Geschäfte auf dem literarischen Markt. Die Typographische Gesellschaft Bern 1758-1798

Nom de l'auteur
Stefan
Bösiger
Type de travail
Mémoire de licence
Statut
abgeschlossen/terminé
Nom du professeur
Prof.
André
Holenstein
Institution
Historisches Institut
Lieu
Bern
Année
2009/2010
Abstract


Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem 1758 aus dem Umfeld des Berner Patriziers und Aufklärers Vinzenz Bernhard Tscharner (17281778) hervorgegangenen Verlagsund Buchhandelsunternehmen „Typographische Gesellschaft Bern“. Im Zentrum der Arbeit steht die materielle Ebene der von dieser Gesellschaft verbreiteten Druckprodukte, wobei die erkenntnisleitende Fragestellung auf ein besseres Verständnis der Produktionsund Vertriebsmechanismen abzielt. Durch diese Fokussierung können zentrale Aspekte der Kommunikationsprozesse in der Zeit der Aufklärung aus der Perspektive der materiellen Produzenten der Kulturware Buch beleuchtet werden. Denn im Prozess der Wissensvermittlung nahmen Buchhändler und Verleger an der Schnittstelle zwischen Selektion, Produktion und Distribution des Schriftgutes eine entscheidende Position ein. Als zentrale Quellen dienen Geschäftskorrespondenzen aus dem Gesellschaftsarchiv der “Société typographique de Neuchâtel”, mit welcher die Berner Gesellschaft auf vielfältige Weise verbunden war.

Einleitend wird gezeigt, dass die Gründung des Unternehmens als ein Glied in der Kette der vielfältigen patriotischen und pädagogischen Bestrebungen der Zeit gesehen werden kann. Die ausschliesslich aus patrizischen Familien stammenden Gründungsmitglieder versuchten mit dem lokalen Buchverlag und -handel einige ihrer ideologischen Ziele, so zum Beispiel der Wissenstransfer zwischen Bern und anderen europäischen Städten oder auch die Bestrebungen, neu generierte ökonomische Erkenntnisse zu verbreiten, praktisch zu erreichen.

Daran anschliessend werden durch systematische Aufgliederung aller in der für diese Arbeit erstellten Verlagsbibliographie erfassten Werke Konturen eines spezifischen Verlagprofils ausgearbeitet. Insbesondere in der diachronen Perspektive fördert dies wichtige Erkenntnisse über Strategie und Ausrichtung des Unternehmens zu Tage. Was die thematischen Sachgebiete der produzierten Bücher und Zeitschriften betrifft, kristallisierten sich nach ausgeglichenem Beginn ab 1774 die beiden breit gefassten Sparten „Geschichte und Geographie“ sowie „Schöne Künste“ als Produktionsschwerpunkte heraus. Dabei wird der Blick auch auf die Übersetzungsanstrengungen der Gesellschafter gerichtet. In Briefen zwischen einzelnen Autoren und dem Verlagsgründer Vinzenz Bernhard Tscharner wurde intensiv diskutiert, was in welcher Sprache wo vertrieben werden könne und wo sich eine Übertragung in eine andere Sprache nicht lohne. Nicht selten ist darin eine Diskrepanz zwischen zugeschriebenem literarischem und estimiertem kommerziellem Wert eines Textes auszumachen. Aufgrund einer aktuellen Forschungsdiskussion wird auf die Produktion ohne offizielle Privilegien hergestellter Nachdrucke besonderes Gewicht gelegt. In den Spekulationen um einzelne Nachdruckprojekte zeigt sich ein enormes Spektrum von Möglichkeiten und Gefahren für die daran beteiligten Verleger, welche oftmals in verworrene Kooperationsund Konkurrenzsituationen zueinander traten.

Zeitweise bedeutender als die eigene Produktion war für die Typographische Gesellschaft Bern aber der Handel mit Druckprodukten. Es wird aufgezeigt, dass dieses Unternehmen in den Jahren um 1770 als „intermédiaire“ im grenzübergreifenden Buchhandel zwischen der Eidgenossenschaft und dem Deutschen Reich eine bemerkenswerte Position einnahm. Zwischenzeitlich vertrat die Gesellschaft knapp 20% aller an der für den mitteleuropäischen Buchhandel massgebenden Messe in Leipzig gehandelten, französischsprachigen Bücher. Dies entsprach 85% aller von schweizerischen Verlagen produzierten französischsprachigen Werke. Anhand ausgewählter Fallstudien aus den im Juli 1769 einsetzenden Korrespondenzen zwischen Neuchâtel und Bern kann ein lebendiges Bild des Tagesgeschäfts gezeichnet werden. Sowohl handelnde Akteure als auch praktische Abläufe und alltägliche Problemstellungen können veranschaulicht werden. Dabei tritt die kommerzielle Sicht der Verleger auf die Ware Buch am augenscheinlichsten hervor, werden in den Korrespondenzen sämtliche Facetten der kommerziellen Ebene diskutiert. Während in der vorliegenden Arbeit vorerst der Gesellschaftsgründer Vinzenz Bernhard Tscharner und bekannten Autoren wie Albrecht von Haller und Johann Georg Zimmermann als bestimmende Akteure beschrieben werden, wird mit Fokus auf die Geschäftskorrespondenzen zunehmend erkennbar, dass es gewiefte Geschäftsmänner wie der Heidelberger Louis Pfähler oder ein gewisser Serini aus Italien waren, welche als so genannte Faktoren im Betrieb die Entscheidungen fällten und so die Aktivitäten und die Ausrichtung der Gesellschaft prägten.

Voraussichtlich wird die vorliegende Lizentiatsarbeit im Frühling 2011 in gekürzter Form in der „Berner Zeitschrift für Geschichte“ erscheinen.

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