Freiheit – Gleichheit – Sicherheit“. Politische Polizei in der Helvetik (1798-1800),

AutorIn Name
Fredy
Schnyder
Art der Arbeit
Lizentiatsarbeit
Stand
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
André
Holenstein
Institution
Historisches Institut
Ort
Bern
Jahr
2007/2008
Abstract

Das hier vorgestellte Lizentiatsprojekt widmet sich der Erforschung der Sicherheits- und Informationspolitik in der Helvetischen Republik. Mit der Einrichtung einer politischen Polizei beabsichtigte die helvetische Regierung, den jungen Zentralstaat gegen Aufstände im Innern der Republik sowie Vorbereitungen der Gegenrevolution durch helvetische Emigranten zu schützen. Das Ziel war, rechtzeitig über potentiell staatsgefährdende Aktivitäten informiert zu sein, um mit Hilfe der französischen Besatzungsarmee repressive Gegenmassnahmen einleiten zu können. Die Lizentiatsarbeit diskutiert diese Bestrebungen, schliesst damit Forschungslücken im Bereich des polizeilichen Staatsschutzes der Helvetik und leistet einen Beitrag zur Polizeigeschichte, der Widerstandsforschung und der Denunziationsforschung.

 

Die Studie behandelt die Zeit von der Gründung der Helvetischen Republik im April 1798 bis zum Sturz des Direktoriums, der helvetischen Exekutive, im Januar 1800. Grundlage der Analyse bilden Akten aus dem Helvetischen Zentralarchiv, insbesondere die Korrespondenz des Direktoriums und des Justiz- und Polizeiministers Franz Bernhard Meyer von Schauensee mit den Regierungsstatthaltern der helvetischen Kantone. Um die Vorgänge auf lokaler Ebene besser erfassen zu können, werden Akten der Staatsarchive Solothurn und Aargau einbezogen. Der Fokus der Recherche wird hierbei auf die nachrichtendienstlichen Funktionen der Unterstatthalter und Agenten gelegt. Geographisch beschäftigt sich die Analyse primär mit dem Gebiet der Nordwestschweiz. Die helvetische Regierung erkannte die grösste Bedrohung in helvetischen Emigranten, die sich im vorderösterreichischen Fricktal und ab 1799 im preussischen Fürstentum Neuenburg aufhielten. Der Staatsschutz zielte daher in erster Linie auf die Überwachung dieser Gebiete und Personen.

 

Der erste empirische Teil der Studie thematisiert die Informationsbeschaffung in der Praxis. Zur Sprache kommen die von der Regierung angewandten nachrichtendienstlichen Methoden, von Spionageaktionen im In- und Ausland, der Kontrolle von Briefen und des Reiseverkehrs, der Überwachung verdächtiger Personen bis zur Entgegennahme von Denunziationen durch helvetische Beamte. Dabei werden auch Fragen zu den beteiligten Akteuren beantwortet, ebenso zu den Konsequenzen, die die Kooperation mit den helvetischen Behörden für Spione und Denunzianten, z. B. im dörflichen Umfeld, haben konnte. Besondere Beachtung verdient die Beobachtung, dass das Direktorium spezielle Kundschafter aussandte, die nicht nur Personengruppen überwachten, die gegenrevolutionärer Aktivitäten verdächtigt wurden, sondern auch die Arbeit der lokalen Behörden kontrollierten. Zweitens wird die administrative Organisation der Informationsbeschaffung diskutiert. In der Helvetik erfolgte unter dem Direktorium eine Verdichtung und Intensivierung der nachrichtendienstlichen Tätigkeiten, die zu einer Bündelung der Informationskanäle führte. Immer stärker verfügte das Direktorium über ein aktives und passives Informationsmonopol und übernahm damit die Funktion eines zentralen Nachrichtendienstes. Höhepunkt der Professionalisierung und Institutionalisierung der Informationsbeschaffung war die Schaffung einer politischen Polizei innerhalb der Berner Maréchaussée, die ausschliesslich mit nachrichtendienstlichen Aufgaben betraut wurde und gänzlich von exekutiv-polizeilichen Tätigkeiten freigestellt war.

 

Drittens werden theoretische und konzeptionelle Grundlagen der helvetischen Sicherheitsund Informationspolitik betrachtet. Dargestellt wird, wie die helvetische Sicherheitspolitik zunehmend polizeistaatliche Charakterzüge aufwies, weil das Direktorium den Staatsschutz laufend verschärfte und der bedrängten politisch-militärischen Lage anpasste. Allerdings keimte innerhalb des Parlaments Widerstand gegen die Einschränkung der verfassungsmässig garantierten Freiheiten und Rechte der Bürger auf. Dies führte zur Abkehr von militärischen Repressalien hin zum intensivierten Aufbau von politisch-polizeilichen Instrumenten. Zentrale Figur bei der Ausarbeitung der konzeptionellen Grundlagen war Justiz- und Polizeiminister Meyer von Schauensee. Er plante, eine politische Polizei, wie sie mit der geheimen Abteilung der Berner Maréchaussée verwirklicht worden war, für das gesamte Staatsgebiet einzurichten. Dies scheiterte jedoch an finanziellen und politischen Problemen.

 

Abschliessend wird der Aufbau von sicherheitspolitischen Instrumenten in der Helvetik mit entsprechenden Vorgängen im Ausland verglichen und die helvetischen Bemühungen in den europäischen Kontext eingeordnet. Dabei werden Parallelen zur Einrichtung einer politischen Polizei im aufgeklärt-absolutistischen Österreich im 18. Jahrhundert sichtbar, kaum jedoch zum revolutionären Frankreich.

 

Die Lizentiatsarbeit wird in der Reihe Berner Forschungen zur Regionalgeschichte erscheinen.

Zugang zur Arbeit

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