Hiroshima und Nagasaki im "Atomic Age". Die Thematisierung von Betroffenen und Überlebenden in U.S.-amerikanischer psychologischer Forschungsliteratur

AutorIn Name
Bettina
Zangerl
Academic writing genre
Master thesis
Status
abgeschlossen/terminé
DozentIn Name
Prof.
Philipp
Sarasin
Institution
Neuzeit
Place
Zürich
Year
2014/2015
Abstract
Ausgangslage dieser Arbeit ist eine Beobachtung: Die Überlebenden der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki erfahren eine andere mediale Behandlung und psychologische Analyse als die Opfer anderer historischer Kriegsereignisse. Weder mit den Erfahrungen und Mühsalen des Ersten Weltkrieges, noch mit den Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges scheinen sich die Erfahrungen der Atombombenopfer vergleichen zu lassen. Nur zaghaft beginnt man Ende des 20. Jh. von einer traumatischen Erfahrung der Opfer zu sprechen, trotz inflationärem Gebrauch dieses Begriffes und verbreiteter psychologischer Analysen, z.B. der traumatischen Erfahrungen der Naziverbrechen bereits kurz nach 1945. Es stellt sich die Frage, inwiefern Hiroshima und Nagasaki überhaupt Gegenstand psychologischer Forschung waren und welche Themenschwerpunkte sich in der Nachkriegsforschung gebildet haben. Untersucht wird die amerikanische Forschungslandschaft der Psychologie während der ersten vier Jahrzehnte nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki. Im Zentrum steht dabei die sich wandelnde Interpretation und Auseinandersetzung mit den Atombombenopfern und den Betroffenen der neuen Technologie. Die frühe Forschung wendet sich kaum den unmittelbar Betroffenen zu. Im Fokus diverser Untersuchungen und Fragestellungen liegen die veränderten sozialen Bedingungen und die damit verbundenen psychologischen Implikationen im Atomic Age. Mit dem Fokus auf Beiträge, die sich explizit auf Hiroshima und Nagasaki beziehen, haben sich folgende Forschungsgebiete und Themen herauskristallisiert: die Disaster-Forschung, sozialpsychologische Themen wie Einstellungen (attitudes) oder Apathie gegenüber der neuen Waffe und Beiträge zur Verantwortung und Relevanz der Psychologie. Durch Robert J. Liftons Hiroshima-Forschung wird Mitte der 60er Jahre innerhalb der westlichen psychologischen Forschung der Fokus erstmals direkt auf die Leiden der unmittelbaren Atombombenopfer gelenkt. In seiner Forschung finden sich Entwicklungen und Tendenzen, psychologische Kategorien und Diagnosen vom Individuum auf ganze Gesellschaften zu übertragen (psychic numbing, atomic neurosis). Bearbeitet wird die Frage, welche Entwicklungen in der psychologischen Forschungslandschaft nach Hiroshima und Nagasaki festgestellt werden können und welche Konzepte im Horizont der Atomic Age-Debatte entwickelt oder vertieft wurden, mit besonderem Blick auf die Thematisierung von Betroffenen und Opfer. Diese Arbeit leistet folglich einem Beitrag in verschiedenen Bereichen: Erstens wird die spezifisch auf Hiroshima und Nagasaki ausgerichtete psychologische Forschung zusammengetragen und zweitens im Hinblick auf die Thematisierung der Opfer und Betroffenen ausgewertet. Die Forschung von R.J. Lifton wird drittens ebenfalls aus einer neuen Perspektive analysiert und in einen Zusammenhang mit der früheren Forschung gestellt. So können wissenschaftsinterne Kontinuitäten und Brüche erkannt werden und nach ihren Bezügen und ihrer Relevanz im gesellschaftspolitischen Kontext befragt werden.

Access to the work

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