. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern das Kadettentum nicht nur als vormilitärische Ausbildung diente, sondern auch ein kulturelles und pädagogisches Vehikel war, über das Werte, Normen und institutionelles Wissen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Feldern vermittelt wurden.

 

Ausgehend von einem ideengeschichtlichen Zugriff wird das Kadettenwesen als hybrider Raum verstanden, in dem sich militärische, schulische und gesellschaftliche Elemente kreuzen und gegenseitig transformieren. Der theoretische Rahmen stützt sich unter anderem auf Konzepte des Wissenstransfers sowie auf kulturwissenschaftliche Ansätze zu Hybridität, Macht und Legitimität. Dabei wird das Kadettentum nicht nur als Instrument militärischer Vorbildung interpretiert, sondern als Spiegel einer umfassenden bürgerlichen Erziehungs- und Ordnungsvorstellung.

 

Die Untersuchung basiert auf einer Vielzahl ungedruckter Quellen, namentlich aus dem Staatsarchiv Aargau und dem Stadtarchiv Aarau. Dazu gehören administrative Akten, Protokolle, Ausbildungsrichtlinien sowie Tagebücher des Kadettenkorps Aarau aus der Zeit von 1948 bis 1972. Ergänzend werden didaktische Materialien und Veranstaltungsdokumentationen ausgewertet. Die Quellenanalyse erfolgt qualitativ-hermeneutisch und legt besonderen Wert auf die institutionellen, kulturellen und sozialen Kontexte der jeweiligen Zeit.

 

Die Arbeit zeigt auf, dass das Kadettenwesen nicht nur der körperlichen und militärischen Ertüchtigung diente, sondern als Schnittstelle gesellschaftlicher Integration fungierte. Es vermittelte Disziplin, Gemeinschaftssinn, staatsbürgerliche Werte und ein starkes Nationalbewusstsein. Der Transfer militärischer Praktiken und Symboliken in den schulischen Alltag sowie die Einbindung lokaler Traditionen – etwa durch die Teilnahme am Aarauer Maienzug – machen deutlich, wie tief das Kadettenwesen in der lokalen Gesellschaft verankert war. Gleichzeitig spiegeln sich in seinem Niedergang ab der Mitte des 20. Jahrhunderts gesellschaftliche Verschiebungen und zunehmende Kritik an militärischer Frühprägung.

 

Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur historischen Bildungs- und Militärforschung, zur Vereinsgeschichte sowie zur Analyse kultureller Transferprozesse im schweizerischen Kontext.

Zugang zur Arbeit

Bibliothek

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