Swiss Medical Unit (1989 – 1990). Ein friedenserhaltender Einsatz im Spannungsfeld zwischen EDA und EMD

Nom de l'auteur
Jan Peter
Lang
Type de travail
Mémoire de master
Statut
abgeschlossen/terminé
Nom du professeur
PD Dr. phil
Daniel Marc
Segesser
Institution
Historisches Institut
Lieu
Bern
Année
2024/2025
Abstract

Das Engagement der Schweiz im Bereich der militärischen Friedensförderung fand bislang – mit Ausnahme des Einsatzes in Korea – wenig Beachtung in den Geschichtswissenschaften. Das Ende der Schutzfrist relevanter Archivbestände des Eidgenössischen Departments für Auswärtiges (EDA) und des Eidgenössischen Militärdepartements (EMD) ermöglicht nun die Untersuchung entsprechender Entwicklungen in den 1980er und 1990er Jahren unter Berücksichtigung von diplomatie-, politik- und militärgeschichtlichen Fragestellungen. Die Masterarbeit befasst sich mit dem ersten substantiellen personellen Beitrag der Schweiz an einer friedenserhaltenden Operation der UNO, nämlich der von 1989 bis 1990 in Namibia eingesetzten Swiss Medical Unit (SMU). Die Einheit war Teil der United Nations Transition Assistance Group (UNTAG), die den Unabhängigkeitsprozess in Namibia überwachte. Die Aufgabe der SMU war die Sicherstellung der medizinischen Versorgung der UNTAG. Zu diesem Zweck verfügte die SMU über vier vorgelagerte Kliniken, Luftmittel sowie zwei Stabsteile. Insgesamt leisteten 387 Personen verteilt auf drei Kontingente in Namibia Dienst.

 

Dem Einsatz in Namibia ging ein langwieriger verwaltungsinterner und politischer Prozess über den Ausbau des Schweizer Engagements im Bereich der militärischen Friedensförderung voraus. So hatte die Schweiz nach der langfristigen Verpflichtung in Korea über dreissig Jahre auf ähnliche Einsätze verzichtet. Erst im Zuge eines sich verändernden innen-, aussen- und sicherheitspolitischen Umfelds in den 1980er Jahren, sowie als direkte Folge des verlorenen Referendums über den Beitritt zur UNO 1986, entschied sich der Bundesrat 1988 für einen Ausbau der finanziellen, materiellen und personellen Beiträge an friedenserhaltende Operationen der UNO. Dieser Ausbau erfolgte im konzeptionellen Rahmen einer ausgreifenden Komponente der Sicherheitspolitik in der Tradition des sicherheitspolitischen Berichts von 1973.

 

Der langjährige multilaterale Friedensprozess über die namibische Unabhängigkeit kam ebenfalls 1988 zu einem erfolgreichen Abschluss. Die Schweiz bestätigte – ganz im Sinne des beschlossenen Ausbaus – bereits im Herbst 1988 die Partizipation an der entsprechenden friedenserhaltenden Operation der UNO. Die UNTAG sollte am 1. April 1989 implementiert werden. Für die Schweiz bedeutete dies, innert weniger Monate wesentliche Herausforderungen zu bewältigen. Darunter waren die Rekrutierung, Ausbildung und Ausrüstung des Personals, die Schaffung einer Rechtsgrundlage und die Kommunikation gegenüber der Bevölkerung. Als besondere Herausforderungen stellten sich der Aufbau von Strukturen und Kompetenzen innerhalb des EDA und des EMD sowie die Organisation der strategischen und operativen Führung heraus. Die Departemente mussten diese Kapazitäten parallel zum Einsatz in Namibia aufbauen.

 

Die SMU war als gemeinsames Projekt des EDA und des EMD konzipiert. Aus der Zusammenarbeit der beiden Departemente ergaben sich verschiedene Spannungsfelder. Prägend war insbesondere die Auseinandersetzung der Departemente um die zivile beziehungsweise militärische Ausrichtung des Einsatzes. So handelte es sich nominell um einen zivilen Einsatz. Die SMU war jedoch Teil der militärischen Komponente der UNTAG und als solche militärisch organisiert und geführt. Weiter resultierten aus der Organisation der strategischen und operativen Führung Konflikte. Parallele Stabsstrukturen in den beiden Departementen, unklare Kompetenzabgrenzungen und Unterstellungsverhältnisse sowie ungenügende KommunikationhattenwesentlicheFriktionenzur Folge. Eine teilweise Klärung dieser Verhältnisse trat erst im Herbst 1989 ein. Schliesslich kam es in Zusammenhang mit der SMU und deren Mandat zu Differenzen. Dies betraf etwa die Unterstützung von zivilen Gesundheitseinrichtungen, die Zusammenarbeit mit den südafrikanischen Streitkräften sowie die Kommando- und Stabsführung vor Ort.

 

Der Einsatz konnte mit der Entlassung Namibias in die Unabhängigkeit im März 1990 abgeschlossen werden. Die SMU leistete einen substantiellen Beitrag zu diesem Erfolg. Zu den zentralen Lehren des Einsatzes gehörte die strikte Trennung von aussenpolitisch-diplomatischen und militärisch-operativen Aspekten bei der Durchführung

zukünftiger friedenserhaltender Operationen. Der Einsatz der SMU in Namibia bildete die Grundlage für das weitere Engagement der Schweiz im Bereich der militärischen Friedensförderung, das bis heute anhält.

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