From London East End to Homeland, Grossbritanniens Palästinapolitik von 1897 bis 1917 am Beispiel der Balfour Declaration.

AutorIn Name
Katharina
Wälchli
Art der Arbeit
Lizentiatsarbeit
Stand
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Stig
Förster
Institution
Historisches Institut
Ort
Bern
Jahr
2006/2007
Abstract

Im November 1917 wandte sich der britische Foreign Secretary Arthur James Balfour in einem Brief an Lord Walter Rothschild, einem offiziellen Vertreter der jüdischen Gemeinden Grossbritanniens, und liess darin verlauten, die britische Regierung werde bemüht sein, in Palästina eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen. Das Schreiben bedeutete für die Juden – insbesondere für die Anhänger des politischen Zionismus – eine grosse politische Errungenschaft, denn sie standen seit längerem mit einzelnen Vertretern der britischen Regierung in Kontakt und verhandelten über die Schaffung eines jüdischen Staates. Dafür hatten sie vor allem Palästina, das damals Teil des Osmanischen Reichs war, im Blickfeld. Die Vertreter der britischen Regierung ihrerseits glaubten, dass der Erste Weltkrieg nach erfolgter britischer Kriegserklärung an das Osmanische Reich eine politische Neugestaltung Palästinas beziehungsweise des gesamten Mittleren Osten zur Folge haben werde, woran sie aufgrund kolonialer Interesse in diesem Raum unbedingt mitwirken wollten. Die Entstehung der Balfour Declaration – wie das Schreiben von Balfour später genannt wurde – steht im Zentrum der Lizentiatsarbeit. Dabei interessiert vor allem, welche Umstände und Ereignisse zur Balfour Declaration führten, sowie die Frage, warum die britische Regierung diese Erklärung den britischen Zionisten ausstellte. Eine Untersuchung des Quellenmaterials und des Forschungsstandes zu Beginn der Arbeit macht deutlich, dass sich zahlreiche ForscherInnen bereits in den 1960er und 1970er Jahren dieser Thematik annahmen und in umfangreichen Monographien die Entstehungsumstände der Balfour Declaration analysierten. Nach 1980 wird die Balfour Declaration immer noch häufig erwähnt, jedoch fast ausschliesslich in Untersuchungen zur Gründung des Staates Israel, wobei ihrer politischen Wirkung und Umsetzung nach 1917 oft mehr Aufmerksamkeit als den Entstehungsumständen vor und während des Ersten Weltkriegs geschenkt wird. Dieses schwindende Interesse steht im Gegensatz zu den Untersuchungen über das politische und militärische Handeln Grossbritanniens im Ersten Weltkrieg. Forschungen in diesem Bereiche werden nämlich seit den späten 1980er Jahren intensiv getätigt, weshalb in der Lizentiatsarbeit weiter die Frage danach gestellt wird, ob die Entstehung der Balfour Declaration aufgrund dieser Forschungslage neu interpretiert werden sollte.

 

Die Beantwortung dieser Fragen erfolgt in drei Schritten. In einem ersten Teil der Arbeit wird der Fokus auf die britisch-jüdische Beziehung vor dem Ersten Weltkrieg gerichtet, wobei insbesondere die zionistische Bewegung Grossbritanniens und die Verhandlungen derer Vertreter mit der britischen Regierung hinsichtlich der Gründung eines jüdischen Staates interessieren. Dies hilft zu verstehen, in welcher Beziehung die beiden Verhandlungspartner der Balfour Declaration zueinander standen. In einem zweiten Teil wird vorwiegend die britische Aussenpolitik während der Kriegsjahre von 1914 bis 1916 untersucht. In diesem Zusammenhang interessieren verschiedene Abkommen, die Grossbritannien in dieser Zeit mit unterschiedlichen Parteien einging. Diese Verträge hatten nämlich alle einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Balfour Declaration und auf das Verhalten britischer Regierungsvertreter. Im dritten Teil werden schliesslich die Verhandlungen zwischen den britischen Zionisten und der Regierung Grossbritanniens im Jahre 1917, welche schliesslich in der Balfour Declaration gipfelten, dargelegt.

 

Der Aufbau der Lizentiatsarbeit folgt dem chronologischen Entstehungsprozess der Balfour Declaration, genau so wie das auch bei den meisten Monographien der 1960er und 1970er Jahre der Fall ist. Diese Vorgehensweise ermöglicht nämlich einen fortlaufenden Vergleich des älteren Forschungsstandes mit dem jüngeren, wobei das Folgende ersichtlich wird: Die Kriegshandlungen zwischen Grossbritannien und dem Osmanischen Reich in der Zeit von November 1914 bis November 1918 scheinen dafür bestimmend gewesen zu sein, dass schrittweise die Voraussetzungen für ein Versprechen in der Art der Balfour Declaration geschaffen wurden. Diese Umstände werden in der älteren Forschung detailliert ausgeführt. Die Analyse der jüngeren Forschungsliteratur zeigt aber, dass weitere Aspekte der Wirtschafts-, Sozialund Mentalitätsgeschichte eine ebenso wichtige Rolle spielten. Es zeigt sich daher, wie komplex der Entstehungsprozess politischer Dokumente ist und dass das Zusammenfügen vieler einzelnen Aspekte – seien es die Erkenntnisse jüngerer oder älterer Forschungen – eine Neuinterpretation hinsichtlich der Entstehung der Balfour Declaration zwar nicht erfordert, aber das Verständnis darüber, wie sie entstehen konnte, besser fassbar macht.

Zugang zur Arbeit

Bibliothek

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