Identitätsdiskurse in der italienischen Schweiz. Sprache und Bilder in der Debatte um die „italianità“ (1908-1945)

AutorIn Name
Marie-France
Lombardo
Academic writing genre
Master thesis
Status
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Philipp
Sarasin
Institution
Neuzeit
Place
Zürich
Year
2017/2018
Abstract
Am Vorabend des ersten Weltkriegs herrschte in der italienischen Schweiz ein angespanntes Klima. Die schlechte wirtschaftliche Lage, die strake Emigration aus den Tälern, die durch die Eröffnung des Gotthard-Eisenbahntunnels verursachte Immigration von Deutschschweizern und die anschwellenden nationalistischen Gefühle ausserhalb der Schweizer Grenzen schufen das Bedürfnis, die Position der italienischen Schweiz innerhalb der Eidgenossenschaft in Frage zu stellen, oder zumindest zu rechtfertigen. Aus diesem Bedürfnis entstand eine Identitätsdebatte, welche die politischen und intellektuellen Kreise der italienischen Schweiz über die kommenden Jahrzehnte beschäftigte. Zentral für die Debatte war die Spannung zwischen der Erhaltung der italienischen Sprache und Kultur einerseits (die „italianità“) und der politischen Zugehörigkeit zur Schweiz andererseits. Anders formuliert: wie konnte man diese scheinbaren Gegensätze zwischen einer kulturellen und einer politischen Zugehörigkeit vereinbaren? Die Intellektuellen, die an der Diskussion teilnahmen, bildeten ab den 20er Jahren zwei unterschiedlichen Gruppen: die sogenannten „Helvetisten“, welche den Schutz der „italianità“ immer in einem eidgenössischen Kontext sahen und eine stärkere Integration der italienischen Schweiz in die restliche Eidgenossenschaft begrüssten, sowie die „Italianisten“, die für eine engere Beziehung zu Italien plädierten und die italienische Schweiz kulturell sogar als italienisches Gebiet betrachteten. Mit dem Aufkommen des Faschismus’ und dem Interesses des Regimes an dieser Diskussion, bekam die Identitätsdebatte eine nationale und internationale Bedeutung, denn die italienische Schweiz wurde im Grunde genommen zum Schauplatz eines ideologischen Konflikts. Die Arbeit nimmt sich vor, die Debatte sprachlich zu analysieren und zu untersuchen, welche Bilder, Topoi und Mythen eingesetzt wurden, um die Identität der italienischen Schweiz zwischen Eidgenossenschaft und Italien zu definieren. Ausgehend von Roland Barthes’ Konzept des Mythos’ als Verknüpfung von Signifikant und Signifikat, wird die Identitätsdebatte im Rahmen einer Mythenkonstruktion und – dekonstruktion untersucht. Besondere Aufmerksamkeit wird den Bildern und Mythen gegeben, die von mehreren Seiten in der Debatte eingesetzt wurden, jedoch mit unterschiedlichem Inhalt. Der analysierte Zeitraum beginnt 1908, als sich Tessiner Intellektuelle zum ersten Mal für die Förderung der italienischen Sprache konkret eingesetzt haben und endet 1945 mit dem deutlichen Erfolg der helvetistischen Seite.

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