Die Debatte über eine zunehmende Emotionalisierung von Politik ist ein zentrales Thema unserer Zeit: Während viele diesen Trend beklagen und ein Übermaß an Gefühlen als Bedrohung für vernunftgesteuertes politisches Handeln und die liberale Demokratie betrachten, verweisen andere auf die positive Rolle, die Emotionen in der politischen Kommunikation und als Motor gesellschaftlichen Wandels spielen. Sieben Thesen zum komplexen Verhältnis zwischen Politik und Gefühlen ordnen das Phänomen in seinen historischen Kontext ein und schlagen dabei zugleich einen Bogen zurück in die Gegenwart.
Ute Frevert ist Präsidentin der Max Weber Stiftung und Direktorin (em.) am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, wo sie von 2008 bis zu ihrer Emeritierung 2024 den Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“ leitete. Die Historikerin lehrte zuvor in Yale und hatte Professuren in Bielefeld, Konstanz sowie an der FU Berlin inne. Sie wurde 1998 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet und ist seit 2016 Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Aus richtungsweisenden Arbeiten zur Sozial- und Geschlechtergeschichte entwickelte sie ihr Forschungsinteresse an der Emotionsgeschichte und zeigt seither in zahlreichen Studien, inwiefern Gefühle historisch geprägt sind und ihrerseits geschichtsbildende Kraft entfalten. 2020 wurde sie dafür mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa geehrt.
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