Die US-Fernsehserie «Holocaust» im Spiegel der Schweizer-Presse

Nom de l'auteur
Elena
Croft
Type de travail
Mémoire de master
Statut
abgeschlossen/terminé
Nom du professeur
Prof.
Christina
Späti
Institution
Seminar für Zeitgeschichte
Lieu
Fribourg
Année
2024/2025
Abstract

Die «Holocaust»-Fernsehserie gilt international als bedeutendes Medienereignis, welches eine Zäsur in der Aufarbeitung der Shoah darstellt. In der Schweiz löste die Erstausstrahlung 1979 eine rege mediale Diskussion aus, da erstmals eine breite Bevölkerung mit der Shoah konfrontiert wurde.

Die Masterarbeit geht der Frage nach: «Welche Erkenntnisse über die Rezeption des Holocausts in der Schweiz im Jahr 1979 können durch Presseartikel zur Ausstrahlung der «Holocaust»-Fernsehserie getroffen werden?» Das Interesse an dieser Forschungsfrage begrünet sich darin zu ermitteln, ob und inwiefern die Auseinandersetzung mit der Serie einen Beitrag zur Aufarbeitung der Shoah in der Schweiz leistete. Basierend auf Mayrings qualitativer Inhaltsanalyse wurden 28 Zeitungen aus den drei grossen Sprachregionen der Schweiz systematisch ausgesucht und analysiert. Dabei wurde ein Vergleich zwischen konservativen und liberalen, sowie zwischen Boulevard- und Qualitätszeitungen vorgenommen.

Die Analyse zeigt, dass der mediale Diskurs durch fünf zentrale Themen bestimmt wurde: 1) die Serie selbst, 2) die Vergangenheitsaufarbeitung, 3) kritische Reaktionen zur Serie, 4) Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, sowie 5) politische Debatten. Die Berichterstattung unterscheid sich je nach Zeitungstyp. Die konservativen Zeitungen berichteten vorwiegend faktenorientiert und waren national geprägt, wohingegen die liberalen eine kritisch-reflektierende und international orientierte Perspektive einnahmen. Die Boulevardzeitungen setzten auf Emotionalisierung und Personalisierung, während die Qualitätszeitungen bemüht waren, die Serie in ihren historischen Kontext einzuordnen.

Die Serie wurde durch die Presse ambivalent bewertet. Einerseits wurde sie dafür gelobt, die Thematik emotional zugänglich gemacht und ein breites Publikum erreicht zu haben. Andererseits wurde sie wegen ihrer historischen Vereinfachungen und Kommerzialisierungen kritisiert. Neben der medialen Darstellung der Shoah wurde insbesondere die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg thematisiert. Zeitgleich laufende innenpolitische Diskussionen, wie die Überfremdungsdebatten, verstärkten die Aufmerksamkeit für das Thema. Die Berichterstattung griff zudem frühere kritische Stimmen auf und zeigte, dass bereits ein gewisses Problembewusstsein vorhanden war. Trotzdem erfolgte die historische Aufarbeitung primär im Rahmen der Serienkritik, eine vertiefte Selbstreflexion blieb aus.

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