Gonur depe. Eine neuentdeckte bronzezeitliche Hochkultur - Der murghabo-baktrische Kulturkomplex Mittelasiens, 2300-1600 v. Chr.

16.11.2014 Add to calendar

11.00 Uhr
Begrüssung
Laurent Gorgerat
Kurator der Abteilung Orient und Naher Osten, Antikenmuseum Basel

11.10Uhr
Neuste Ausgrabungen in Eurasien
Die aktuellen Ausgrabungen der Gesellschaft zur Erforschung EurAsiens von 2013
Bildvortrag

Dr. Christoph Baumer
Seit Jahrtausenden ist Eurasien Schauplatz von Völkermigrationen und Handelskontakten, weshalb es schon früh zu einem regen und faszinierenden kulturellen Austausch von Kunstformen, Konzepten und Ideen kam. Die Gesellschaft zur Erforschung EurAsiens leistet dazu einen wissenschaftlichen Beitrag durch die Förderung archäologischer Projekte.
Die Gesellschaft, gegründet im Jahr 2004, fördert neu sieben Ausgrabungen in Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan (siehe Rückseite), drei weitere sind abgeschlossen. Zum ersten Mal geht die Gesellschaft beim Projekt Gonur, Turkmenistan, eine Kooperation mit einer Schweizer Universität ein.

11.30–12.30 Uhr
Gonur depe. Eine neuentdeckte bronzezeitliche Hochkultur
Der murghabo-baktrische Kulturkomplex Mittelasiens, 2300-1600 v.Chr.

Bildvortrag in deutscher Sprache

Dr. Sylvia Winkelmann-Witkowsky
Dr. Sylvia Winkelmann-Witkowsky studierte Orientalische Archäologie und Kunst an der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg mit der Ausrichtung Archäologie Mittelasiens, Irans und Nordwestindiens. Sie promovierte 1986 bei Prof. Burchard Brentjes über die bronzezeitliche Keramik Nordwestindiens und Südturkmenistans. Seitdem arbeitet sie über interregionale Beziehungen zwischen Vorderasien, Mittelasien und Indien, besonders in der Bronzezeit (3./2. Jt. v. Chr.) und der Parther- und Gandhãra-Zeit. Dr. Winkelmann-Witkowsky ist eine ausgewiesene Kennerin der bronzezeitlichen murghabo-baktrischen Hochkultur Mittelasiens, langjähriges Mitglied der Russisch-Turkmenischen Archäologischen Expedition in der Margiana und leitet die Schweizer Ausgrabung in der alten Hauptstadt der Margiana, Gonur depe. Sie lehrte viele Jahre mittelasiatische Archäologie an der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg und ist seit 2014 als assoziierte Forscherin am Institut für Archäologische Wissenschaften (IAW) der Universität Bern tätig.

Die murghabo-baktrische Hochkultur und Gonur depe
Bis in die 70er Jahre hinein ging die Wissenschaft davon aus, dass sich im 3. Jt. v. Chr. nur in Ägypten, Mesopotamien, Iran und im Industal frühe Hochkulturen herausgebildet haben, welche die weitere Entwicklung der Menschheit prägten. Dieses Bild änderte sich erst mit der unerwarteten Entdeckung einer neuen bronzezeitlichen Hochkultur in Mittelasien, die sich zwischen 2300 und 1600 v. Chr. von Turkmenistan über Usbekistan bis nach Afghanistan erstreckte und zum Zentrum einer iranisch-mittelasiatischen Kultur-Koiné wurde, die sich parallel zu und unabhängig von der mesopotamischen entwickelte. Diese Koiné war ein zutiefst innovativer Kulturraum mit spektakulären Fundgruppen, einer aussergewöhnlichen Ikonographie, ungewöhnlicher Monumentalarchitektur, einer hoch spezialisierten Wirtschaft mit Bewässerungslandwirtschaft, Bergbau, Metallurgie, der Produktion von Luxusgütern und einem entwickelten Fernhandel, der Mittelasien mit dem Industal und Mesopotamien verband. Die hier entwickelten Artefaktgruppen, Techniken und Motive beeinflussten nicht nur die umliegenden Kulturen in Iran, Indien und im Persischen Golf, sondern lassen sich teilweise noch Jahrtausende später in Mittelasien, Eurasien und China fassen. Hauptstadt dieser Kultur war Gonur depe in Süd-Turkmenistan, eine erst 1972 mitten in der Karakum-Wüste entdeckte Stadt, die sich im alten, heute von der Wüste bedeckten Delta des Murghab-Flusses befindet und seit 1988 freigelegt wird. Schweizer Archäologen sind an den Ausgrabungen dieser ungewöhnlichen Ruinenstätte beteiligt, zu der u.a. zwei befestigte Palastanlagen, riesige Handwerkerviertel, eine grosse Nekropole, ein Königsfriedhof und ungewöhnliche Tierbestattungen gehören. Gonur depe wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Der Vortrag stellt die Stadt, die zugehörige Hochkultur und Ergebnisse der russischen und schweizerischen Ausgrabungen vor.
Eintritt frei.

Organisiert von: 
Gesellschaft zur Erforschung EurAsiens
Veranstaltungsort
Skulpturenhalle Basel, Vortragsraum
Mittlere Strasse 17
4056
Basel
Basel Stadt
Sprachen der Veranstaltung: 
Deutsch
Zusätzliche Informationen
Kosten
Kosten Veranstaltung: 
0.00 CHF