Type de travail
Mémoire de master
Statut
abgeschlossen/terminé
Nom du professeur
Prof. Dr.
Christian
Rohr
Institution
Historisches Institut
Lieu
Bern
Année
2012/2013
Abstract
Die Masterarbeit hat zum Ziel, auf der Basis einer historischen Analyse der Siedlung Gletsch deren Zukunftsperspektiven zu eruieren. Dafür wurde in einem ersten Teil untersucht, was die touristische Attraktivität von Gletsch ausmacht und wie sich diese und deren Faktoren im Laufe der Zeit entwickelten. Zusätzlich zu dieser historischen Analyse wurde die landschaftliche und naturwissenschaftliche Bedeutung des in der Nähe gelegenen Rhonegletschers und des Rhonegletschervorfelds diskutiert. Ferner hat die Arbeit die neusten Entwicklungen in Gletsch zum Thema, um die Rahmenbedingungen für die Analyse der Zukunftsperspektiven herauszuarbeiten.
Der zweite Teil der Arbeit thematisiert die Zukunftsperspektiven von Gletsch. Dafür wurde auf der Grundlage der Erkenntnisse der historischen Analyse, der erarbeiteten Rahmenbedingungen und mittels Untersuchungen neuster Forschungsliteratur zum alpinen Tourismus eine SWOT-Analyse durchgeführt, um herauszuarbeiten, woraus die Potentiale und Schwierigkeiten von Gletsch bestehen. Auf deren Basis konnte analysiert werden, welche touristischen Aktivitäten für Gletsch in Zukunft sinnvoll sind.
Die historische Analyse der Arbeit zeigt, dass bezüglich der touristischen Attraktivität von Gletsch und deren Faktoren im Laufe des untersuchten Zeitraums ein massgeblicher Wandel zu verzeichnen ist. Bis zum Ende der „Belle Epoque“ entwickelte sich die kleine Ortschaft zu einer stark frequentierten Transitstation, wobei deren Attraktivitätsfaktoren in erster Linie aus dem Standortvorteil an zwei Passstrassen und der Nähe des Rhonegletschers bestanden. Durch die für Gletsch vorteilhaften Entwicklungen bezüglich der allgemeinen Nachfrage nach Alpenreisen in die Schweiz sowie den V erkehrsentwicklungen erlebte die Transitstation ihre Blütezeit. In der Zeitspanne ab dem Ersten Weltkrieg führten jedoch ungünstige Entwicklungen bezüglich V erkehr und Nachfrage zu einer zunehmenden verkehrstechnisch und reisekulturell bedingten Defunktionalisierung der Hotelsiedlung. Des Weiteren wurde die touristische Attraktivität durch den Rückzug des Rhonegletschers massgeblich verringert.
In den letzten Jahren hingegen erfuhr Gletsch massgebliche V eränderungen, welche die Hotelsiedlung touristisch aufwerten. Durch den Anschluss an die Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) kann Gletsch von einem neuen Gästesegment, den DFB-Passagieren, profitieren. Des Weiteren wurde die natürliche Umgebung von Gletsch sowie auch dessen Ortsbild von offizieller Seite geschützt. Schliesslich gilt es auch die Aktivitäten insbesondere der Interessengemeinschaft Region Gletsch (IGRG) zu erwähnen, welche auf eine Aufwertung der Hotelsiedlung abzielen.
Die Ergebnisse der SWOT-Analyse für Gletsch legen nahe, dass die kleine Ortschaft aktuell zwar mit zahlreichen Schwächen zu kämfen hat, jedoch auch über eine grosse Anzahl an Stärken und Chancen verfügt. Aus den Stärken und Chancen ergibt sich für Gletsch ein beträchtliches touristisches Potenzial sowie auch Möglichkeiten, einige der Schwächen zu kompensieren.
Als bedeutendes Potenzial wird von der Autorin die Konzeption von Gletsch als historisches Freilichtmuseum erachtet. Ausserdem zeigen die Ergebnisse der SWOT-Analyse, dass der Seminartourismus für Gletsch ein relevantes touristisches Potenzial darstellt. Die Schwierigkeiten der Hotelsiedlung bestehen in erster Linie aus dem Lärm durch den starken Durchgangsverkehr sowie den Renovationskosten für die historischen Gebäude.
Aus den Ergebnissen der SWOT-Analyse ergeben sich Kriterien, nach welchen die bestehenden Ideen für touristische Aktivitäten in Gletsch bewertet werden können: So sind für Gletsch zum einen insbesondere solche touristischen Aktivitäten sinnvoll, welche mit der Geschichte von Gletsch und damit der Spezialisierungsstrategie als historisches Freilichtmuseum in Verbindung stehen, sodass die Authentizität von Gletsch ausgenutzt und gefördert werden kann. Zum anderen sind sie idealerweise auch mit den Destinationsgütern von Gletsch verbunden. Des Weiteren sollten sie das Zielpublikum der DFB-Passagiere und der Passfahrer sowie allgemein die Kulturund Naturtouristen ansprechen und einen gewissen Erlebnisfaktor aufweisen, welcher für den Erfolg von Naturund Kulturtourismus massgeblich ist. Ausserdem ist es als positiv zu werten, wenn die Aktivitäten im Rahmen von Kooperationen ermöglicht werden und die bereits bestehende Infrastruktur genutzt werden kann. Durch touristische Aktivitäten, welche sich im Rahmen dieser Kriterien bewegen, kann die Attraktivität von Gletsch und der Wandel von der Transitstation zur Destination gefördert werden.