Hydrologische Ereignisse in Solothurn. Eine historisch-hydrologische Auswertung der Seckelmeisterrechnungen von 1437-1510

AutorIn Name
Ken
Ineichen
Academic writing genre
Master thesis
Status
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Christian
Rohr
Institution
Historisches Institut
Place
Bern
Year
2019/2020
Abstract


Wasser war als überlebensnotwendige Ressource ein ständiger Begleiter des Menschen. Die Niederlassungen an Gewässern vereinfachten viele Aspekte des menschlichen Lebens, doch waren die Vorteile mit einer ständigen Gefahr hydrologischer Schadensereignisse verbunden. Da diese konstante Bedrohungslage zum Alltag der mittelalterlichen Gesellschaft gehörte, wurde es nicht für notwendig erachtet, diese entsprechend schriftlich festzuhalten, ausser es traten extreme Ereignisse auf. Basierend auf diesen Voraussetzungen liegt der Zugang über Rechnungsbücher und Ratsmanuale nahe, um an Informationen zu Hochwassern, Eingängen und allgemein Starkniederschlag in Solothurn zu gelangen, da in diesen Quellen Schäden und Reparaturen verzeichnet wurden.


Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Seckelmeisterrechnungen Solothurns auf hydrologische Extremereignisse auszuwerten und damit gleichzeitig einen Beitrag zur Aufarbeitung der Bestände des Staatsarchivs Solothurn zu leisten. Der Seckelmeister war der Finanzverwalter des Stadtstaates Solothurn. Es wird untersucht, welche hydrologischen Ereignisse mit Wasserüberfluss anhand der Seckelmeisterrechnung in Solothurn in wiederkehrender und gesellschaftsbeeinflussender Form auftraten und wie die Bevölkerung und die Regierung darauf reagierten. Um diese Forschungsfragen zu beantworten, wurde eine serielle Auswertung der Seckelmeisterrechnungen Solothurns vorgenommen; die evaluierten Ereignisse wurden durch Informationen aus der Solothurner Chronik von Franz Haffner und aus den Ratsmanualen ergänzt. Bei der Untersuchung erfolgte eine Einschränkung auf Hochwasser, Starkregen, Schnee, Hagel und Eisgänge. Dabei wurden die Ereignisse so genau wie möglich analysiert und klassifiziert, um eine angemessene Auswertung und Vergleichsmöglichkeit zu schaffen. Im untersuchten Zeitraum von 1437-1510 traten insgesamt 49 Ereignisse verschiedener Typen auf, womit es durchschnittlich rund alle eineinhalb Jahre zu einem nennenswerten hydrologischen Ereignis kam. Im Stadtstaat Solothurn betrafen diese vor allem die Aare und die Birs, die wiederum stark von den Niederschlägen und der Schneeschmelze in den Alpen abhängig waren. Demnach machten die Hochwasser über die Hälfte aller nachgewiesenen Ereignisse aus, wobei aufgrund der fehlenden Aufarbeitung nur die wenigsten in einen überregionalen Kontext gesetzt werden konnten. Das bedeutendste Ereignis des untersuchten Zeitraumes stellt das Jahrhunderthochwasser von 1480 dar, welches in Grossteilen der Schweiz und in Teilen Deutschlands zu schweren Hochwasserereignissen führte. Gemäss dem Ausmass ist dieses spezifische Ereignis vergleichsweise gut aufgearbeitet. Grundsätzlich ereignete sich in der Stadt Solothurn alle drei bis vier Jahre ein Hochwasser, das zu Schäden führte und demgemäss verzeichnet wurde. Die zeitliche Verteilung der Ereignisse untermauert die Annahme, dass Eisgänge hauptsächlich im Winter auftraten und sich Hochwasser im Kontext der Schneeschmelze im Sommer verstärkt ausbildeten. Die örtliche Verteilung bestätigte die kausale Verbindung von hydrologischen Ereignissen in Solothurn und Olten, da beide Städte an der Aare liegen. Obwohl direkt nach Solothurn die Emme in die Aare fliesst, konnten entgegen den Erwartungen keine kausalen Zusammenhänge und Korrelationen zwischen Hochwassern an der Emme und Hochwassern in Olten nachgewiesen werden, obschon die Emme für ihre extremen Hochwasserereignisse bekannt ist.


Über alle Ereignisse hinweg zeigte sich, dass die Gesellschaft den Umgang mit hydrologischen Ereignissen gewohnt war und je nach Ereignis verschiedene Handlungsmuster aufzeigte: Bei drohenden Eisgängen wurden Eisenpfähle an die Brücke geschafft, bei Hochwassern Wächter stationiert und Seile zur Beseitigung von Treibgut vorbereitet. Die Bevölkerung Solothurns arbeitete zusammen und versuchte, bei Gefahr die Brücken zu schützen, da diese eine zentrale Wirtschaftsachse darstellten. Hydrologische Ereignisse waren ein fester Bestandteil des mittelalterlichen Lebens an Gewässern, so auch in Solothurn, weshalb sich angepasste Umgangsformen und Handlungsmuster in Krisensituationen entwickelten. Die Charakteristika von Regen, Kälte und Tauwetter liessen die Bevölkerung entsprechende Vorsichtsmassnahmen ergreifen, deren finanziellen Auslagen wiederum in den Seckelmeisterrechnungen verzeichnet wurden.

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