Inspizieren und Staunen. Die Feldbücher des Forstinspektors Franz Fankhauser im Untersuchungszeitraum von 1876 bis 1929.

Nom de l'auteur
Cyril
Beck
Type de travail
Mémoire de licence
Statut
abgeschlossen/terminé
Nom du professeur
Prof.
Christoph Maria
Merki
Institution
Historisches Institut
Lieu
Bern
Année
2008/2009
Abstract


Im Zentrum der Arbeit stehen die 0.88 Laufmeter umfassenden Feldbücher des eidgenössischen Forstadjunkten und späteren Forstinspektors Franz Fankhauser (1949-1932), welche erst kürzlich im Archiv der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf „wiederentdeckt“ worden sind. Der Forstbeamte Fankhauser, der nie an der Spitze der eidgenössischen Forstinspektion stand, war als langjähriger Redaktor der Schweizerischen Zeitschrift für Forstwesen und als Wissenschaftler einer der führenden Köpfe der schweizerischen Forstwesens seiner Zeit und genoss auch internationales Ansehen.

Die Feldbücher beginnen kurz nach Inkrafttreten des ersten Forstpolizeigesetzes von 1876, welches dem Bund erstmals forstliche Kompetenzen einräumte und in Folge dessen Fankhauser bei der eidgenössischen Forstinspektion angestellt worden war. Die letzten Eintragungen datieren aus dem Jahr 1929, als Fankhauser im Alter von 80 Jahren seinen physisch anspruchsvollen Dienst quittierte – die Feldbücher decken somit die ersten 53 Jahre eidgenössischer Forstverwaltung lückenlos ab.

Mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse konnte ein Überblick über die Inhalte der im Zuge der vorliegenden Arbeit erstmals wissenschaftlich ausgewerteten Feldbücher gewonnen werden. Neben berufsbezogenen Notizen – v.a. über Aufforstungsund Verbauungsprojekte – nahmen in einigen Feldbüchern Notizen über die Ziegenwirtschaft und Reisebeschreibungen grossen Platz ein.

Die Fragestellungen leiten sich einerseits aus dieser Analyse, anderseits aus Fankhausers Biographie ab: Neben der Klärung von administrativen und forstpolitischen Zusammenhängen der Quelle (1) wird nach deren Funktion für Fankhausers wissenschaftliche Arbeit gefragt (2), zudem soll sein Wirken in die damals herrschenden forstlichen Konzeptionen eingebetet werden (3). Schliesslich werden seine „privaten“ Reisenotizen in breitere Zusammenhänge gestellt (4).

Der Vergleich mit Akten aus dem Schweizerischen Bundesarchiv (Bestände E16 „Forstwesen“ und E3270 (A) „Eidg. Inspektion für Forstwesen, Jagd und Fischerei“) macht deutlich, dass die Feldbücher eine klare Stellung im administrativen Kommunikationsprozess zwischen Kanton und Bund innehatten, allerdings keine „verbindlichen“ Verwaltungsdokumente waren.

Die Gegenüberstellung von Franz Fankhausers Dissertation über die Ziegenwirtschaft in den Alpen mit den Feldbüchern ergibt, dass die letzteren zentral für seine wissenschaftliche Tätigkeit waren – inhaltliche und gar wörtliche Übereinstimmungen mit der Dissertation belegen dies. Einige, von Fankhauser mit grösster Wahrscheinlichkeit später eingefügten Markierungen verweisen gar direkt auf die Kapitel der Dissertation.

Konzeptionell ist Fankhauser eindeutig der Nachhaltigkeit des „Naturhaushalts“ zuzuordnen. Diese integriert frühere Konzeptionen, indem sie sowohl auf einen nachhaltigen Geld-, wie auch Holzertrag des Waldes Wert legt, welcher zudem kontinuierlichen Schutz vor Naturereignissen bieten soll. Wissenschaft und Verwaltung nehmen dabei zentrale Rollen ein. Franz Fankhauser war dabei massgeblich von seinem Vater, dem Forstmeister des Kantons Bern und Protagonist des „Naturhaushalt“ Franz Fankhauser (I), beeinflusst – so führte er dessen Publizistik nach dessen Tod weiter. Fankhausers Bedeutung liegt insbesondere darin, dass er diese zunächst in Kanton Bern wirkungsmächtige Konzeption auf die nationale Ebene übertrug. Fankhausers Beschreibung von Landschaft und Bevölkerung lässt sich in verschiedene Zusammenhänge einordnen: Neben „romantischen“ Landschaftsansichten und für das 19. Jahrhundert typische bürgerliche „Rundsichten“ finden sich auch starke Bezüge zum schweizerischen Alpinismus: So war Fankhauser englischen Touristen gegenüber sehr negativ eingestellt, was mit seiner grundsätzlich positiven Sichtweise der touristischen Erschliessung der Alpen kontrastiert. Ambivalent sind auch seine Beschreibungen der lokalen Bevölkerung: Er notiert zwar akribisch die lokalen Sitten und Bräuche, äussert sich aber gleichzeitig oft sehr herablassend über diese Leute, insbesondere über die Frauen. Hin und wieder erwähnt er die „Ultramontanten“ als Hindernis für die Durchsetzung der eidgenössischen Forstpolizeigesetzgebung.

Die Einbettung der Lizentiatsarbeit in verschiedene Zusammenhänge geht notwendigerweise auf Kosten der Vertiefung. Die Feldbücher könnten etwa für wissenschaftshistorische Fragestellungen herangezogen werden, aus forsthistorischer Sicht könnten agrarische Waldnutzungen untersucht werden und die ab 1895 kontinuierlich vorhanden und akribisch aufgeführten Spesenund Haushaltsrechnungen böten ausreichend Material für alltagsgeschichtliche Untersuchungen.

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