Als der Murerplan 1576 erschien, war es, als hätte ein Magier ein Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert. Erstmals sahen die Zürcherinnen und Zürcher ihre Stadt aus der Vogelperspektive. Noch heute hängt dieses Meistwerk der Kartografie in vielen Amtsstuben und Haushalten. Doch Jos Murer (1530–1580) hat die Kunst der Renaissance nicht nur als Kartograf, sondern auch als Glasmaler geprägt. Zahlreiche seiner «kristallin leuchtenden» Kunstwerke sind international in Museen präsent. Und weniger bekannt: Er schrieb mehrere Dramen, die auf dem Fraumünsterhof aufgeführt wurden und regelrechte Volksfeste waren.
Doch wie schaffte es Jos Murer, die Stadt mit all ihren verwinkelten Gassen und trutzigen Türmen von oben zu zeigen? Und wie gelang es ihm, daneben als Ratsmitglied tätig zu sein und mit seiner Frau Barbara eine Familie mit zwölf Kindern – trotz Pest und Klimaverschlechterung – über die Runden zu bringen? Martin Weiss führt in einer spannenden Erzählung durch das Leben und Werk des «da Vinci von Zürich» und veranschaulicht seine Geschichte an den Schauplätzen des Murerplans.
Eingebettet ist sie in die dramatischen Umbrüche der Zeit – von den Folgen der Reformation bis zur Frage, ob die Erde um die Sonne kreist oder umgekehrt. Weiss schreibt damit eine Kulturgeschichte Zürichs im 16. Jahrhundert.
Martin Weiss hat in Zürich Literatur- und Kunstgeschichte studiert und ist Autor zahlreicher Dokumentarfilme und Bücher aus der Kultur- und Kunstgeschichte, u.a. die «Urchuchi – das kulinarische Erbe der Schweiz».
Vernissage: Dienstag, 29. September, 17 Uhr im ehemaligen Atelier von Murer im Nägelihof, Restaurant Mère Catherine
Stadtrundgang im Rahmen von Zürich liest: 24.10. um 14 Uhr und 25.10. um 10.30 Uhr, Start: Zentrum Karl der Grosse
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