Tremate, tremate le streghe son tornate! Hexen in der Populärkultur – Figuren und Narrative in Medien und Künsten

1. mai 2026
Appel à communication

Im Herbst 1996 startete die TV-Serie Sabrina, the Teenage Witch auf ABC Dieses kleine Jubiläum wollen wir nutzen, um uns in einer interdisziplinär ausgerichteten Tagung mit den vielfältigen, stetig changierenden Hexenbildern in der Populärkultur zu befassen.

Sabrina bietet sich als Ausgangspunkt an, weil sie einerseits Teil des von Rachel Moseley 2002 als «glamourous witchcraft» (vgl. Moseley 2003) bezeichneten Phänomens ist, das anhand der Figur der jungen Hexe Magie, Feminismus und Weiblichkeit zusammenzuführen versucht. Diese Art der Hexendarstellung ist für die späten 1990er Jahre prägend und wird in der TV-Serie Charmed (1998) oder in den Filmen The Craft (1996) und Practical Magic (1998) verbreitet. Andererseits, weil die Hexe Sabrina schon ab den 1960er Jahren in den Archie-Comics und einer Animationsserie auftritt und ab 2018 auch mit The Chilling Adventures of Sabrina ein Remake erfährt (vgl. Mathis, Graves und Tyndall 2023). Der letzte Titel verweist auf eine Tendenz, die sich ab den 2010er Jahren wieder deutlicher manifestiert, indem die dunkle, gefährliche Seite der Hexe, die lange prägend war, wieder in den Vordergrund rückt. Ein Trend, der sich auch in den TV-Serien Salem (2014), American Horror Story mit der Staffel Coven (2013) oder im Film The VVitch. A New England Folktale (2015) niederschlägt (vgl. Corcoran 2022; Ho 2021; Johnston und Aloi 2007; Heller-Nicholas 2024; Greene 2018).

Diese Beispiele zeigen, dass die Hexenbilder untereinander im Austausch stehen, auf kulturelle Deutungsmuster rekurrieren, auf soziale, religiöse und wirtschaftliche Veränderungen der Gesellschaft reagieren (vgl. Blécourt 2017; Stephens 2020). Das nehmen wir als Gelegenheit, die vielfältigen Metamorphosen der Gestalt der Hexe in den letzten 250 Jahren seit dem Ende der gerichtlich sanktionierten Hexenverfolgungen zu betrachteten. Dabei sind wir uns bewusst, dass viele der heute verbreiteten Elemente des Hexenimaginationen eine zeitlich wesentlich weiter zurückreichende Geschichte aufweisen als die eingangs erwähnte Sabrina. Erinnert sei an die sexualisierten Hexendarstellungen bei Hans Baldung Grien oder Albrecht Dürer, oder an Quellen aus der Zeit der Hexenverfolgung wie der Wickiana oder dämonologische Schriften aus dem 15. und 16. Jahrhundert (vgl. Hinz und Brinkmann 2007; Hults 2005). In den Märchen – nicht nur bei den Brüdern Grimm – nehmen Hexen eine wichtige Rolle als hässliche, dämonische Antagonistinnen ein. Vorgezeichnet im 19. Jahrhundert (Michelet 1862), findet die Vorstellung der Hexe als Anhänger:in eines heidnischen (Frucht-barkeits-)Kultes im 20. Jahrhundert durch die Entstehung von Wicca und verwandten neureligiösen Gruppen Aufschwung (vgl. z.B. Hutton 1999; Magliocco 2004; Hegner 2019). Diese unterschiedlichen Elemente formieren in sich stetig ändernder Zusammensetzung das Bild der Hexe. Daraus lässt sich schließen, dass DIE Hexe nicht existiert – vielmehrwerden je nach Zeit- oder Sprachraum, literarischem Genre und Alter der intendierten Adressat:innen unterschiedliche Hexendarstellungen favorisiert. Ob als dämonisierte Außenseiterin, naturverbundene Heilerin oder Symbol weiblicher (menschlicher) Selbstermächtigung, fungiert die Hexe stets als Projektionsfläche.

Die geplante, interdisziplinär ausgerichtete Tagung nimmt Hexenbilder und Hexennarrative in ihrer historischen, sozialen und kulturellen Gewachsenheit in den Blick und fragt nach deren medialer, ästhetischer und/oder ideologischer Konstruktion.

Mögliche Themenfelder umfassen unter anderem:

- Historische und literarische Traditionslinien von Hexennarrativen 
- Aneignung und Umdeutung in zeitgenössischer Kunst und Popkultur 
- Hexenbilder in bildender Kunst, Theater, Musik, Film, Fernsehen und Streaming 
- Narrative und visuelle Strategien in Märchen, Sagen, Fantasy, Horror und Folk Horror 
- Hexen als politische und gesellschaftliche Projektionsfiguren 
- Gender- und Queer-Perspektiven auf Hexendarstellungen 
- Performative, rituelle und aktivistische Inszenierungen der Hexe 
- Hexen zwischen Kommerzialisierung, Tourismus und Fan-Kultur 
- Fashion, Social Media 
- Moral/Satanic Panics

Abstracts (max. 250 Wörter) sowie eine kurze biografische Notiz (ca. 50 Wörter) werden bis zum 01.05.2026 erbeten an hexen@isek.uzh.ch, damit auch diejenigen, die an der Walpurgisnacht tanzen müssen, keine Terminkollision haben. Alle Informationen finden Sie unter Tagung Hexen in der Populärkultur.

Die Benachrichtigungen über die Annahme erfolgt bis spätestens Ende Juni 2026. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist geplant.

Erwähnte Literatur

Blécourt, Willem de. 2017. Witches on Screen. In: The Oxford Illustrated History of Witchcraft and Magic, hg. von Owen Davies, 253–288. Oxford: Oxford University Press. 
Corcoran, Miranda. 2022. Witchcraft and adolescence in American popular culture: teen witches. Horror studies. Cardiff: University of Wales Press. 
Greene, Heather. 2018. Bell, book and camera: a critical history of witches in American film and television. Jefferson, North Carolina: McFarland & Company, Inc., Publishers. 
Hegner, Victoria. 2019. Hexen der Großstadt: Urbanität und neureligiöse Praxis in Berlin. Urban studies (Bielefeld, Germany). Bielefeld: Transcript. 
Heller-Nicholas, Alexandra. 2024. The cinema coven: witches, witchcraft and women’s filmmaking. Jefferson, North Carolina: McFarland & Company, Inc., Publishers. 
Hinz, Berthold und Bodo Brinkmann. 2007. Hexenlust und Südenfall: die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien Ausstellung, Frankfurt am Main, Städel Museum, 24. Februar-13. Mai 2007. Petersberg: Michael Im-hof Verlag. 
Ho, Aaron K. H., Hrsg. 2021. The new witches: critical essays on 21st century television portrayals. Jefferson, North Carolina: McFarland & Company, Inc., Publishers. 
Hults, Linda C. 2005. The witch as muse: art, gender, and power in early modern Europe. Philadelphia: Univ. of Pennsylvania Press. 
Hutton, Ronald. 1999. The triumph of the moon: a history of modern pagan witchcraft. Oxford ; New York: Oxford University Press. 
Johnston, Hannah E. und Peg Aloi, Hrsg. 2007. The new generation witches: teenage witchcraft in contemporary culture. Controversial new religions. Aldershot, England ; Burlington, VT: Ashgate. 
Magliocco, Sabina. 2004. Witching culture: folklore and neo-paganism in America. Contemporary ethnography. Philadelphia, Pa: University of Pennsylvania Press. 
Mathis, Cori, Stephanie A. Graves und Melissa Tyndall, Hrsg. 2023. Netflix’s Chilling adventures of Sabrina: Hell’s under new management. Lanham: Lexington Books. 
Moseley, Rachel. 2003. Glamorous Witchcraft: Gender and Magic in Teen Film and Television. Screen 43, Nr. 4: 403–422. 
Stephens, John. 2020. Where Have All the Witches Gone? The Disappearing Witch and Children’s Literature. In: The Routledge History of Witchcraft, hg. von Johannes Dillinger, 382–391. London: Routledge.

Organisation und Kontakt

Dr. Meret Fehlmann 
Prof. Dr. Christine Kötscher

Organisé par
Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft - Populäre Kulturen der Universität Zürich

Lieu de l'événement

Universität Zürich
Zürich

Coûts de participation

CHF 0.00