Der bayerische Offizier Franz Carl Endres (1878-1954) zählt zu der kleinen Gruppe von Offizieren, die aus dem Ersten Weltkrieg die Lehre gezogen und sich dem Pazifismus zugewandt haben. Nach seiner Erkrankung an Malaria im Rahmen der deutschen Militärmission in der Türkei wandte er sich bereits gegen Ende des Ersten Weltkrieges gegen die deutsche Kriegführung. Nach dem Krieg wurde er als Schriftsteller und Journalist tätig. In weiser Voraussicht zog er bereits 1926 in die Schweiz und wurde kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Baselland eingebürgert. Auf Grund seiner enormen publizistischen Leistung ist Endres ein interessantes und dankbares Forschungsobjekt. Zudem hat die Forschung die pazifistischen Offiziere bisher eher stiefmütterlich behandelt.
Da bereits eine ausführliche Biographie von Simon Schärer (1999) besteht, setzt sich diese Arbeit vor allem mit Endres’ pazifistischen und publizistischen Werken der 1920er und 1930er Jahre auseinander.
Dabei wird die Position Endresí zu Fragen wie Militarismus, Völkerbund, Paneuropaidee, dem Bild des zukünftigen Krieges und dem Gaskrieg sowie seiner Idee der Weltmenschheit analysiert. Gleichzeitig wird der Versuch unternommen seine Stellungnahmen in den zeitgeschichtlichen Kontext und Konzeptionen einzuordnen.
Viele seiner Aussagen waren keineswegs neu, bezog sich Endres doch in seinen Werken auf die bestehenden Theorien und Publikationen. Er nahm die Ideen zum Völkerbund, der Paneuropaidee von Graf Coudenhove-Kalergi, die bis dato erschienenen Auseinandersetzungen mit dem Militarismus auf und kritisierte bzw. fügte seine Ergänzungen an. Seine Darstellungen zu den modernen Kriegführungen – erschienen vor allem in der Basler Nationalzeitung – sollten auch ein grösseres Publikum über die Gefahren eines weiteren Krieges aufklären.
Das Verdienst Endresí liegt somit weniger in der Erarbeitung von neuen friedenspolitischen Konzepten oder der tatkräftigen Mitarbeit in der Weimarer Friedensbewegung, sondern in erster Linie in seinem Wandel vom Offizier zum Pazifisten und seinen publizistischen Aufklärungsversuchen.
Bedauerlich ist, dass der Nachlass Endres’ trotz intensiver Bemühungen nicht ausfindig gemacht werden konnte. Von diesem Nachlass hätte man sich vor allem Auskünfte über den inneren Wandel von dem «kaiserlichosmanischen» Offizier zum überzeugten, wenn auch gemässigten Pazifisten erhoffen können. Daher sollten weitere Forschungsarbeiten verstärkt nach dem bisher verschollenen Nachlass suchen.